Fast alle tun es, kaum jemand spricht darüber, und das, obwohl es eines der befriedigendsten Hobbys ist, die es gibt: Die Märklin-Eisenbahn! Nein Briefmarken! Ach richtig, es ging ums Masturbieren. Im Gegensatz zu anderen Hobbys ist das Blöde am Masturbieren, dass man nicht einfach in einen Verein gehen kann und dann nach und nach von den erfahrenen Vereinsmitgliedern lernen kann, wie es geht. Immerhin: Für Frauen ist da Hoffnung in Sicht! Eine Schlagzeile aus jüngster Zeit verkündete: Weiterlesen

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass es da draußen jede Menge Frauen gibt, die auch andere Haustiere halten als jene drei Spezies in der Überschrift. Frauen hamstern. Frauen spinnen. Bei manchen pfeift das Meerschwein. Und manche haben einen Vogel. Hatte ich schon gesagt, dass ich hier niemanden auf Grund seiner persönlichen Haustierwahl angreifen will? Nicht? Dann sei das hiermit getan. Ich meine ja nur, fast jeder hat heutzutage seinen persönlichen Haustierhintergrund. Bei mir war das erste übrigens Weiterlesen

Reden beim Sex – gar noch „schmutzig“? Wirklich zum ersten Mal bin ich auf das Thema „dirty talk“ gestoßen, als ich Ende der Achtziger „Ein Fisch namens Wanda“ angeschaut habe. Da pimpert dieser „Otto“ Jamie Lee Curtis aufs Heftigste und spricht dabei italienisch, was sie rasend macht. Was weniger bekannt ist: Curtis musste während der Szene ihren Kopf im Kissen verstecken, weil sie ihr Lachen/Grinsen sonst nicht hätte verbergen können. Anyway: Für mich als eingefleischten Monty-Python-Fan war der Film fantastisch! Ich lachte mich schlapp, aber immerhin nicht so krass wie der Däne Ole Bentzen, der beim Ansehen des Films an einem durch starkes Lachen hervorgerufenen Kreislaufstillstand starb. Was blieb? Zumindest eine Ahnung davon, dass Sprechen beim Sex beachtliche Auswirkungen auf den Verlauf des Geschehens haben kann und die Neugier darauf, das auszuprobieren.

Bio-Tonne?

Denn bislang, ich war damals Anfang zwanzig, hatte ich beim Liebesspiel eigentlich immer meinen Mund gehalten. Entweder weil ich ihn beim Knutschen zu voll genommen hatte oder weil ich mich schlicht nicht traute, offensichtlich reale Wünsche wie „Dreh dich auf den Bauch!“ zu artikulieren. Selbst schuld? Ja, das kann ich aus heutiger Sicht durchaus unterschreiben. Aber auch nach dem Film dauerte es noch ziemlich lange, bis der „Wanda-Effekt“ – um ihn mal so zu nennen – auch in meinem Real Life ankam. Das lag nicht ausschließlich an mir. Da gab es etwa eine Partnerin, die es tatsächlich mitten im Liebesspiel fertig brachte zu sagen: „Wir dürfen morgen nicht vergessen, die Bio-Tonne rauszustellen!“ Nun – Erektionen sind ein zartes Geflecht aus Situation, Berührung, Aktionen und durchaus verwundbar. Zum Beispiel durch Worte im falschen Moment. Ja, eine Bio-Tonne hat etwas mit Schmutz zu tun, mehr sogar als all ihre Geschwister-Tonnen. Aber diese Art von Dirty Talk schlug mir wahrlich aufs Gemächt.

Verstörender Tagtraum

By the way: Neulich hatte ich während einer ansonsten öden Busfahrt einen verstörenden Tagtraum zu diesem Thema: Ich war auf einer Demo gegen das neue Polizeiaufgabengesetz in Bayern und lernte dort eine wunderschöne Jung-Grüne kennen, deren Organisation diese Demo auch organisiert hatte. 23 Jahr, blaues Haar, viel Metall im Fleisch – ich war erstaunlicherweise wie hin und weg und wie Tagträume nun mal so sind, landeten wir ohne langes Essengehen und Getue in einem angenehm großen Bett. Knutschen? Vorspiel? Tagträume überspringen so was gern, besonders wenn  der Busfahrer Gelegenheit hat, mal ein paar Haltestellen zu überspringen und so richtig Tempo aufzunehmen! Dann ich so: „Kannst du dieses Vaginal-Piercing mal raus nehmen? Das rubbelt mir den Schwanz wund!“ Das war kein Dirty Talk, sondern ein Hilferuf. Aber sie flippte völlig aus. „Schwanz? Was bist denn du für ein patriarchalisches Arschloch, wenn du solche Wörter benutzt?“ „Welches Wort hätte ich denn benutzen sollen?“ entgegne ich kläglich, derweil meine „Kriegsflagge“ bereits am Darniedersinken ist. „Elender Macho!“ schallt es mir noch entgegen, bevor die Automaten-Kinderstimme des Busses verkündet, dass hier am Sanderring nun Endstation ist.

