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Pustekuchen und weibliche Sichtweisen

Gibt es eine spirituelle Trennung zwischen Mann und Frau? Rein anatomisch gesehen ist der Unterschied ja Fakt. Aber Pustekuchen (und hier eine Spoiler-Warnung: Rein materiell denkende Menschen können hier wegklicken), es gibt Menschen, die sich als Männer auch mal „typisch weiblich“ verhalten (zu denen gehöre auch ich) oder als Frauen „typisch männlich“ (Du vielleicht, liebe Leserin?).

War ich eine Frau? Ja, vermutlich.

Was macht man jetzt mit denen? Früher galt der Duktus: mindestens beobachten, eventuell einsperren – der Schwulen-Paragraph 175, der 1872 in Kraft trat und als Strafmaß bis zu zehn Jahren Zuchthaus vorsah, wurde in der Bundesrepublik erst 1994 abgeschafft. Heute ist das zum Glück ein bisserl anders und ich verbleibe jetzt ganz bewusst auf dem gedanklichen und gesetzlichen Territorium der Bundesrepublik Deutschland. Da sind mentale Überschreitungen der Geschlechtsgrenzen zwar nach wie vor unerwünscht (man stelle sich eine sich outende Bundeskanzlerin vor), aber stehen immerhin nicht unter Strafe.

Tatsächlich habe ich mal eine Rückführung gemacht und dabei entdeckt, dass ich früher wohl eine Frau war (wenn man diesen Dingen Glauben schenken darf, aber immerhin habe ich es selbst ausgesprochen, die Audio-Aufnahme gibt es noch!). Laut dieser Tonaufzeichnung habe ich im nördlichen Teil von Belgien, in Flandern, gelebt. Ich sehe die Bilder noch heute in meinem Geist. Weil sie so klar waren, habe ich dieser meiner Dame einen Namen gegeben: Wilhelmine van Gruyten. In Zukunft werde ich auch Texte schreiben, die aus weiblicher Sicht die Interaktionen zwischen Frau und Mann beschreiben, und zwar in ihrem Namen. Sie hat ein Recht darauf.

Blasen ist Pustekuchen

Womit ich auch schon beim zweiten Thema des Tages wäre – dem Oralverkehr. Was für ein hässliches Wort das ist! Könnte glatt aus dem Vokabular einer Kreisverwaltung zum Thema Verkehrsaufkommen stammen, wenn man es denn nicht besser wüsste. Dabei geht es da ja um die womöglich intimste Handlung, die zwischen Mann und Frau stattfinden kann, nämlich mit dem Mund das Geschlechtsteil des Partners oder der Partnerin zu liebkosen. Dagegen ist der „Akt“ des Penetrierens oder Penetriertwerdens vergleichsweise lieblos.

Welche Berührungsängste die Deutschen in diesem Punkt haben, das zeigt sich bereits in der Sprache. Denn wer von „blasen“ spricht, meint hoffentlich etwas ganz anderes. Denn jede Frau, die jemals versucht hat, mit dem bepusten eines männlichen Geschlechtsteils Erregung zu erzeugen, musste hundertprozentig erkennen, dass das nicht funktioniert. Pustekuchen, sozusagen. Die englische Sprache ist da mit ihrem „to suck“ schon wesentlich näher an der Realität. Wobei kritisch anzumerken ist, dass es dort auch den „Blowjob“ gibt, der von der Wortbedeutung ebenso hirnrissig ist, wie der deutsche Begriff. Wird hingegen eine Frau mit dem Mund verwöhnt, so bezeichnet man dies als Cunnilingus, aus dem lateinischen aus cunnus „weibliche Scham“ und lingua „Zunge“. Was die Sache ziemlich genau auf den Punkt bringt. Verwöhnen sich Mann und Frau gleichzeitig mit dem Mund, so bezeichnet man dies übrigens als „69“. Das klingt zunächst erstmal befremdlich, macht aber Sinn, denn der Begriff ergibt sich aus dem Schriftbild, da die Zahl 9 wie die auf dem Kopf stehende Zahl 6 aussieht. Die Kombination beider Zahlen symbolisiert die entgegengesetzte Körperausrichtung der Beteiligten symbolisiert.

Was die Geschichte des Blasens angeht – ebenfalls Pustekuchen! Wer ursprünglich auf diese Idee gekommen ist, ist nicht bekannt. Klar ist nur, dass es in nachrömischer Zeit gewesen sein muss, denn VI und IX inspirieren nun wahrlich nicht zu sexuellen Assoziationen.

