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Austausch von Wortflüssigkeiten: TG für die Frau vom Amt

Fremde Welten, neue Zivilisationen? Beim Online-Dating kein Problem. Wer in die Welt der Dating-Portale eintaucht, muss nicht erst das Raumschiff Enterprise besteigen, um derlei zu erleben. Beispiel gefällig? Ich hatte mich auf so einer Plattform angemeldet, obwohl ich damals gar nicht wirklich auf der Suche war, sondern weil ein Freund von mir sie über den grünen Klee gelobt hatte. Also Profil erstellt, mal ein, zwei Tage umgesehen und fast schon wieder vergessen, als die Interessensbekundung einer Frau in mein dort hinterlegtes E-Mail-Postfach flatterte. Das machte mich dann doch neugierig, denn im virtuellen Raum ist es ähnlich, wie im realen Leben: Frauen erwarten, dass die Männlein den ersten Schritt tun. Wir hatten erst ein paar Sätze hin und her geschrieben, als sie bereits vorschlug, die Unterhaltung doch lieber auf What’s App fortzusetzen. Das fand ich recht ungewöhnlich, da die Damen dieser Welt ihre heilige Handynummer normalerweise nicht so ohne weiteres – und vor allem nicht so schnell – herausrücken.

Mit Neugier in die nächste Online-Dating-Runde

Also Handynummern getauscht (ich hatte sie vorher nach einem Bild von ihr gefragt) und vom Rechner zum Mobiltelefon gewechselt. Als erstes kam ein Bild, und dieses erste Bild ist ja normalerweise in derlei Portalen eher eines der braven Art: Ich und mein Hund, meine Katze, meine Geranie und dergleichen. Aber holla die Waldfee, dieses hier war ganz anderer Natur: Sie, knieend auf dem Fußboden, in einen grauen Satin-Hausanzug gehüllt, der nach vorne hin großzügig aufgeknüpft war und das Panorama ihrer üppigen, in ein schwarzes Stick-Bustier gehüllten Brüste offenbarte. Dazu ein, das Gesicht verhüllender, schulterlanger Seitenscheitel. Wahrlich nicht hässlich in jedem Fall, aber natürlich in meiner persönlichen Altersliga, also mindestens Ü40. Danach erstmal Austausch von Wortflüssigkeiten, wirklich interessant wurde es dann wieder, als ich sie nach ihrem Job gefragt habe (sie hatte geklagt, dass sie abends immer total ausgebrannt sei).

Online-Dating mit Parteiverkehr

Sozialamt“, kam die Antwort und sogleich ein Lockruf: „Manchmal geht’s auch unter der Woche, wenn ich weiß, dass ich keinen Parteiverkehr habe am nächsten Tag.“ Unterkiefer unten. Lag am für mich doch selten erlauschten Wörtlein „Parteiverkehr“ und auch der Begriff „Sozialamt“ ruft in mir stets leicht kafkaeske Assoziationen hervor. „Arbeitest du denn gerade?“ fragte ich – es war circa 12.30 Uhr. „Klar“ kam die fröhliche Antwort und dann ganz schnell hinterher: „Und was beim Sex fehlt dir denn? Und hast du das mit dem Belohnen auch verstanden?“ Ich, leicht verständnislos: „Wie meinst du das denn mit dem Belohnen?“ Da kam dann ein ziemlich langer Post, unter anderem mit der Message „Das Besuchbare und die Diskretion werden mit TG belohnt“. Und recht schnell und konsequent hinterher: „Wenn du damit ein Problem hast, dann sag’s gleich, bevor wir weiter schreiben!“ TG? Meine Gedanken rasten, hatte das Kürzel eigentlich eher mit Trans-Gender verknüpft, also irgendwas mit Geschlechtsumwandlungen. Dann fiel im wahrsten Sinne des Wortes der Groschen.