Klappe halten und genießen?

Was ich noch zu sagen hätte? Ja, immerhin habe ich dann doch mal eine Frau kennen gelernt, bei der mir Sprache, also Wünsche, aber auch bei Gelegenheit deftige Ansagen während dem Sex nicht schwerfielen und auch kein abtörnendes Gezeter provozierten. Das war schön und lässt mich hoffen. Auch wenn ich mich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr in diesem Punkt der quasi buddhistischen Position näherte: Klappe halten und genießen!

Okay – zumindest für die Damen unter meinen Lesern stellt sich diese Frage (zumindest vorläufig noch) nicht. Nach wie vor läuft die Geburt nicht ohne die Frau (aber auch das wird sich ändern, wenn es uns als Spezies noch hundert Jahre gibt): Mitten drin, live dabei, viel Geschrei – jaja so geht das, seitdem es unsere Spezies gibt. Für uns Männer ist das ja nicht so. Je nach Kultur und Stimmungslage in der Gesellschaft gibt es unterschiedliche Wahlmöglichkeiten für die selbsternannten Herren der Schöpfung. In früheren Zeiten und zahlreichen Kulturen war es wohl so, dass sich die Männer aus diesem finalen Prozess des „Auf die Welt Kommens“ heraushielten, beziehungsweise sogar herauszuhalten hatten. Stattdessen einen von dem legendären Selbstgebrannten, Füße hochlegen, (vielleicht) beten und der dräuenden Durchsage der Geburtshelferin harren, bei der es eigentlich nur drei Varianten gab: Junge, Mädchen, tot.

Irgendwas mit Hollywood?

Heute in Deutschland ist das natürlich anders. Als für mich zu ersten Mal die Frage auflief, bei der Geburt dabei sein zu wollen oder eben nicht, stand es für mich die Antwort völlig außer Frage: Ja, ich will! Warum das eigentlich so war, ist aus der Retrospektive allerdings unklar. Weil ich es an anderer Stelle, dem Standesamt, eh schon mal gesagt hatte? Woher kam diese klare Positionierung eigentlich? Ich weiß es offen gestanden nicht wirklich. Irgendwas mit Hollywood vermutlich. Eine ausreichend hohe Anzahl geguckter Filme, in denen frisch gebackene Väter – natürlich unter vorheriger Ausblendung blutiger Begleiterscheinungen – glückselig ihren frisch geschlüpften Nachwuchs am Kindsbett im Arm halten. Brainwash halt, im Rückblick kann ich es wirklich nur so bezeichnen und trotz intensiven Nachdenkens gelang es mir nicht, den entscheidenden Film zu identifizieren, der mich dazu bewog, dabei sein zu wollen.

Fruchtwasser weg? No problem!

Aber Fakt war: Ich war voll dabei. Geburtsvorbereitungskurs und solidarisches Hecheln an zufällig anwesenden Petzi-Bällen. Grunzend räkeln auf Isomatten. Und dann: Fruchtwasser geht raus und ab in die Klinik! Eine Klinik im Übrigen mit christlichem Hintergrund (Stichwort Mission), die sich sehr stark dem Gedanken der natürlichen Geburt verschrieben hatte. Was insbesondere die für uns zuständige Hebamme mit einschloss. Fruchtwasser weg? No problem! Jetzt war Treppensteigen angesagt. Rauf runter, runter rauf – dann mal Zwischenstopp, ein bisserl Gefummel in der Vagina, am Muttermund und was weiß ich noch wo und weiter ging das. Fast 24 Stunden und irgendwann war ich so platt – obwohl nur der Mann an ihrer Seite –, dass ich fast vom Petzi-Ball gekippt wäre. Die Hebamme hat mich an die frische Luft geschickt. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich aus Schwangerschaftssolidarität mit dem Rauchen aufgehört hatte. Und wer stand da am Ausgang, als ich auf der Suche nach Frischluft war? Richtig – eine Krankenschwester beim Qualmen, die mir wortlos ihre Packung Marlboro hinhielt. Natürlich griff ich zu.

Showdown? Check!