Empfehlenswerte Links für alle, die dazu lernen wollen:

  1. Fellatio01
  2. Fellatio02
  3. Fellatio03
  4. Cunniligus01
  5. Cunniligus02
  6. Cunniligus03
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Ein Fuß! Ein Königreich für einen Fuß!

von Frank Schneider

Fußfetischismus? Das klang für mich lange Zeit etwas absonderlich, hat der weibliche Körper doch weit reizvollere Regionen zu bieten, so mein Credo. Bis zu diesem Tag im vergangenen Jahr: Mein Vater, zu diesem Zeitpunkt bereits gehbehindert, bat mich, bei einer Hausbewohnerin im Parterre ein Paket abzuholen, dass diese angenommen hatte.

Ich klingle also und eine blonde, stark tätowierte Endzwanzigerin in einem langen T-Shirt, aka Nachthemd, öffnet verschlafen blinzelnd die Tür. Und während ich brav mein Paket-Sprüchlein aufsage, brennt sich der Fokus meiner Augen an ihren nackten Füßen fest: Fraulich, ein wenig kindlich noch, eine Augenweide! Natürlich war dieser Augenblick nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Sekunden hielt ich das Paket in Händen und die Tür zum schönsten Paar Füße, das ich je gesehen hatte, schloss sich unwiederbringlich vor mir. In den folgenden Wochen konnte ich mich der Wucht der Erotik dieses Moments nicht entziehen. Doch als ich endlich den Mut fasste, erneut dort zu klingeln, stellte sich heraus, dass die junge Dame umgezogen war.

Was blieb? Die Erkenntnis, dass auch in mir – jahrzehntelang unerkannt – wohl ein Fußfetischist schlummert. Meine Neugier war geweckt und so begann ich, mich etwas intensiver mit dem Thema zu beschäftigen und es kam doch einiges – durchaus Bemerkenswertes – ans Licht. Denn ich bin nicht allein! Wusstet ihr zum Beispiel, dass der US-amerikanische Regisseur und Produzent Quentin Tarantino offen zu seiner Vorliebe für Frauenfüße steht? Er hat sie auch manchmal in seinen Filmen verarbeitet – wie zum Beispiel in der legendären Szene von Pulp Fiction, als Uma Thurman barfuß (!) mit John Travolta einen Tanzwettbewerb bestreitet. Aber Tarantino und meine Wenigkeit sind nicht allein. So erlag im 19. Jahrhundert der bayerische König Ludwig I. den Reizen der berüchtigten Tänzerin Lola Montez. Und er engagierte zu ihren Ehren den Bildhauer Johannes Leeb, welchen er eine Skulptur ihrer Füße aus Marmor anfertigen ließ. D

Doch die Faszination für unsere unteren Gliedmaßen hat noch eine Vielzahl anderer Ausprägungen – hier eine kleine Übersicht: So unterscheidet man bei den sexuellen Praktiken zwischen der Reizung mit dem ganzen Fuß und der, die nur mit den Zehen erfolgt. Für diejenigen, die gleichzeitig Anhänger des BDSM sind, ist es erotisch, gefesselte Füße zu betrachten, zu kitzeln oder zu „misshandeln“, etwa durch eine Bastonade. Und manche Menschen mögen es, wenn eine Person über ihren Körper läuft oder sich einfach daraufstellt. So jemanden habe ich übrigens mal kennengelernt – ein netter Kerl und sehr bodenständig J.

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Freiheit und Liebe: Wie passt das?

„Geben Sie bitte Ihre erotischen Vorlieben ein!“ Diese Aufforderung eines Erotikportals würde so manche oder mancher mit „soft bondage“ beantworten, vielleicht auch „hard bondage“. Bondage heißt Fesselung und spricht für die Sehnsucht nach Unterwerfung – wenigstens ein bisschen. Passt das zum Thema „Freiheit in der Liebe“? Natürlich, auf kokette Art gewissermaßen, denn in die Unterwerfung begibt man sich freiwillig.

Wirklich freiwillig? Oder ist da nicht ein unkontrollierbarer, und damit unfreier, Anteil in unserem Lustpotpourri identifizierbar? Selbstverständlich. Was uns Lust macht, was uns antörnt, was uns geil macht, unterliegt nur sehr eingeschränkt unseren Wünschen. Andernfalls könnten wir ja beliebig auch ins homo-, bi- oder heterosexuelle Fach überwechseln. Können wir aber nicht. Eben.