TG steht nicht für Transgender

Ich schrieb: „TG ist Taschengeld? Was stellst du dir denn da so vor?“ Sie: „Lass dir was einfallen!“ Meine immer noch unschuldige Antwort: „Ich fände Geschenke schöner, weil sie mehr Kreativität erfordern“ (Sonnenbrillensmiley). Aber nun machte sie mir klar, dass es hier nicht um Kreativität ging, sondern um essentielles – für eine gestresste Staatsangestellte. Ich will ihre Begründung nicht komplett wiedergeben, aber einige Auszüge ließen tief blicken: „Du kannst gerne zu meiner Kosmetikerin fahren und dort Gutscheine holen.“ Oder: „Gehe einmal die Woche zum Massieren, weil ich das jobtechnisch brauche.“ Ich antwortete ihr umgehend, dass das nicht mein Ding ist. Hatte aber ne halbe Stunde später eine Idee und fragte sie, ob sie mir – als Journalist – ein anonymes Interview zu ihrer Lebensweise geben mag. Die Antwort war schroff: „Auf keinen Fall, ich arbeite ja für die Politik!“

Für mich tun sich da echt Abgründe auf. Tagsüber Hartz4-Empfänger sanktionieren und sich in der Freizeit prostituieren für Kosmetik und Massage? Diese Welt geht echt den Bach runter …

 

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Massage mit Po-tenzial

Also ich oute mich jetzt mal: Ja, ich habe als Teenager die Bravo gekauft. Und gelesen. Und ja, gerade die Beiträge von Dr. Korff und Dr. Sommer fanden stets mein ungeteiltes Interesse. Förmlich eingebrannt in mein damals noch jugendliches Hirn hat sich ein Artikel, der die Überschrift trug: „Massier ihr mal den Po, denn das stimmt sie liebesfroh.“ Zur Zeit der Lektüre war es leider so, dass sich mein Kontakt zum weiblichen Geschlecht darauf beschränkte, aus der Ferne zu staunen und zu schmachten, von der Chance zu einer handfesten Po-Massage konnte damals noch keine Rede sein.

Knetbarer Po-Weg

Aber man wird ja älter und so boten sich nach und nach veritable Gelegenheiten, um den Wahrheitsgehalt von Dr. Sommers These empirisch zu überprüfen. Denn nach wie vor geisterte er in meinem Kopf herum und nun ja: Wenn die Hand am Po ist, ist oft auch der Verstand „am Arsch“. Oder so. Aber zur Sache, sprich zu meinen Erfahrungen. Klar ist natürlich (zumindest den meisten), dass unangekündigtes Po-Grabschen oder gar -massieren keine Bonuspunkte bringt. Hab das selbst nie probiert, es kam mir aber auch nie eine Geschichte zu Ohren à la „sie war mir sofort sympathisch und nachdem ich ihr spontan an den Po gegriffen hatte, waren wir ein Herz und eine Seele“. Aber in meiner persönlichen Praxis zeigte sich dann doch, dass der Po einer Frau durchaus ein knetbarerer Weg hin zu „Mehr“ sein kann. Aber warum? Keine Ahnung. Doc Sommer hatte recht gehabt und Tschüss!

Zwei Fäuste für ein Halleluja?

Natürlich habe ich beim Schreiben dieses Textes dann doch auch mal die Suchmaschine gefragt. Nein, nicht die mit den fünf Fingern im Schlüpfer der Partnerin, und in der Tat wurde ich fündig. Wo? Na bei den Frauenzeitschriften! Die haben den Plan, die Autoren und Autorinnen und … wie heißt nochmal das dritte Geschlecht, das das Bundesverfassungsgericht jetzt durchgewinkt hat? Egal. Die da schon länger schreiben, wissen, wo es langgeht, etwa bei Elle, wo unter der etwas reißerischen Überschrift „Zwei Fäuste für ein Halleluja: Druck beim Massieren langsam erhöhen“ eine ganz praktische und für mich durchaus nachvollziehbare Anleitung folgt: „Am besten fängt man bei der Po-Massage ganz sanft an: Verteile ein bisschen Massageöl auf deinen Händen und beginne in der Mitte des Pos zu massieren, und zwar kreisförmig. Zuerst in sehr engen Kreisen, die dann immer größer werden. Wenn du am Rand des Hinterteils angelangt bist, wird es Zeit, einen Gang hochzuschalten: Ab jetzt wird mit geballten Fäusten massiert. Dabei wechselst du zwischen leichten Druckbewegungen und sanftem Abklopfen.“