Wenig später war es dann so weit. Der Showdown! Nicht weil das Kind von alleine kam, sondern weil der diensthabende Testosterongeschwängerte Arzt wohl endlich mal was Neues ausprobieren wollte. Den Kristella-Handgriff: Der geht plump gesprochen so, dass der Arzt volle Lotte (Ellbogen voraus) auf den Bauch der Schwangeren drückt und hofft, dass unten was bei raus kommt. Was denn auch der Fall war: unser Sohn, schon blau angelaufen, weil sich die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt hatte. Ein Bild, das niemand braucht. Die Löschfunktion im menschlichen Gehirn ist bei derlei Ereignissen verbesserungswürdig. Mehr? Okay, ich halte mich zurück. Nur so viel: Natürlich hatte die brutale Form der Entbindung einen Dammriss verursacht und ich hatte das Vergnügen, diesem psychopathischen Arzt (Zitat: Eigentlich wäre ich gerne Chirurg geworden) beim Zusammenflicken der intimsten Teile meiner Frau zuzusehen. Check! Natürlich hatte auch das Gefummel der Hebamme ohne Fruchtwasser Nachwirkungen – Sohn kommt mit Mittelohr-Infekt auf die Welt, Intensivstation. Check! Der Entzug von Geruch und Aura der Mutter auf der Intensivstation versetzt dem Neugeborenen ein Trauma – zwei Jahre Schreikind ahead – Check! Unfassbar – oder? Trotzdem war ich drei Jahre später wieder mit von der Partie, als mein zweiter Sohn zur Welt kam. Aber das ist eine andere Geschichte. Nur so viel: Schlechte Bilder kriegt man nicht so einfach weg. Das kann einfach der falsche Film oder die falsche Serie sein, die du schaust. Schalt rechtzeitig aus, dein Hirn vergisst nicht. Oder aber eben eine selbstverständlich scheinende Entscheidung im Real Life, die auch immer noch flüstert: Das wolltest du nicht sehen.

Sind Träume Schäume? Mag schon sein, aber wenn du dich nach einem intensiven Traum an nahezu alles erinnern kannst, dann fällt es schwer den Gedanken abzuschütteln, dass da doch was dran war. So ging es mir unlängst, als ich von meinem Date mit Dati und Geni träumte und von dem ich euch erzählen will.

Wie es so oft in Träumen geschieht, wusste ich nicht mehr, wie es zu diesem Date kam. Aber die Szenerie stand mir leuchtend vor Augen! Ich saß mit den beiden am Rande einer Ausflugswirtschaft, mitten im Wald. Das Licht der Nachmittagssonne brach sich schillernd seine Bahn durch die Kronen der Bäume und ein großer dieser Strahlen illuminierte unseren Tisch aufs angenehmste: Dati, eine blonde Schönheit, seltsamerweise kann ich mich nicht daran erinnern, was sie anhatte. Geht es auch genauer? Nun, eigentlich schien sie mir mehr oder weniger nackt zu sein und über eine beachtliche Oberweite zu verfügen. Was in einer Ausflugswirtschaft eher grotesk ist, aber im Traum geht ja so einiges. Geni hingegen war eher der keltische Typ: langes rotes Haar, Locken, die im milden Wind der Sommerluft schaukelten, grüne Augen und sie trug – das weiß ich seltsamerweise noch – ein mittelalterlich anmutendes Kleid in einem sanften Grün. Dann begannen wir, uns altertümlich zu unterhalten.

Tauchgründe

Ich: Wie kommen wir an diesen Ort? Ich fürchte, ich kann mich nicht des Anlasses erinnern?
Geni lacht und zwinkert mir zu.
Dati: Anlass? Den braucht es doch nimmer, es war einfach ein wunderbarer Zufall!
Ich (überrascht, gerade erst entdeckt): Oh, schaut mal, da drüben ist ein Schwimmteich! Wollen wir zusammen ins kühle Nass? Ich will mich ja nicht dieses Umstands brüsten, aber ich bin ein ausgezeichneter Schwimmer!
Geni lacht, rennt auf den Teich zu und streift im Laufen ihr Kleid ab, unter dem sie nichts getragen hat. Dati ist beinahe genauso schnell und scheint nichts auszuziehen zu müssen? Natürlich bin ich der Letzte, der in die Fluten springt. Sie spritzen mir Wasser ins Gesicht, der Gedanke, dass da in der Nähe mal eine Ausflugswirtschaft nebenan an war, vergurgelt in den Tiefen des Teiches.
Dati (nachdem ich wieder Luft kriege): Hej – jetzt sollten wir uns echt des Lebens erfreuen!
Geni taucht unter, aber die aufsteigenden Luftblasen scheinen „des Lebens, des Lebens“ zu flüstern.
Plötzlich ruft Dati: Achtung! Da ist es tief!
Und verschwindet in der Tiefe. Ich werde leicht panisch, als Geni wieder auftaucht.
Sie sieht sich verwirrt um und fragt: Wo ist Dati?
Entsetzt rufe ich: Sie ist da drüben versunken!
Doch Geni lächelt mich nur an, umfasst mich zärtlich, haucht mir einen Kuss auf die Lippen, sieht noch einmal zu der Stelle, an der Dati versunken ist und murmelt weise: Geh nie zu tief!