Wechseln wir also vorsichtshalber in die geistigen Sphären über. Liebe zu einem Menschen ist ja auch, wenn nicht vor allem, ein geistig-seelisches Erlebnis. Auch das können wir uns nicht aussuchen. Im Extremfall überfällt es uns wie ein Blitz, wie eine plötzliche Erkenntnis: ER ist es oder SIE ist es! Der eine, die eine. Mit erschreckender Gewissheit fühlen wir uns ihm oder ihr ausgeliefert wie ein Garten dem Wetter: Scheint eine Sonne namens Josef oder Maria aus blauem Himmel in unser Herz, ist alles gut und wir sind glücklich. Wirft der Himmel aber mit Hagelkörnern, sind wir angeknackst bis zerschmettert. Alles das ahnen wir in diesem einen Augenblick seliger Lust. Wir sind zu allem bereit, wollen uns ausliefern.

Warum? Treibt uns Masochismus an? Doch eher nein. Im anderen spüren und erahnen wir die Chance, die eigene Persönlichkeit zu erweitern, ihrem Gefäß der eingeschränkten Möglichkeiten zu entkommen, im Verschmelzen der Seelen ein Stück vollständiger zu werden. Mit anderen Worten: den Raum unserer Freiheit zu erweitern, aus eins plus eins eine wundersame Drei zu machen. Das geht ja auch ein paar Monate gut – bis der Partner oder die Partnerin am Telefon mit einem subterranen Beben in der Stimme fragt: „Warum hast du gestern Abend nicht angerufen?“

Auf einmal öffnet sich ein Höllenschlund. Ganz ähnlich wie im Augenblick, in dem uns unsere Verliebtheit bewusstwurde, dämmert uns die Ahnung, dass es nun mit der Freiheit vorbei ist. Was sich einst wie die freie, wundersame Natur anfühlte, ist nun ein bestenfalls ein englischer Park, wo Gärtner namens Erfahrung, Erinnerung, Hoffnung, Besitz, Eifersucht, Zweifel und Vorwurf zugange sind. Das Paradies ist eingehegt, vielleicht von Stacheldraht umgeben. Zutritt verboten! Achtung, Selbstschussanlagen. Jede Überschreitung, hinein oder hinaus, zieht Verletzungen nach sich, schlägt Wunden.

Gibt es Alternativen dazu? Und falls ja, welche? Polyamorie? Lässt sich die erlernen?

[Foto: pixabay_johnhain]

 

 

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Orgien regen die Phantasie an

Origien sind keinesfalls eine moderne Phantasie. In der Renaissancezeit nannten Spötter Rom den “Schwanz der Welt”. Mehr Prostituierte gab es nirgendwo. Papst Alexander VI. aus dem berüchtigten Geschlecht der Borgia veranstaltete (vermutlich) die reinsten Sexorgien. Und ein paar Jahrhunderte zuvor trieb es Johannes XII im Petersdom so wild, dass er wegen Unwürdigkeit gestürzt wurde. Dass unsere Altvorderen der Lust an der Lust weit mehr frönten als unsereins, der vor lauter Terminen gar keine Zeit für eine ausschweifende Orgie hätte, ist ein offenes Geheimnis. Hier wird es sinnlich und informativ beschrieben:

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Ehe – Wehe (nicht)

Die Zahl der Eheschließungen steigt wieder. Und das wundert mich bei genauem Hinsehen nicht. Zweifellos war der Ruf der Ehe in den letzten Jahrzehnten, spätestens seit den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, lädiert. Sie galt und gilt vielen jungen Leuten als der Inbegriff von veraltet, als eine erstarrte Form. Und so fühle ich mich manchmal auch: wie eingebacken und unbeweglich, wenn mein Mann – oder sollte ich jetzt sagen: mein Gatte – schnarchend neben mir liegt und ich mich selbstbefriedige. Dass er lieber mit seinen jungen Kolleginnen flirtet und die eine oder andere ihm auch zum Opfer fällt, wundert mich nicht. Ich bin aus der Form geraten. Und nach 34 Jahren Ehe weiß Gott nicht mehr die frischeste. Er ahnt, dass ich es weiß, und ich sorge dafür, dass er es ahnt, ohne unser eingespieltes Team durch Blitz und Donner zu gefährden.

Ehe ist wie eine Party: manchmal auch langweilig

Ja, wir sind ein eingespieltes Team, verheiratet, zwei Kinder. Wir mögen uns und wir halten zusammen. Seit zwölf Jahren arbeite ich wieder in einer Agentur, darf kreativ sein und stehe meine Frau. Es geht uns gut, materiell und seelisch, ich vermute auch ihm. Alles fühlt sich „okay“ an. Und unsere Ehe hat daran einen großen Anteil.