Mit dem Geodreieck am Po

So weit, so gut. Aber so eine Po-Massage tut man ja nicht einfach so? Wie war das mit dem „liebesfroh“? Auch hier weiß Elle Rat und weist auch den Weg hin zu geheimnisvollen Stellen: „Die perfekte Stelle, um eine Po-Massage enden zu lassen, sind zwei bestimmte Punkte im Beckenbereich, von denen es eine Verbindung zu den Genitalien gibt. Deshalb können Berührungen hier besonders prickelnd sein. Diese Hot Spots findest du, wenn du deine Finger an dem Übergang zwischen Wirbelsäule und Becken entlangführst. Sie liegen etwa sieben bis zehn Zentimeter links und rechts der Wirbelsäule“. Das fand ich erheiternd. Die Vorstellung, wie der große Po-Masseur sich mit dem Geodreieck oder dem Malermaßstab auf die Suche nach den magischen Punkten macht – das hat was! Zum Glück gibt es im Universum der Frauenzeitschriften ja auch noch die „Freundin“, die beim Suchen hilft: „Führen Sie dazu Ihre Finger an den Übergang zwischen Becken und Kreuz. Jeweils links und rechts von der Wirbelsäule in einem Abstand von rund sieben bis zehn Zentimetern befinden sich zwei spezielle Energiepunkte, die die erotische Po-Massage am Ende zum unvergesslichen Abenteuer machen“. Hmpf: Und wo ist der Übergang zwischen Becken und Kreuz? Das hat mir in der Schule keiner beigebracht. Dafür konnte ich mal Infinitesimalrechnung. Alles für’n Arsch! Ich mach Schluss für heute.

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Treu schau wem – Treue oder Blindheit?

Ein neues Jahr und da fange ich gleich mit einer alten Geschichte an? Ja, warum nicht? Wenn sie denn Bedeutung hat, sollte das legitim sein. Die Rede ist von einer Beziehung, die ich mit Mitte 20 führte. Das war alles andere als einfach. Ich hatte damals gerade erst „Betty Blue“ von „Phillipe Djian“ gelesen und dann brauste „meine Betty“ wie ein Orkan in mein Leben. Ich war so richtig hin und weg am Anfang, träumte im tiefen Inneren meines Stammhirns bereits von der Weitergabe meiner Gene. Ihr wisst schon, das volle Brett eben. Die ganz große Euphorie legte sich allerdings relativ schnell. Warum? „Betty“ war magersüchtig und auch noch Vegetarierin. Eine Spezies, der ich in dieser Kombination bislang nicht begegnet war, und so begann ich mich darauf einzustellen. Will heißen, dass ich fürderhin ebenfalls auf Fleisch verzichtete; dass ich das Kochen – unter anderen Bedingungen als „Bratwurst oder Steak in die Pfanne oder auf den Grill“ – neu erlernen musste. Das klappte zunächst ganz gut. Sie konnte ihr Gewicht halten, nahm gelegentlich sogar ein wenig zu.

Treue, die erste: freiwillige Kerkerhaft?

Bis zu ihrem Griechenlandurlaub (ihr Abi war geschafft). Sie flog mit einer Freundin dorthin, die auch nicht gerade viel Fleisch auf den Rippen hatte. Bei ihrer Abreise dachte ich mir nicht viel dabei, sollen sie möglichst viel Spaß haben und gut ist‘s. Als sie nach zwei Wochen wiederkam, traute ich meinen Augen kaum. Der Graf von Monte Christo hätte nach jahrelanger Kerkerhaft im Vergleich zu meiner „Betty“ wie das blühende Leben ausgesehen: 42 Kilo auf 1,78 Meter? Das war der Hammer. Ideen über Kinder erloschen in meinem Stammhirn, wie eine LED-Lichterkette, die vom Netz genommen wird. Ich hatte zu dieser Zeit einen Job als Werbetexter in einer Heilbronner Agentur. Probezeit fast durch, das hätte was Längerfristiges werden können, aber natürlich habe ich gekündigt. Vollzeit in Würzburg, kochen und füttern, was das Zeug hält – die stirbt mir sonst weg, war die nur allzu begründete Angst. Ich will’s mal so sagen: Das hat auch geklappt – Gewichtszunahme, dann ein fantastischer Urlaub – sechs Wochen im Haus ihrer Eltern in der Toskana, noch zwei Wochen Korfu hintendran. Alles schien gut zu werden.  Bis zur Hochzeit ihrer kleinen Schwester.