Stolz und Würde – zwei Wörter, die im Neusprech nahezu ausgestorben sind. Warum eigentlich? Beginnen wir mit dem Stolz. Der scheint ja zunächst einmal positiv besetzt zu sein: Ich bin stolz, meine Abschlussprüfung gemacht zu haben! Ich bin stolz, so fantastische Kinder zu haben! Ich bin stolz, so zu sein, wie ich bin! Wobei Letzteres schon entweder eine gewisse Reife oder schlichte Ignoranz widerspiegeln kann – da lohnt es sich nachzuschauen. Denn: Woran macht sich das fest? Weil ich Anregungen von außen gänzlich ignorieren kann? Oder weil ich so viel verdiene, dass mir die Meinungen meiner Mitmenschen scheißegal sind? Vielleicht ja auch, weil ich von klein auf gelernt habe, dass auf etwas stolz zu sein, zwei Schritte sind: Sich selbst ein Treppchen höher setzen, die anderen eins runter. Mensch-Ärgere-Dich-Nicht im Real Life sozusagen. Das kann man machen, aber macht das glücklich? Weiterlesen

Penisbilder – die Selfies für untenrum – bekommen heutzutage zahlreiche Frauen geschickt, wenn sie auf Social Media unterwegs sind. Sprang „in der guten alten Zeit“ der Exhibitionist noch standesgemäß hinter einem Busch hervor und entblößte unter seinem klischeehaft langen Trenchcoat sein Geschlechtsteil, dann war das den Lokalzeitungen noch einen Zweispalter auf der Titelseite wert.

Heute ist das anders. Junge Frauen wachsen auf mit Datingportalen; früh lernen sie, dass sich Tinder auf Kinder reimt und die Exhibitionisten der Gegenwart haben es gut. Sie müssen nicht mehr länger frierend hinter dünnlaubigen Büschen ausharren, sondern können bequem im heimischen Wohnzimmer ihr bestes Stück in ein wohlgefälliges Licht setzen und unaufgefordert als persönliche Nachricht an jene Frauen senden, die ihre Aufmerksamkeit erregt haben. Wie geil ist das denn? Musste man früher – zuzeiten der analogen Fotografie – in der Tat fürchten, das Penisbild könnte einem Fotolaboranten auffallen, ist es heute – ohne Furcht vor einer Anzeige – fertig zum Versand, an eine nicht nach oben begrenzte Zahl potentieller Empfängerinnen.

Sind Pornos an den Penisbildern schuld?

Nachdem ich beschlossen hatte, über dieses Thema zu schreiben, wurde mir schnell klar, dass ich diesbezüglich über unzureichende Erfahrungen verfügte und verfasste einen Post in einer sehr lustigen Single-Gruppe auf Facebook, der da lautete: „Tach! Schreibe gerade am Blog der Woche – Thema: Penisbilder! Was sagen die Damen dazu? Sind hier Männer, die schon welche verschickt haben und das kommentieren wollen? Gerne per PN.“ Um es vorweg zu nehmen. PN‘s von Männern, die aktive Verschicker von Penisbildern sind, habe ich nicht bekommen. Was schade ist, denn es hätte mich sehr interessiert, was in diesen Männern dabei vorgeht. Interessant und nachdenkenswert fand ich in diesem Zusammenhang die Aussagen der Hamburger Psychotherapeutin Ann-Marlene Henning, die sie in einem Interview zum Thema „Penisbilder“ der Website „Barbara.de“ traf. Sie sagte: „Für Männer geht es beim Penis häufig um Größe. Schuld daran sind auch die Pornos, die sich sehr, sehr viele Männer regelmäßig anschauen. Hier wird sich erneut verglichen. Doch diese zeigen kein Abbild der Realität, sondern nur Riesen-Penisse, darüber sollten schon Jugendliche aufgeklärt werden. Die Penisgröße ist somit für Männer, was für uns die Kleidergröße ist. Sie fühlen sich zu kurz und wir zu dick. Schuld daran sind unrealistische mediale Bilder.“