„Okay“? Ich weiß, „okay“ ist für junge Leute kein Ziel, das man mit einer Partnerschaft anstrebt. Okay klingt dröge, nach tief eingegrabenen Fahrspuren, dem immergleichen Trott. Auch wir waren sterbensverliebt und haben vor Lust aufeinander gezittert, wenn wir ihr grade mal nicht nachgeben durften. Auch wir wollten den Himmel stürmen. Mindestens.

Am besten gebe ich’s gleich zu: Ja, manchmal ist mein Leben langweilig, so langweilig wie der Rhein vor unserer Haustür, der heute träge dahinfließt, so dass man kaum weiß: Fließt er nach links oder nach rechts? Aber gibt es nicht auf jeder Party auch langweilige Momente?

Ehe lässt Vertrauen wachsen

Der Hauptvorwurf gegen die Ehe ist ihre formelle Sicherheit. Doch gerade das ist ihre große Stärke. Zur Liebe gehören nämlich auch Vertrauen und der Wunsch nach Geborgenheit. Beide gewinnen an Kraft, wenn ich einen Mann an meiner Seite weiß, der bereit ist zu sagen: „Ich bin immer für dich da! In guten wie in schlechten Zeiten.” – ohne Gütertrennung. Und schlechte Zeiten gibt es garantiert. Dazu müssen gar nicht erst die rosa Wolken verflogen sein. Eine verpatzte Prüfung, ein fieser Chef, eine Krankheit, ein gestorbenes Kind können meinen Lebensweg und meine innere Landschaft schnell und radikal verändern. Wie gut, wenn ich dann jemanden habe, auf den ich mich verlassen kann.

Dann kann ich mich öffnen, mich ganz hingeben, kann ganz ich sein. Vertrauen darf nicht mit blindem Glauben an den anderen verwechselt werden, Vertrauen wächst. Es ist nicht auf einmal da, sondern bekommt mit jeder überwundenen Hürde einen neuen Wachstumsschub. Und mit jedem Stückchen mehr Vertrauen wandelt sich Verliebtheit ein wenig mehr in Liebe.

Natürlich ist all dass auch möglich ohne Trauschein. Vertrauen kann zweifellos auch ohne dieses Papier wachsen. Aber ich fürchte, seine Wachstumsbedingungen sind ohne Ehe schlechter, gerade in diesen unsicheren Zeiten. Wer hätte gedacht, dass ich hier ein Plädoyer FÜR die Ehe schreibe? Ich am allerwenigsten.

[Foto: pixabay_NGDPhotoworks]

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Über die Liebe

von Alander Baltosée

Liebe ist die innige Verschmelzung zweier Seelen.
Gemeinsam fließen sie im puren Sein,
jenseits des Ichs.
Der Weg dorthin ist schmerzhaft, verschlungen und weit.
Wir glauben, die Liebe
im Spiel zwischen Mann und Frau zu finden.
Im Ringen um dieses gemeinsame Seinsgefühl
hält es einem jeden zunächst den Spiegel vor.
Wir sehen und lieben im anderen,
was wir an uns selbst lieben.,
sehen im Antlitz der Geliebten
die verkannte eigene Schönheit.
Wir lassen uns fallen
und fühlen uns geborgen,
öffnen uns meinen uns dem anderen zu zeigen.
Wir fühlen uns verstanden, gesehen und gespürt,
bis zum Grunde unseres Wesens.
Endlich scheint die endlose Einsamkeit vorüber,
das Getrenntsein von der Welt aufgehoben.

Dann trifft uns der brennende Pfeil vergessener Seiten.
Holen uns ein, die altbekannten Ängste, zum xten Male.
Das kennen wir,
das andere trauen wir uns nicht zu wagen.
Wir halten inne nach der Trennung
Bis wir begreifen, dass wir uns
im Anderen erkennen wollen,
dass sich unser eigenes Sein
im Geliebten spiegelt.
Auch jene Seiten, die wir nicht mögen,
die wir für die Liebe zu heilen haben,
um das Sein in wahrhaftiger Verschmelzung
leben, den Tanz zwischen Mann und Frau
wirklich tanzen zu können.

