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Das Geheimnis der Leidenschaft

Es gibt Begegnungen, die sind magisch. Sie vermögen es, unser Leben von einem auf den anderen Augenblick zu verändern. „Augen-Blick“ ist sprichwörtlich gemeint: Wir sehen jemanden und fühlen eine Anziehung, die mit dem Verstand nicht mehr zu erklären ist. Eine solche Geschichte erzählt mein erster Roman, DAS LIEBESVER-SPRECHEN, www.nicolerose.de. Die Sechsologie der Sinne endet im LIEBESVERBRECHEN.

Wir fühlen uns, als ob jemand ein Streichholz genommen hätte und es mitten an unser Herz hält. Tanzen auf dem Vulkan. Voll Entzücken, Begierde und Lust. Geben uns dem anderen vollkommen hin.

Woran nur liegt es, dass wir von einem auf den anderen Moment einem Menschen völlig verfallen? Währenddessen uns andere Menschen völlig kalt lassen. Oder unser Blut höchstens lauwarm erwärmen, statt es zum Kochen zu bringen? Das wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Denn unser Verstand verkümmert angesichts eines vor Leidenschaft brennenden Herzens. Es entsteht ein Lauffeuer der Lust, des Begehrens, das scheinbar unmöglich zu stoppen ist.

Doch was, wenn das Feuer erlischt, wenn es nicht machbar ist, den Funken der Begierde in den Alltag hinüberzuretten? Wenn gegenseitige Vorstellungen so diametral sind, das eine harmonische Verbindung nicht möglich scheint?

Die Trennung von einem Menschen, die so intensiv und überwältigend ist wie ein ausbrechender Vulkan, ist zerstörerisch. Erinnern wir uns an Fatal Attraction. Was zu Beginn als herzerschauernde und lodernde Leidenschaft beginnt, endet in Blut, Tränen und der Vollkatastrophe. Auch wenn nicht immer Messer zum Einsatz kommen, so werden Herzen bluten und Träume zerstört. Seelen nehmen Schaden.

Ich bin mehrmals in meinem Leben Opfer oder auch Beschenkte der Leidenschaft geworden. Missen möchte ich sie nicht. Dieses Gefühl ist so ergreifend, erstrahlend und einzigartig wie es – wenn sich Liebe in Hass verwandelt – grausam, schrecklich und zerstörend wirken kann.

Was können wir tun, um den Zauber der Leidenschaft zuzulassen, ohne darin zu verbrennen?

Können wir den Tanz auf dem Vulkan genießen, ohne daran unterzugehen? Ich weiß aus Erfahrung, dass es möglich ist. Mit Verständnis und Respekt lässt sich das Feuer eingrenzen, bevor es Totalschaden verursacht. Wenn wir für unsere Liebe in Form des Traummannes oder der Traumfrau kämpfen, ohne dass wir zulassen, dass Angst und Zweifel, die Totengräber jeglicher Träume, selbige zerstören, dann kann es sein, dass die Flamme überlebt und zu einem stetigen Licht des Glücks wird.

Wenn allerdings die Schmerzen zu stark sind und unser Herz zu verkohlen drohen, dann ist es höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen. Doch wie erkennen wir, ob eine Liebe noch eine Chance hat oder endgültig ausgebrannt ist?  Manchmal hilft eine Auszeit zum Nachdenken und Nachfühlen. Wenn Worte nur noch wehtun und nicht mehr heilen. Wenn beide Liebenden zum gleichen Schluss kommen, dass es wert ist, für die Liebe zu kämpfen: Go for it. Wenn nicht: Nehmen wir die guten Erinnerungen und vergessen das Leid. Schreiten weiter auf unserem Lebensweg und der Suche nach dem immer verlockenden, vollkommen leidenschaftlichen Verschmelzung mit unserem Counterpart. Lernen wir aus der Vergangenheit und verschließen unser Herz nicht vor der Begegnung mit erneuter Liebe. Doch nicht nur das Herz, auch die Augen sollten offenbleiben … Dieses tibetanische Gedicht kann dabei helfen, den richtigen Lebens- und Liebesweg zu finden. Ich wünsche allen meinen Lesern viel Erfolg, Glück, Liebe, Lust und Leidenschaft auf ihrem Lebensweg!

GEDICHT: ICH GEHE EINE STRASSE ENTLANG

1.
Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren … Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

3.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein … aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

4.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5.
Ich gehe eine andere Straße entlang.

Literatur:

Rinpoche, Sogyal: Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben. Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod, Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 5., Aufl. (Oktober 2004).

 

 

 

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