Penisbilder – nichts für Frauen

Das fand ich wohltuend relativierend und die ja auch bei mir spontan auftauchende Phrase vom Exhibitionisten durchaus entkräftend. Aber zurück zur Singlegruppe und dem, was die betroffenen Damen dort zum Thema beizutragen hatten. Schnell wurde klar, dass sich eigentlich keine Frau über so eine „Botschaft“ freut. Also fragte ich nach: „Ab welchem Zeitpunkt der Kommunikation kommen die denn? Gleich am Anfang oder erst, wenn man eine Weile geschrieben hat?“ Die Antworten waren unterschiedlich, ließen aber Rückschlüsse auf ein gewisses Muster zu. Hier eine Auswahl: „Laut einigen Damen als Einstieg unmittelbar nach der Frage „wie geht’s“?“ „3 bis 4 Sätze … dann kommt das Sex-Thema und die Pimmel-Fotos – äußerst nervig“. „Ich habe auch schon welche komplett ohne Vorwarnung bekommen. Ohne Kommentar, ohne auch nur ein „hallo, wie geht‘s dir“ vorher…“. Oder auch: „Man bekommt Penisbilder entweder als Einstieg mit den Worten „da würdest du doch gerne mal drauf sitzen“ oder wenn man schreibt „danke kein Interesse“ als Bonus so nach dem Motto „schau was du verpasst“. Was nicht klar wurde in den Feedbacks war, wer das eigentlich verschickt. Jüngere? Ältere? Männer aus einem schwierigen sozialen Milieu? Hierzu gab es keine klaren Aussagen und bringt mich zu der Vermutung, dass es kein klares Muster gibt, sondern schlicht nur eine Fixierung verschiedenster Männer auf ihr bestes Stück, das ihnen als schlagendes Argument in einer persönlichen Unterhaltung erscheint. Oder wie der Lateiner sagt: Coito, ergo sum! Bis bald mal wieder …

Da macht dein Gegenüber den Mund auf, spricht zu dir und es haut dich einfach um! Das kennen viele von uns – oder? Dazu muss gar nichts sonderlich Intelligentes oder gar Laszives gesagt worden sein. Da reicht oft schon etwas Banales wie „Ganz schön laut hier“ oder „Kannst du mir sagen, wie spät es ist“? Woher kommt das? Und wohin führt das? Und überhaupt widerspricht so eine Erfahrung doch fundamental der Mainstream-Wahrnehmung in einer optisch gesteuerten Welt. Ja klar, bei einem Musiker oder einer Musikerin, da darf einem bei ner sexy Stimme schon mal die Gänsehaut den Rücken runterlaufen. Aber einfach so im Alltag? Beim Metzger an der Theke? Ich: „Ein paar Bratwürste bitte!“ Die Metzgereifachverkäuferin: „Mit Bärlauch oder ohne?“ Plötzlich siehst du sie für Sekundenbruchteile nackt. Das, was unter der Plastikschürze, die vor dem Verspritzen von Fleischabfällen schützen sollte, zu sehen ist. Das nennt man auditive Wahrnehmung und hat Geschwister: Nämlich die optische und die haptische Wahrnehmung – aber dazu später.

Reality-Check

In der Echtweltmetzgerei wirst du natürlich sagen „Bitte die ohne Bärlauch“ oder was auch immer. Die Fleischschürze der Dame wird wieder intransparent, du legst das Wurstpäckchen in deinen Einkaufswagen und irgendwann einer Kassiererin aufs Band, die vermutlich kein Wort mit dir wechselt. Aber jenseits der Metzgertheke sieht das oft anders aus. Meine Exfrau zum Beispiel: Als die Kinder klein waren,  liebte sie es, mit mir zu nachts zu telefonieren – so von Stockwerk zu Stockwerk – sie schon im Bett, ich noch am Selbstausbeutungs-Freiberufler-Schreibtisch. All das, was am Tage geschehen war, konnte nun in Ruhe besprochen werden und ja – sie stand auf meine Stimme! Was gelegentlich in heißen Elternsex mündete. Und das war gut so.

Das erste, was du hörst …

Nicht anders verhält es sich auf Dating-Portalen. Schreibsel, schreibsel, laber, laber – bis irgendwann eine Seite vorschlägt, zu telefonieren und sogar die – nunmehr Stalking-gefährdete – Handynummer preiszugeben. Oder die Festnetznummer, man weiß nicht, was letztlich schlimmer ist. Ich kenne tatsächlich Leute, die hierzu ein Prepaid-Handy in Reserve haben, aber das ist eine andere Geschichte. Fakt ist: So wie es einen „Blink!“ bei optischer Wahrnehmung gibt, so gibt es genauso einen Wow-Effekt, wenn du dein Geschreibsel-Gegenüber am anderen Ende der Leitung hörst! Aus dem Stimmklang schwingt unglaublich viel rüber, vieles auch, was Optik verbergen mag, die Stimme aber nicht: Optimismus, Frechheit, Paarungsbereitschaft. Resignation, Vorsicht, Schüchternheit. Und so vieles mehr. Wenn du deinen Ohren traust, dann ahnst du normalerweise nach ein paar Minuten, wer da ins Mikrofon spricht oder da lauscht.