Eine Liebes-Geschichte zeigte mir,
wie das Haben-Wollen den Geliebten ersticken kann.
Die nächste führte mir vor Augen,
wie selbstmitleidiges Opferspiel Schönheit zerbricht,
eine andere ließ mich nachempfinden,
zu welch’ grausamer Waffe sich Wut verwandelt.
Kennt kein Halten mehr, der Zorn, mit seinen Worten.
Schießt Sätze wie Geschosse in den Raum,
die sich ins Gedächtnis graben,
leidvoll in der Seele Wunden schlagen.
Ein anderes Mal war die Geliebte so eifersüchtig,
dass jedes Vertrauen darin erstarb.
Immer wieder zeigte mir das Leben
im Gewande der Liebe,
wie sich eigenes Verhalten für andere anfühlt.
Indem wir es durch den Geliebten selbst erfahren,
erkennen wir, wann und wo wir andere schmerzten.
Die Liebe, das, was wir so nennen,
entlarvt blinde Flecken schonungslos,
will sie heilen und erlösen,
um sich frei entfalten zu können,
über enge Horizonte des Ichs hinaus.
Die Geduld der Liebe zerreißt am inneren Widerstand,
sich selbst erkennen zu wollen.
Man findet sich wieder im Alleinsein mit sich selbst.
Hast nicht vergessen, dankbar zu sein,
für all die Selbsterkenntnis,
doch schmerzvoll brennt der Verlust
der dich jäh ereilte.
Die Geliebte lockt und betört,
mit ihren Reizen, mit ihrer Hingabe.
Verschenkt sich liebestrunken
und entblößt im gleichen Zuge
die Unfähigkeit des Menschen, die reine Liebe anzunehmen.
Und ihr ergeht es ebenso.
Sie lässt spüren, wie schrecklich es sich anfühlt,
wenn Liebe nicht angenommen werden kann.

Das Vertrauen ist im Verliebtsein gewachsen,
ließ Hingabe wie Blüten in den Maiwind treiben,
bis aus nichtigem Anlass der Zauber erlischt,
im Augenblick, in dem Zweifel und Argwohn
sich fast unmerklich einzuschleichen beginnen.
Ein seltsamer Blick der Geliebten
stiftet Verwirrung, lässt dich ins Bodenlose stürzen.
Du schaust sie an und fühlst,
dass das Edle zerbrochen ist.
Nichts vermag es aufzuhalten,
als sei es unumstößliches Gesetz.
Im glückseligen Liebestaumel,
wird sich in Freude umschlungen.
Doch das Gift von Argwohn und Misstrauen
macht mit einem Mal den Zauber zunichte.
Plötzlich aus dem Nichts gekommen, ist er da,
dieser Impuls, mit dem uns das Vertrauen verlässt.
Wir haben uns weggeschenkt,
im Geben vergossen.
Doch dann schlägt eine Tür ins eiserne Schloss,
stellt durch ein einzelnes Wort,
mit einem einzigen misverstanden Satz,
das Heilige in Frage.
Aus dem Himmel gefallen.

Du ließest Dich verzehren,
betörende Reize lockten dein Begehren,
ließen dich glauben, es sei die Liebe,
der du folgst.
Bis der Moment der Erschöpfung kommt
und das Weib unersättlich bleibt.
Zurückgeworfen und beraubt der Illusion,
die hoffen und glauben ließen,
es gäbe ein immerwährendes Glück zu zweit,
als gäbe es den richtigen Lebenspartner,
zwei Wesen, Mann und Frau,
die zwei Hälften einer Seele sind.

Was eben noch Liebe war,
ist nun bizarre Fremde.
Ein Wort, ein Satz provoziert die Frage,
ob man den anderen wahrlich kennt.
Was geht in ihr vor,
kann sie mich spüren?
Ist sie so nah bei mir,
dass ihre Liebe die Zweifel besiegt?
Waren alle Bekenntnisse,
die schönen Worte und Komplimente
nur im Taumel der Euphorie
von den Lippen geflossen?
Welche Kraft reitet uns dann,
wenn wir uns romantisch ergießen?
Ist das die Liebe oder hungrige Begierde?

In einem Moment war jede Berührung
noch natürlich und ungezwungen,
dürstete die Liebe nach Zärtlichkeit,
labte sie sich in sinnlicher Erotik.
Ein winziger Augenblick, ein Gedanke,
eine Geste oder ein fragender Gesichtsausdruck,
lassen die Seelen aus der Wonne fallen.

Die Fragen nach dem Warum wollen nicht enden
und es gibt keine Antworten darauf.
Mann und Frau sprechen
zwei unterschiedliche Sprachen,
verstehen nicht des anderen Sinn.
Hörst nur noch, was deine Ängste nährt,
alte Wunden wieder aufbrechen lässt.
Eine Spirale der Verwirrung
beginnt sich zu drehen.
Jeder Versuch der Klärung
verhärtet die entstandenen Fronten.