Treue, die zweite: blind für die Gefahr

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich – was Untreue angeht – weitgehend unerfahren: Schluss machen, dann was Neues anfangen, das kannte ich als „Opfer“ und als „Täter“ zur Genüge. Oder ich war in der Vergangenheit einfach zu blind gewesen, um diverse Vorzeichen zu erkennen. Und mit Blindheit sind wir auch beim Stichwort: Diese Hochzeit war der Wahnsinn. Aus welchem Loch er auch immer geschlüpft war: Ein gutaussehender australischer Maler machte unsere Bekanntschaft. Ich fand ihn nett und wie es für mich ganz normal ist, schwirrte ich mal hier und mal dahin übers Hochzeitsfest. Halli, hallo, huhu – Zwilling halt. Okay, ein bisserl zweifelnd wurde ich, als ich meine „Betty“ und den Herren aus „Down Under“ tête-à-tête in einer Gartenschaukel sitzen sah. Aber wie es eben so ist: Oh – ein Eichhörnchen, holla ein Schmetterling – das Fest ging weiter, bis sich die ältere Generation in ihre Eigenheime verabschiedete. Der Rest verlagerte den Mittelpunkt der abendlichen Aktivitäten in einen Keller-Club, der auch für seinen labyrinthischen Grundriss bekannt ist. Was soll ich sagen? Ich habe viel getanzt, den ganzen Tag über viel getrunken – so um drei Uhr morgens war ich einfach müde und bin nach Hause gelaufen, das war damals nicht weit. Noch ein Küsschen für „Betty“, ein Shakehands mit dem Maler, einen Hug mit „Bettys“ kleinem Bruder und weg war ich.

Treue, die dritte: Showdown

Nächster Morgen – okay, es war eher früher Nachmittag. Der kleine Bruder ruft mich an. Festnetz, natürlich – Handy gab es damals nur für Millionäre. Grabesstimme: „Meine Schwester hat ihn mit zu sich nach Hause genommen.“ „Wen noch mal?“ Ah ja, da war was – dunkel brauten sich die Erinnerungswolken in meinem Kopf zusammen. Also einen Kaffee gekocht, ins Auto gestiegen und zu ihr gefahren. Geklingelt. Noch mal geklingelt. „Er“ war schon weg. Ich frage: „Hast du mit ihm geschlafen“? Sie, noch völlig zerknautscht: „Nö, hab ich nicht“! Aber im weiteren Gespräch offenbarte sie mir dann doch die Wahrheit. Eine Wahrheit, die ich eigentlich gar nicht wissen wollte, die mich echt ins Mark traf (übrigens: Er hieß Mark): „Wie blind kann man eigentlich sein?“ Ein Satz, der in den Wochen nach unserer Trennung in meinem Hirn rauf und runter lief. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Ich habe es gut verkraftet und es ist kein Othello aus mir geworden. Gute Sache: Ich kann immer noch vertrauen.

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Das neue Matriarchat

Die neue Frauenmacht ist nicht gegen den Mann gerichtet
und nicht gegen unsere Liebe zu den Männern.
Sie verlässt aber entschlossen diejenigen Strukturen,
die zu der weltweiten Vernichtung des Lebens
und der Liebe beigetragen haben.

Es liegt jetzt an uns Frauen,
die politische und sexuelle Verantwortung wieder anzunehmen,
die so lange gefehlt hat.
Wir laden alle engagierten Männer ein,
sich unserer Friedensarbeit anzuschließen.

Sabine Lichtenfels

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Einverständnis? Ein Verständnis-Problem.

Alter Schwede! Eigentlich wollte ich diese Woche über was ganz anderes schreiben, aber was die schwedische Regierung da jetzt rausgehauen hat, muss einfach kommentiert werden. Da komm ich nicht drum rum. Was ist passiert? Ich zitiere mal den Focus: „Das schwedische Parlament hat einen Gesetzesvorschlag zur Abwandlung des Tatbestands der Vergewaltigung genehmigt. Das neue “Einverständnis-Gesetz” besagt demnach, dass ein Mann auch bei einvernehmlichem Sex der Vergewaltigung angeklagt werden kann, wenn er sich zuvor keine eindeutige Einverständnis-Erklärung seiner Partnerin eingeholt hat“.

Neuer Schwung für abgehangene Beziehungen?