Mit Dirty Talk zur erfüllteren Partnerschaft

Ich persönlich habe eigentlich überwiegend positive Resonanz auf die Resonanz meiner Stimme bekommen. Sollte ich deswegen in einem Call-Center arbeiten? Nein – die zahlen zu schlecht und wissen gute Stimmen nicht zu schätzen. Aber was ich zum Thema „Dirty Talk“ noch sagen will: Probiert es aus! Viele unausgesprochene Wünsche gehen im Bett leichter über die Lippen als bei anderen Gelegenheiten und so können Wege hin zu einer erfüllteren Partnerschaft eingeschlagen werden, die sonst nicht so ohne weiteres gangbar wären. Ende? Oh! Ich habe die Haptik vergessen – dazu ein Beitrag an anderer Stelle. Sprecht miteinander, so viel es geht …

Also was spontanen, ungeschützten Sex angeht, so gehöre ich zu der Generation, die da so richtig die Arschkarte gezogen hatte. Ich spreche natürlich von Aids, das vom „Center for Disease Control (CDC)“ am 1. Dezember 1981 als eigenständige Krankheit erkannt wurde. Fuck! Da war ich 15 und durchaus willens, aber noch nicht in der sozialen Position, zu einem reichhaltig-abwechslungsreichen Sexualleben. Um ganz offen zu sein: Zu mehr als Zungenküssen und ein bisserl Petting reichte es damals nicht. Bis sich das dann so nach und nach änderte, änderte sich auch einiges in Sachen Aids: Erste Prominente starben daran, die Presse beschrieb immer schriller, wie sehr die Seuche nun auch ins Mainstreammilieu der Heterosexuellen hineingeschwappt sei und dergleichen mehr.

Aids: Was macht das mit dir?

Mitte der achtziger Jahre war es endlich so weit: Die Pickel der Pubertät waren verheilt, die schlimmsten Auswirkungen der ersten Verkopfung (Sie: Wollen wir mal wieder ausgehen? Ich: Wovon?) waren überstanden, das erste Auto stand bereit und da draußen lockte eine Welt voll von attraktiven Frauen, die es kennenzulernen galt. Und natürlich gerne mehr als kennenlernen, gerne Sex, gerne im Sechserpack, möglichst viel davon. Jaja, die Hormone halt und vor allem dieses überschäumende Testosteron. Blöd, wenn dann nächtens, wenn die Tore deines weiblichen Gegenübers weit offenzustehen scheinen, dein innerer Zensor auf den Plan tritt: „Hast du Kondome dabei?“, grollt er und „Nein, hast du nicht. Warum nicht?“ „Vielleicht, weil ich einfach nur tanzen gegangen bin und …“ wage ich zu antworten und werde eingeschüchtert: „Wenn du jetzt mit dieser Frau schläfst, dann kann das dein Todesurteil sein“, stellt der Zensor grimmig und mit einer gewissen Zufriedenheit fest. Und in der Realität gingen damals allzu oft Tore, die gerade noch offen schienen, ganz schnell wieder zu. Das ging uns nahezu allen so, ob Mann oder Frau.

Plastiktüte überm Kopf

Und natürlich war ich nicht der Einzige, der versuchte, das mit den Präsern zu beherzigen. Wie viele Sorten habe ich ausprobiert? Mehr als zehn, schätze ich und das Ergebnis war bei jeder Variante das Gleiche: Ziehe ich meinem besten Stück eine Gummi-Tüte über den Kopf, dann gruselt „Er“ sich. Warum? Keine Ahnung? Vielleicht „sieht“ Er nichts mehr oder die Hautatmung wird unterbrochen oder was weiß ich. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber Fakt war und ist, dass Er das nicht abkann und in 90 Prozent der Versuche mit einer Erektionsstörung reagierte und in den restlichen zehn Prozent schlicht nicht kam. Verstehen kann ich das; wenn mir jemand vor dem Sex eine Plastiktüte über den Kopf zöge, wäre ich auch unlustig.