Wag ich noch,
ihre Haut zu streicheln,
ihre Nacktheit wie ein Fest zu feiern,
mich von ihrem Liebreiz verführen zu lassen?

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Klammern

Die Handwerkerin in mir weiß: Klammern brauche ich immer, damit etwas nicht auseinanderfällt. Oder damit ich ihm eine Form geben kann, die es normalerweise nicht hat. Haarklammern zum Beispiel. Oder die Klammern, die ich mit einem Tacker in die Plastikplane schieße, damit sie am Holz hält.

Wenn ich jetzt mal das Gerät zum Vergleich nutze, dann bin ich das Holz, mein Mann die Plane und der Standesbeamte der Tacker. Bis dass der Tod – bzw. die Verrottung des Holzes – uns scheide. Braucht es die Ehe? Die politische Gebetsmühle sagt: Ja, sie ist staatserhaltend. Hm, deswegen soll ich heiraten?

Ich will nicht abschweifen und zur Klammer zurückkommen. Zum Klammern genau gesagt. Wenn ich gemischtgeschlechtlich unterwegs bin, fällt nicht selten das Wort, dass wir Frauen klammern und die armen Männer bewegungseingeschränkt sind. Stimmt schon irgendwie: Der Schnelllauf in fremde Betten wird durchs Klammern erheblich gestört. Aber warum klammere ich? Ich brauche den Typen doch gar nicht, und mein Junge ist aus dem Gröbsten raus. Wenn ich beim Abendessen sage: „Ist es okay, wenn ich heute Abend mal länger unterwegs bin? Brauchst du mich?“, schaut er mich an wie ein Psychiater einen Geisteskranken. Im besten Fall hat er Mitleid mit mir, dass ich immer noch nicht kapiert habe, wie groß er schon ist. Ich sage ihm natürlich nicht (und manchmal gesteh ich’s nicht mal mir selbst ein), dass ich mit seinem Vater nur ausgehe, weil auf der Party ein paar gefährliche Frauen unterwegs sein werden. Wenn ich auch da bin, gibt es keinen „Ausrutscher“.

Ist das Klammern? Vielleicht. Aber warum tue ich das? Klar: Damit er mir nicht abhandenkommt. Ich würde ihn vermissen und all das, was bei uns gut klappt. Die Vertrautheit, die Normalität, die sich ergeben hat und mit der wir beide einverstanden sind. Er ist ein Partner und ein Vater. Er kann beides. Das ist schön. Wenn “Bett” stattfindet, könnte er langsamer zur Sache kommen, aber so sind sie nun mal: im Zweifelsfall leicht zu erregen. Ist ja auch irgendwie schön, dass es – manchmal – noch klappt. Aber er ist mit seinen paarundfünfzig Jahren bei anderen Frauen ein bisschen wie ein Junge. Würde ich nicht auf ihn aufpassen, würde er sich in wer weiß was verstricken und aus der Falle nicht mehr rauskommen. Die anderen sind ja auch nicht doof. Mein Klammern ist also eher eine Art Schutzengelfunktion. Anders als die mechanischen Klammern sorgt es dafür, dass zusammenbleibt, was zusammengehört.

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Die Partnerschaft retten

Liebe auf den ersten Blick – soll es geben. Weit häufiger ist aber wohl die Liebe auf den 50. Blick, der uns dann endlich sagt: „Sie ist wirklich ‚super‘.“ Auch bei Frauen soll gelegentlich der Liebesblitz einschlagen, aber vermutlich erst beim 75. Blick. Frauen testen länger, ist meine Erfahrung. Und je mehr Erfahrung sie mit dem scheinbar starken Geschlecht haben, desto seltener sind sie zu einer Partnerschaft bereit; sie wollen sich nicht die Finger versengen lassen.

Lohnende Arbeit für die Partnerschaft

Aber irgendwann „schnackelt’s“ eben doch mal und der rosa Nebelwerfer gerät in Fahrt. Lichtet sich der Nebel, weil der Rosenmonat vorbei ist – oder die Rosenjahre –, bleibt meist doch noch genug Positives in der Partnerschaft, um an IHR oder IHM festzuhalten. Bevor uns aber gar nicht mehr einfällt, was wir an unserem Partner einstmals so bezaubernd fanden, sollten wir ein paar Kilojoule „Beziehungsarbeit“ investieren.