Nicht einmal der Postillon hat ein derartiges Gesetz in die Satirewelt gesetzt. Selbst diese oft genialen Freaks haben nicht kommen sehen, dass eine europäische Regierung so weit gehen würde. Springen wir doch mal ins Schlafzimmer, senden wir live! Tatort: Das Ehebett eines (schwedischen) Paares mittleren Alters, das verflixte siebte Jahr ist rum, die Kinder wurden bereits in früheren Beziehungen gezeugt. Der Thrill im Bett ist längst um die Ecke, aber „Es“ muss ja gelegentlich getan werden, so bislang der Konsens. Wer dann anfängt, war früher auch wurscht; wer halt gerade rollig ist, so das ungeschriebene Gesetz und damit fuhren sie bislang auch ganz gut. Man macht halt netterweise einfach mit, wenn es dem anderen gerade wichtig ist. Und wenn keine martialischen Hürden wie etwa ein frischer Bandscheibenvorfall oder eine Migräne dagegen sprechen. Das funktionierte, war vielleicht gelegentlich langweilig, aber jetzt ist ja das neue Gesetz da! Das Einverständnis-Gesetz! Da kommt doch endlich mal bürokratischer Schwung in die 140-mal-90-cm-Bude.

Abreißformulare? Diktiergerät? Oder gleich ne Kamera?

Zoom in: Es ist morgens, circa 5.30 Uhr, er erwacht aus einem Traum, den er schon wieder vergessen hat. Und er hat ein großes Ding in seinen Händen, die gute alte Morgenlatte eben und es wäre doch Verschwendung, oder? Also heranrobben an sie, tausend Mal passiert, nix besonderes, wie immer halt. Es ist eine laue Sommernacht, sie schläft unten ohne, einfach nur ganz sanft den Eingang finden und dann …

… fällt ihm ein, dass es ja jetzt das Einverständnis-Gesetz gibt. Wenn er es so macht, wie die Bisamratte an seinem Unterleib es vorgibt, riskiert er ja seine Existenz! Noch Jahre später, womöglich nach einer unschönen Trennung, wird sie ihn dafür verklagen können. Hätten sie doch vorgesorgt! Ein Abreißformular am Nachtschränkchen, das sie – wenngleich noch schlaftrunken – einfach nur unterschreiben muss. Oder die Diktiergerät-Funktion am Handy vielleicht? Ein vorformuliertes Sprachprotokoll, sie muss nur „Ja, ich will“ und das Datum sagen und alles ist geritzt? Oder gleich ne Kamera und wir reden ganz offen drüber? Ob all dieser Gedanken verabschiedet sich die Morgenlatte und während des Gangs zur Toilette nimmt er sich fest vor, beim nächsten besser vorbereitet zu sein. Zoom out – schöne neue Welt.

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Sex mit der Oma?

Ab wann ist eine Frau definitiv zu alt für einen Mann? Auf diese Frage gibt es ebenso wenig eine Antwort, wie auf deren Umkehrung: Ab wann ist ein gestandener junger Mann für eine Dame fortgeschrittenen Alters nicht mehr akzeptabel? Klar ist ja auch, dass es – gerade in der Literatur und im Film-Genre – oft auch um die diesbezüglichen krassen Abweichungen von der Mainstreamdenke geht. Gerne werfe ich hier auch ein paar subjektive Betrachtungen mit in den Teich: Happs, Happs, Happs – so werden Vorurteile zementiert. Fangen wir doch mal an mit dem Teenie, der ich einst war. Frauen über 40 waren damals für mich Omas. Ich war mitnichten in der Lage zu unterscheiden, ob sie in der Straßenbahn einen Sitzplatz benötigten oder sich gar in ihrem inneren Kern das Feuer bewahrt hatten, einen Jungspund wie mich zuzureiten. Als potenzielle Partner für Geschlechtsverkehr existierten sie für mich damals schlichtweg nicht.