Shit happens

Also bin ich ins Risiko gegangen. Scheiß auf den Zensor, man lebt nur einmal, „live fast, die young“ und so. Bis dann mal eine Dame dabei war, von der ich erst später erfuhr, dass sie Heroin spritzt. Und da hatte mich der Zensor wieder an den Eiern. „Du musst dich testen lassen!“ plärrte er tagaus, tagein. Bei einem Kaffee mit einer Journalistenkollegin erzählte ich ihr von meinem Dilemma und oha! Anstatt mich für meine Unvorsichtigkeit zu maßregeln (was heute im Sinne der unsäglichen „political correctness“ wohl unvermeidlich gewesen wäre), offenbarte sie mir, dass es ihr ganz ähnlich ging. Auch eine Nacht mit einem dubiosen Mann, willkommen! In der Paranoia-Zelle ist es zu zweit doch gleich viel kuschliger. Was soll ich sagen? Wir sprachen häufiger darüber und irgendwann, beschlossen wir, zum Test zu gehen.

Positiv: Aids-Test negativ

Der „Test“ war damals noch verbindlich im Gesundheitsamt und ich weiß heute noch, wie strange das auf den Wartebänken vor dem Untersuchungszimmer war. Jeder beäugte jeden. Junkie? Stricher? Homo? Die Augen der Wartenden flitzten suchend hin und her. Sedativa für die Augen in Form von Smartphones gab es ja damals noch nicht.

Eine Woche später – ja, so lange dauerte das damals, bis man die Wahrheit erfuhr, waren meine Kollegin und ich dann wieder vor Ort. Erst sie, dann ich – beide HIV-negativ. Das fanden wir positiv. Boah, waren wir erleichtert! Wir kauften an der Tanke eine Flasche Sekt und gingen zu mir – ich wohnte nicht weit weg vom Gesundheitsamt. Gläser klirrten, später schwirrten – Pheromone durch die Luft. Wir schliefen miteinander, es konnte ja nichts Schlimmes passieren. Es blieb bei diesem einen Mal. Und wir sind heute noch gut befreundet.

 

 

„Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“ – diesen Satz sagen weltweit täglich Millionen Paare in unterschiedlichsten Sprachen zueinander. Danach trennen sie sich meistens ziemlich bald. Wahrscheinlich kennst du das sogar aus deinem persönlichen Erleben.

– Aber warum ist das so?

Nun, die meisten Menschen begehen in ihren Beziehungen einen uralten Kardinalfehler und dieser besteht aus zwei Aspekten.

Der erste Aspekt ist jener, eine Partnerschaft nicht aus Bereitschaft zur Liebe sondern aus Bedürftigkeit einzugehen. Beide fühlten sich vor ihrer Begegnung einsam, innerlich unerfüllt und wollten jemand finden, der diese Umstände ausgleichen soll. Genau deshalb haben sie sich ja auch gefunden, denn Gleiches zieht Gleiches an. In einem solchen Falle sind es zwei Bedürftige, von denen jeder den anderen um Erfüllung anbettelt. Anfangs schwelgen sie im Rausche der Verliebtheit auf Wolke 7, sind guter Dinge und projizieren im Stillen sämtliche Hoffnungen auf den neuen Schwarm. Das geht eine gewisse Zeit lang gut. Da jedoch jeder Rausch mit Ernüchterung endet und zwei unerfüllte Wesen einander nicht zu erfüllen vermögen, weil ja außer Leere nichts da ist, mit dem man den anderen erfüllen könnte, geraten sie in ein elendes Dilemma.

Zwei leere Krüge können einander eben nicht füllen. Ist einer der Krüge voll und der andere leer, wird der volle Krug den leeren zwar zu füllen versuchen, am Ende aber selbst leer sein und somit herrscht wieder die Ausgangssituation. Es bleibt Leere, wo Leere ist. Zwei Bettler können einander nicht vor der Armut retten. Auch ein Reicher kann einen Bettler nicht vor der Armut retten. Er kann ihm zwar Geld geben, ihn aber damit nicht reich machen. Denn Armut ist, ebenso wie Reichtum, ein Seinszustand, keine Frage des materiellen Vermögens. Ein unerfüllter, bedürftiger Mensch bleibt ein unerfüllter, bedürftiger Mensch. Er bleibt es so lange, bis er sich daran erinnert, dass nur er selbst sich erfüllen und somit aus der Bedürftigkeit und Einsamkeit befreien kann. Er muss sich selbst mit Liebe füllen. Er muss ein solch reichlich gefüllter Krug werden, bis er vor Liebe überquillt. Sonst bleibt er leer. Soviel zu Aspekt Nummer Eins, den ich in anderen Texten bereits ausführlicher behandelt habe.