Natürlich muss man nicht so lange warten. Früher damit zu beginnen lohnt sich, weil man dann viel länger viel mehr voneinander hat. John Gottman, Professor für Psychologie an der University of Washington, schrieb schon vor Jahren ein Buch, das man als das „Grundlagenwerk der Beziehungsrettung“ bezeichnen könnte. Darin gibt er zu bedenken, dass man sich nur dann streitet, wenn noch eine innere Bindung vorhanden ist. Streit in einer Partnerschaft ist also nicht grundsätzlich negativ.

So funktioniert „guter Streit“ in der Partnerschaft

Doch mit 7 fundamentalen Tipps streiten Paare wirkungsvoller, solange sie noch einander wohlgesonnen sind:

  1. Macht in friedlichen Zeiten eine Art Streit-Vertrag miteinander. Legt ein paar einfache Regeln fest, die beiden einsichtig sind und die zu befolgen beide bereit sind. Schließlich sind es ja die eigenen Regeln. Vielleicht hilft der Gedanke, dass ein Disput nur dann Sinn ergibt, wenn man zu irgendeinem Ergebnis kommt. Ein Punkt sollte im Vertrag vorkommen: Was tun wir, wenn einer von uns das Gefühl hat, der Streit ist zwecklos?
  2. Installiert ein Signal oder Wort – zum Beispiel „Stop!“ –, das eine sofortige Streitpause erzwingt. Dann geht man ohne weiteren Disput auch räumlich eine Weile auseinander, bis sich die Gemüter abgekühlt haben. Mit einem Streitstop-Signal lässt sich mancher schöne Abend oder sogar Urlaub retten. Ein Stop ist aber nur dann sinnvoll, wenn das Thema weitergeführt wird. Dafür sollte es nach dem Stop einen neuen Termin geben.
  3. Überlegt euch, womit sich jeder am besten abregt. Der eine mag vielleicht meditieren, der andere macht Liegestützen.
  4. Überlegt, was der tiefere Grund hinter der Kleinigkeit ist, weshalb ihr euch in die Haare kriegt. Was ist euch so wichtig, dass ihr ein Kinkerlitzchen zum Anlass nehmt, dem anderen an den Hals zu fahren. Sprecht über dieses Wichtige und nicht über die „Zahnpastatube“.
  5. Wenn ihr neu in den Ring steigt, idealerweise auch schon zum ersten Mal, vereinbart einen Zeitraum, an dem ihr das Thema (vorerst) beendet. 20 Minuten sind eine gute Zeit. Stellt den Wecker.
  6. Überlegt euch, was auf dem Spiel steht, falls euer Streit schlimm endet. Wollt ihr diesen Verlust wirklich riskieren?
  7. Bemüht euch vor dem Gespräch um ein möglichst gutes Klima. Dazu gehört auch die eigene Wachheit. Vorsicht mit Alkohol!

Buchempfehlung: John M Gottman, Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe (antiquarisch erhältlich)

Weitere Tipps: http://www.ev-kirche-dortmund.de/uploads/media/tipps_streitpaare.pdf

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Kosmetik macht makellos – wirklich?

Es gibt ja gemeine Witze über Frauen, die in der Hochzeitsnacht die Perücke ablegen, das Gebiss, den Hüftgurt und den Push-up-BH. Doch steckt dahinter nicht diese peinliche Wahrheit: Wir tendieren dazu, uns schöner zu machen als wir sind? „Ich muss mich noch herrichten“, heißt das zum Beispiel. Besonders wenn’s auf Männerfang geht, wird noch die letzte Falte ausgebügelt, jedenfalls bei uns Frauen über 30.

Make-up kann uns aufpolieren – und so manches kaschieren, was das Erscheinungsbild stört. Die eine oder andere Hautunreinheit mag da noch angehen; die würde eines Tages ja vielleicht auch von alleine verschwinden, aber wie, wenn rassige, hohe Wangenknochen im Party-Make-up vorgetäuscht werden oder wenn künstliche Wimpern einen falschen Augenaufschlag erzeugen? Ist mit solchen Tricks nicht schon kurzfristig Enttäuschung programmiert? Und nach welchem Vorbild richten wir uns da eigentlich? Und welche Männer sind unsere Zielgruppe?

Ganz gewiss stimmt, dass Hormone, erst einmal in Wallung gebracht, wirkungsvoller sind als jedes Make-up oder jeder Push-up. Männer in Brunft lassen einem so  ziemlich alles durchgehen – weshalb es zu den Tricks unseres Geschlechts gehört, ihre dauerhafte Abkühlung tunlichst zu vermeiden. Durch die rosa Brille verzeihen aber auch wir dem anderen so ziemlich jeden Makel – das ist der kosmetische Dominoeffekt des Schlafzimmers.