Ein Kuss auf der Treppe

Das änderte sich wenige Jahre später. Ich war Anfang zwanzig, Juniortexter in einer angesagten Werbeagentur, und mein Gegenüber am Schreibtisch eine attraktive Dame Anfang vierzig. Es war die Zeit, als noch nicht auf jedem Schreibtisch ein Rechner stand. Vielmehr sprach ich meine Texte in ein Diktiergerät, und jene mir an Lebenserfahrung und Weisheit weit überlegene Frau hatte zusätzlich zu ihren Pflichten als Kontakterin die Aufgabe, diese meine Worte per Schreibmaschine ins geschriebene Wort zu übertragen. Dann war da dieser Betriebsausflug an den Schliersee. Der erste Abend ein Fest der Verbrüderung zwischen den Chefs und den Angestellten. Heute gar nicht mehr vorstellbar. Es wurde geraucht und gekifft, gelacht und gesoffen. Und geknutscht: Meine Vierzigjährige, gestandene Mutter eines Sohnes im Teeniealter und ich hatten uns die Treppe eines dunklen Seitenaufgangs ausgesucht. Ich durfte erstaunt registrieren, dass ihre Lippen nicht im Mindesten schlechter mundeten, als die einer Gleichaltrigen. Im Gegenteil: Ein Hauch von reifer Süße schwang darin mit, so wie das Weinkenner von edlen Tropfen kennen. Natürlich war sie es, die einer Fortsetzung dieser Liason in der Zukunft einen energischen Riegel vorschob und damit auf viele Jahre unsere Freundschaft erhielt. Aber es war auch kein Zufall, dass ich nur wenige Monate später in Beziehung mit einer Enddreißigerin war. Das Aroma des reifen Weins hatte mich wohl getriggert und dazu gehörte dann auch Balkonsex auf der Waschmaschine in Sichtweite unserer Agentur … – etwas, worauf sich Mädels meines Alters wohl eher nicht eingelassen hätten.

Vom Jäger zur Beute?

Wie ich überhaupt auf diese uralten Geschichten komme? Nun, ich weile seit einigen Tagen in Agadir, einem touristischen Hotspot im südlichen Marokko. Jetzt, im Dezember (ich war hier noch nie zuvor), scheint dies auch ein mildklimatisches Refugium wohlhabender Damen vorzugsweise französischer Provinienz zu sein. Sie scheinen es zu mögen, dass ich französisch spreche. Ich kann nicht in ihre Köpfe sehen. Vermutlich haben sie ihre jetzt verstorbenen Exmänner mit kalorienreicher Kost und reichlich Wein frühzeitig zu Tode gebracht. Aber ich kann die Blicke und das Lächeln dieser zumeist über Sechzigjährigen deuten und da ist eine Botschaft: „Komm her Frischling! Ich reite dich zu!“

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Sex – hier und jetzt!

Kennt ihr das? Du befindest dich mit deinem Partner in der Öffentlichkeit, mehr oder weniger verstohlen tauscht ihr Zärtlichkeiten aus. Mal ein Kuss, mal eine Berührung hier und mal ein wenig tiefer. Die Erregung wächst in euch. Und irgendwann gelangt ihr an einen Punkt, an dem die Lust so groß wird, dass ihr es am liebsten gleich tun wollt, jetzt, hier und auf der Stelle! Im „echten Leben“ geschieht das aber in der Regel nicht. Ihr schaut euch in die Augen, zahlt womöglich eure Rechnung und geht zu einem von euch nach Hause. Meine Erfahrung dazu: Bis man Zuhause angekommen, ist der magische Moment verflogen und was dann folgt, ist im Vergleich zu dem, was hätte sein können, nur schale Hausmannskost.

Freiluft-Sex – ein dehnbarer Begriff

Ein paarmal in meinem Leben war es allerdings anders und im Rückblick muss ich sagen, dass ich das mitnichten bereue. Und ich bin damit nicht allein: Umfragen zufolge hatten immerhin 60 Prozent der Menschen in Deutschland bereits Sex im Freien. Wobei im Freien ja ein dehnbarer Begriff ist: Wer sich auf der von einer meterhohen Sichtschutzhecke umgebenen Wiese des heimischen Gartenhauses verlustiert, mag ja durchaus seinen Spaß haben. Von Thrill kann hierbei aber keine Rede sein. Im Wald schaut das etwas anders aus, zumal dort auch die Außenbedingungen etwas widriger sind. Ich erinnere mich noch gut an eine laue Nacht am polnischen Ostseestrand, wo ich und eine dunkelhaarige Schönheit nach langem Vorspiel auf der Außenterrasse einer Diskothek schließlich beschlossen, den Schatten des naheliegenden Waldes aufzusuchen um „es“ zu tun. Dumm nur, dass wir nicht die einzigen waren, die auf diese Gelegenheit gewartet hatten: Kaum hatten wir uns unserer Kleidung entledigt, fiel eine mächtige Streitmacht von Stechmücken derart brutal über uns her, dass wir uns panisch wieder ankleideten und zurück an den Strand flohen.