Der zweite Aspekt des Kardinalfehlers in Beziehungen ist der, dass beide dachten, es gäbe eine Zeit des „Sich Kennenlernens“, die eines Tages ihr Ende finden würde. Irgendwann hätte der Eine den Anderen ausreichend kennengelernt und umgekehrt. Dann würde man sich kennen… Ja, und dann? Was sollte danach folgen, sobald man einander ausreichend zu kennen glaubt?

– Daran haben beide wahrscheinlich nur in Form von Idealvorstellungen gedacht. Sie hatten sich den Siebenten Himmel ausgemalt, ganz so, wie er in Liebesfilmen und Liebesromanen verkauft wird. Sie hatten sich vorgestellt, dass sie dann den anderen so gut kennen würden, um alle Techniken zu beherrschen, aus der Begegnung das meiste an Erfüllung für sich selbst herausschlagen zu können. Man würde die Prinzipien verstehen, mittels derer man den anderen so weit bringen könne, sich so zu verhalten, dass es einem selbst angenehm ist. Man hätte den Partner in einem solchen Maße ausgelotet, dass man alle Tricks drauf hat, um durch den anderen an das zu kommen, was man für sich selbst erhofft hatte.

Leider aber haben sich beide damit hoffnungslos in einem Irrtum verrannt, denn man kann einen anderen niemals ausreichend kennenlernen. Man kann sich im Prinzip nichtmal selbst ausreichend kennenlernen, da man sich täglich von Augenblick zu Augenblick verändert und entwickelt. Das gilt natürlich für den Partner ebenso. Er ist ein sich unentwegt selbst entdeckendes Wesen. Er entwickelt und verändert sich unaufhörlich. Wie kann man da nur glauben, einen anderen jemals vollständig zu kennen?
Jeder Mensch ist für sich betrachtet ein unendliches Universum. Man kann ewig durch das Wesen, durch die Seele seines Gegenübers reisen, käme aber niemals an ein Ende. Daher endet auch das „Sich Kennenlernen“ niemals. Es gibt keine Zeitspanne, innerhalb derer dieser Prozess jemals abgeschlossen wäre. Das gilt es zu verinnerlichen.

Der Tanz zweier Seelen beginnt bereits vor ihrer Geburt. Lange Zeit tanzen sie vielleicht alleine oder mit anderen. Bis es zwischen ihnen zur Begegnung in dieser Welt kommt. Da setzt sich der Tanz dann fort. Anfangs ist der Tanz unbeholfen. Man tritt einander häufig auf die Zehen, hat aber Freude daran, weil man weiß, es ist Teil des Tanzes. Mit der Zeit wird man besser. Man findet allmählich einen gemeinsamen Rhythmus sowie die Balance zwischen Nähe und nötiger Distanz. Der Tanz wird leichter, anmutiger, fließender, aber man beherrscht längst nicht alle Schritte und Figuren. Man muss üben und üben und üben. Man muss arbeiten an diesem Tanz. Manchmal frustriert es, weil man selbst einen Schritt bereits drauf hat, der andere aber noch nicht. Dann braucht man Geduld. Man braucht Hingabe. Man braucht Liebe. Man muss einander Zeit, Raum und auch Abstand schenken. Und man kann den Tanz nicht einfach aufgeben, bloß weil er manchmal anstrengend ist. Sonst ist man kein guter, sondern bloß ein fauler Tänzer. Faule Tänzer werden irgendwann zu Solotänzern, die versuchen, sich mit anderen faulen Solotänzern die Nacht um die Ohren zu schlagen, um sich aus der Verantwortung vor dem Tanz wahrer Liebe zu stehlen. Ein solcher Tanz ist ein trauriger und zutiefst einsamer.

Das Geheimnis aller erfüllten Partnerschaften lag und liegt demnach darin, dass sich beide nicht aus Bedürftigkeit fanden, sondern aus der Bereitschaft des überreichlich gefüllten Kruges, der so sehr mit Liebe angefüllt ist, dass er gar nicht mehr anders kann, als sich über und in den anderen zu ergießen. Und beide waren und sind stets bereit, ihre Entdeckungsreise durch die Seele des anderen nicht an eine fiktive Zeit des „Sich Kennenlernens“ zu opfern, sondern sich im vollen Bewusstsein auf den endlosen Tanz miteinander einzulassen. Sie wissen beide, es gibt nur die tägliche Neuentdeckung des Geliebten. Da ist die ewige Übung im gemeinsamen Tanz.
Ein solches Paar wird nach Dekaden des Miteinanders nicht sagen „Damals, als wir einander kennenlernten, waren wir noch glücklich.“, sondern es wird sagen „Seit wir einander trafen, wurden wir täglich besser!“.

text: David P. Pauswek – Der Andersmensch © 2017
artworx by alphawolf © 2017

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