Unter dieser Prämisse sei mal das Gedankenspiel erlaubt, ob es nicht sinnvoller wäre, ohne Kosmetik zu leben. Oder sich gezielt unattraktiv „herzurichten“? Oder wenigstens doch so normal oder banal, wie man eben aussieht. Wieso? Nun, weil dann alle die, die sich eines Tages voraussichtlich enttäuscht von mir abwenden werden, von vornherein durchs Raster fallen. Dann bezirze ich doch lieber all jene, die spontan auf mich anspringen und meine kleinen Brüste, mein Lächeln, meinen rundlichen Gesichtsschnitt und meine blassblauen Augen ohne alle Tricks attraktiv finden.

Was nun nicht heißt, dass es bei einer solchen Vorgehensweise verboten wäre, sich gründlich zu waschen, die Zähne zu putzen oder etwas Hübsches anzuziehen – solange all das keinen falschen Schein erzeugt.

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Liebe: Was soll das?

Liebe zwischen den Geschlechtern ist ein Glaubenssatz, eine mentale Infusion. Nur weil sie uns von früher Kindheit an via Illustrierten, Filmen und Romanen eingetrichtert wurde und wird, muss dieser Mythos noch lange nicht wahr sein. Oder doch?

Ich weiß: Jetzt ernte ich nicht nur Kopfschütteln, sondern Vermutungen über meinen Geistes- bzw. Seelenzustand. Ich kann euch versichern: Ich bin durchaus bei Troste. Und ich bin seit 1979 verheiratet, mehr oder weniger glücklich (was auch immer das heißen mag). Oder ist das eher ein Hinweis, dass ich doch gestört bin?

Spaß beiseite: Wie kann man nur an der Wahrheit der „Liebe zwischen den Geschlechtern“ zweifeln? Nun, es hat im Jahr 1600, als die Hexenverbrennungen ihren Höhepunkt hatten, auch Menschen gegeben, die an der Existenz von Hexen gezweifelt haben. So viel zum gesamtgesellschaftlichen Konsens von Wahrheiten.

Was nährt also meinen Zweifel an der „Liebe zwischen den Geschlechtern“? Zum einen ganz banale Einsichten: So gut wie jeder glaubt zwischen seinem 14. und 30. Lebensjahr, die oder den RICHTIGEN gefunden zu haben, den EINZIGEN oder die EINZIGE, AUSERWÄHLTE. Je weniger Erfahrung wir haben, desto leichter bilden wir uns das ein. Und je unerfahrener, gieriger bzw. ausgedürsteter wir sexuell sind. Es ist so, als hätte die Evolution eine Art Bratpfanne aufs Feuer unserer Hormone gestellt, und je nachdem, ob wir mehr auf Hausmannskost, chinesische Küche oder Steak getrimmt wurden, steigt uns der verführerische Duft einer appetitlichen Geschlechtsmahlzeit in die Psycho-Nase. Noch nie, meinen wir, hätten wir so etwas Köstliches auf dem Teller gehabt wie IHN oder SIE; das muss sie sein, endlich – die große Liebe.

Pardon für den banalen Bratpfannen-Vergleich. Ich will damit nicht all jene hohen Gefühle verunglimpfen, die bei menschlichen Geschlechtsritualen im Spiel sind. Der Vergleich kam mir vielleicht, weil ja gerade jetzt die Geschlechter wieder ihre Reize und Körpersignale aufs Köstlichste auspacken. Das Ergebnis ist vorherseh- und -sagbar: neue Liebesbeziehungen, neue Affären, neue Seitensprünge, neue Kinder, neue Hoffnungen, neue Enttäuschungen, neue Seelenqualen. Und auch: viele vorgetäuschte Orgasmen.

Bei genauer Betrachtung glaubt freilich kaum jemand, dass es nur die oder den einen gibt. 99 Prozent aller Liebeskummer-Fälle lösen sich von alleine auf, indem ihre Ursache durch eine gleichwertige Alternative gelöscht oder wenigstens ausbalanciert wird. Was war also dann die große Liebe? Die Beziehung davor oder die danach? Und nicht ganz zufällig sinkt die Rate spontaner Verliebtheiten mit wachsender Geschlechtererfahrung. 80-Jährige verlieben sich nicht deswegen weniger, weil sie es nicht mehr könnten, sondern weil sie ganz einfach sehr viel mehr um den Trug wissen, der in der Luft liegt, wenn die Hormone mal wieder auf die Hirnanhangdrüse durchgreifen.

Was alles nicht heißen soll, Liebe machte keinen Spaß. Ja doch, tut sie.

[Foto: pixabay_miapowterr]