No Risk, no Fun

Deutlich riskanter im polizeilichen Sinne waren zwei Erlebnisse, die ich in meiner Heimatdtadt Würzburg mit einer damals sehr reizvollen, üppigen Blondine hatte – mit der ich jedoch nie „regulär“ zusammen war. Vielmehr war das ein klassisches Beispiel für „occasional sex“: Die sexuelle Anziehung zwischen uns war so stark, dass wir bei zufälligen Begegnungen immer wieder übereinander herfielen. Da war zum Beispiel diese Nacht in Grombühl, wo ich sie eigentlich nach einem Grillabend heimfahren wollte. Dann Gefummel im Auto – alles so eng hier – und letztlich vollzogen wir das Liebesspiel an und auf dem Kofferraum. Doch weder Passanten noch die Polizei kamen vorbei – Glück gehabt! Eine enge Kiste im wahrsten Sinne des Wortes war eine andere Nacht mit ihr im Caveau, einer damals legendären Studentendisko. Gut wir saßen zunächst auf einer relativ weit in der Ecke gelegenen Bank des allerdings eher kleinen Clubs. Und wieder überrollte uns die Lust dermaßen, dass wir buchstäblich zu Boden gingen und unter dieser Bank taten, was getan werden musste. DAS war Thrill, denn im Raum waren locker 200 Leute, doch Puh! Auch diesmal kamen wir ohne Augenzeugen davon. Besser war das, denn in unserem jugendlichen Leichtsinn, Lustsinn wäre wohl der treffendere Begriff, machten wir uns gar nicht klar, dass unser Tun nach § 183a eine Erregung öffentlichen Ärgernisses darstellte, Zitat: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

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Das WgTier

Das Weib – es macht die Höhle schön
Das Loch unsres Bewohnens
In jedem Winkel ist’s zu sehn
Fanal gekonnten sich Verschonens

Die Höhle ist ein heller Ort
Mit ganz verglasten Wänden
Ich frage mich in einem fort
Soll ich die Höhle schänden?

Soll ich das Wohlgefühl verblasen?
Wie Billigkerzen pustpustpust
Oder vergehn in Liebhab-Phrasen?
Ganz würdevoll und sehr bewusst!

Dass ich mich gleichwohl elend fühl
Verräterisch und mies
Weil mein Maul sich halten will
Honigsauer, salzigsüß

Geheim‘ ich triebelos dahin
Und flüsterposte nur mit mir
Respekt und auch Gemeinschaftssinn
Sind dem WgTier – eine Zier

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Jamaica – oder: Damenwahl

Jamaica ist gerade aus politischen Gründen in aller Munde. Wer sich da mit wem aus welchen Gründen und mit welch geschluckten Kröten paart, mag ich mir aus ästhetischen Gründen gar nicht vorstellen. Wir sind ja hier beim Mann-Frau-Blog. Darum lieber eine zünftige und authentische Erzählung, die in erster Linie dazu beiträgt, ans Licht zu bringen, dass es in den Kontakten zwischen Frau und Mann eine goldene Regel gibt: Und die lautet – Damenwahl! Was bei einem Tanztee von Senioren noch harmlos klingen mag, entpuppte sich im Laufe meines Lebens als veritable Anerkennung dessen, wie es auf dem glitschigen Parkett der Geschlechter nun mal so zugeht. Zum Beispiel Herbst 89 in Jamaica.

On the bus, still puzzled

Mein ältester Freund und ich – ich nenne ihn hier nur „241“, kenne ihn seit der ersten Klasse – waren zuvor in Negril, im äußersten Westen der Insel Jamaica, gewesen und saßen nun im Bus gen Süden. Wir waren beide innerlich noch etwas geschockt, denn zwischen zahllosen Tüten hatte uns ein einheimisches Tagblatt enthüllt, dass die Berliner Mauer gefallen war. Das war hart für uns, wir waren mit der Mauer aufgewachsen und sie hatte uns – geschützt? Vor wem? Wie auch immer, dieser Verlust von Vertrautheit machte uns offenbar verletzlich. Oder zumindest angrab-bar. Denn in dem Bus saßen auch zwei mäßig attraktive Kanadierinnen, Nora und Patricia mit Namen. Sie fragten uns, wohin wir denn wollen? Das wussten wir ja selbst nicht und sie boten uns an, kostenlos in einer Villa zu wohnen, deren Garten sie gerade wieder herrichteten.

Na klar!

Umsonst wohnen? Einladung von zwei Frauen? Wie blöd müsste man sein, um so etwas abzulehnen? Natürlich stiegen wir (viel früher als angedacht) aus dem Bus aus und trabten hin zu dem Haus, das sich tatsächlich als veritable Villa entpuppte. Disney ließ grüßen. Dort angekommen ließen Nora und Patricia dann am ersten Abend auch die Katze aus dem Sack: Sie waren Kellnerinnen in einer Bar in Toronto gewesen, und ein Stammkunde, steinreich, hatte sie gefragt, ob sie nach einem Brand nicht den Garten seiner Villa in Jamaica auf Vordermann bringen könnten. Sie hatten „Ja“ gesagt, aber die Langeweile war wohl groß und so hatten sie uns im Bus erspäht und als Zeitvertreib auch erfolgreich geködert. Nur wussten wir das da noch nicht wirklich.

Buchten und Piraten

Hm, vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass 241 und ich zur damaligen Zeit Anfang zwanzig und ziemlich knackig waren und die Barkeeperinnen-Riege aus Toronto eher zehn Jahre älter? Wie auch immer. Die Villa hatte eine Privatbucht am Meer und wir hatten dort Sex. Ich mit Nora, 241 mit Patricia, es war – nicht so doll aus unserer Sicht, aber viel Gras im Kopf macht auch in diesen Dingen toleranter.

An den Abenden wurden wir von Nora und Patricia zum regelmäßigen erotischen Strandvergnügen verpflichtet. Zur Erholung am Tag danach oder in den Stunden zuvor hatten wir aber unseren Spaß. Wir hatten das alte Parker-Spiel „Käptn und Pirat“ umgewidmet. In unserer Variante ging es statt um Gold und Gewürze um Gras und Sklavinnen. Das war lustig, entsprach aber nicht der Realität. In der gab es nur eine Wahl, Damenwahl, und wir als Sklaven – folgten.

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Seitensprung – mit eingebautem Dilemma

Seitensprung – ich? Niemals. Oder doch? Immerhin bin ich Romantiker.

Was will ich damit sagen? Dass es irgendwo in mir eine Instanz gibt, die daran glaubt, dass mich die Liebe überfallen kann wie ein Gewitter. Oder wie ein Sommerregen. Oder wie ein Bachrauschen, auf das man dürstend zustrebt. Oder wie ein Sonnenaufgang: zuerst ganz leise, nur die Ahnung von Licht, dann erste Farben, der Horizont beginnt zu glühen, und dann – TARAAA – erhebt sich der Glutball und es ist um dich geschehen.

So schön eine plötzliche Liebe sein kann, so unpassend kann sie auftauchen. Denn schließlich gibt es ja noch das Leben vorher und drum herum: die Freunde, die Familie, die Kolleginnen – und vielleicht ja auch meine Partnerin. Zwischen ihr und mir gab es auch einmal dieses TARAAA. Nur ist das ein paar Jährchen her.

Eine neue, mich von der Seite anspringende Liebe könnte meine alte Partnerschaft zweifellos gefährden. Das ist keine Vermutung, ich weiß das. Also bleiben nur zwei Alternativen:

Den Romantiker in mir in eine seelische Besenkammer wegschließen und ihm ab und zu einen Liebesroman vorbeibringen, damit er nicht verhungert.

Oder einen Seitensprung zulassen. Mich heimlich verlieben und meine Lügen mit der Wahrheit des großen Gefühls rechtfertigen. Denn lügen müsste ich von da ab, heimlich telefonieren, heimliche Liebesbriefe und Liebesmails und Liebes-Whatsapps und Liebes-SMS schreiben, Fake-Termine vereinbaren und nach den Dates den betrügerischen Duft der anderen irgendwie überdecken …

Nein, das kann es nicht sein. Das wäre doch ein doppelter Verrat: einer an der alten Liebe und einer an der neuen, die so gleich in dem Schmutz landen würde, aus dem sie mich doch erheben sollte. Als letzte Rettung bliebe das Risiko. Also sich voll und offen und berührbar der neuen Liebe preisgeben und vertrauensvoll schauen, was passiert. Ja, das klingt am besten, jedenfalls in der Theorie (und ist auch romantisch).

Ob eine neue Liebe freilich so viele Erschütterungen aushalten oder daran gleich mit zerbrechen würde? Na ja, zum Glück gibt es ja kein TARAAA und ich kann noch ruhig schlafen.