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Einsamkeit revisited

GEISSEL ODER GLÜCK? Jeden Morgen alleine aufwachen. Jede Nacht einsam einschlafen. Nur das Kissen umarmen. Den Tag müssen wir in Isolation verbringen. Nicht einmal die Abwechslung eines Restaurantbesuchs, eines Kinoabends oder einer Theatervorstellung. Wir sind „gefangen“ in uns selbst, mit uns selbst. Das ist ein Gefühl von Absurdität und führt manche sensible Seele an den Rand des Abgrunds. Gerade jetzt, wo ganz Deutschland durch Corona gegeißelt und in die Isolation gezwungen ist. In der Bibel heißt es: „Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ 1. Mose 2,18

BLOSS NICHT ÜBER UNS SELBST NACHDENKEN! Wir sind Abwechslung gewöhnt. Soziale Kontakte tun uns gut. Sie sind wie Sauerstoff, der unsere Seele zum Atmen bringt. Unsere Herzen lächeln lässt. Letztlich auch, weil sie von uns selbst und unseren Problemen und Unzulänglichkeiten ablenken. Weil das Zusammensein mit Gleichgesinnten uns die Gewissheit gibt, gemocht zu werden. Weil wir so sind, wie wir sind. Sogar obwohl wir sind, wie wir sind. Das gibt uns Boden unter den Füßen, hüllt uns in eine warme Wolke der Zufriedenheit. Jetzt ist sie verschwunden, die tröstliche Nähe zu unserer Gesellschaft. Die kleinen hedonistischen Freuden eines gemeinsam genossenen Eisbechers in der Frühlingssonne. Ein Glas Wein auf die Freundschaft. Alles das ist nicht mehr möglich. Wir sind gezwungen, zu uns selbst zu kommen, Stille zuzulassen. Was macht das mit uns? Zunächst einmal ist da eine Leere, von der kein Nebengeräusch mehr ablenkt – außer dem permanenten „Bling Bling“ unseres Smartphones, das besonders in der aktuellen Situation keine Ruhe gibt! Aber macht uns das weniger einsam? Wird so emsig gepostet, um die Einsamkeit zu vertreiben?

DER SEELENQUÄLER: EINZELHAFT SCHAFFT HIRN- UND HERZSCHMERZ. Einsamkeit kann schmerzhaft sein, uns krank machen. In eine schwere Depression münden. An der Einsamkeit können wir zugrunde gehen wie eine Rose, die kein Wasser mehr bekommt. Heute sind viel zu viele Menschen einsam. Verzweifelt. Ausgehungert nach Nähe. Doch das ist ja nicht erst seit Corona so. Rund 17 Millionen Singles gab es im Jahr 2020 in Deutschland. Und das sind bei Weitem nicht nur alte Menschen. 44 Prozent sind Männer unter 49. Ob Mann oder Frau, alt oder jung, es ist nicht leicht, mit der Einsamkeit umzugehen. Sie nagt an unserer Seele, füttert uns mit Selbstzweifeln. Wir fühlen uns nicht geliebt, kommen aus dem Gedankenkarussell und den permanenten Selbstgesprächen nicht heraus. Das Schlimmste: die Angst, alleine zu bleiben bis an unser Lebensende. Einsam und alleine durch das letzte dunkle Tor zu gehen. Unbegleitet. Ohne Spuren hinterlassen zu haben. Ganz so, als hätten wir niemals existiert. Die Angst vor der Einsamkeit: Sie ist existentiell! Warum aber fällt es uns so schwer, alleine zu sein? Brauchen wir sie so sehr, die Anerkennung durch die anderen? Die Ablenkungen von uns selbst? Können uns denn andere ersetzen, was in unserem Inneren fehlt? Wenn wir schon nicht mit uns selbst leben können, wie kann dann ein anderer mit uns glücklich sein?

WELCOME SOLITUDE – GENIESST DIE SINGLE-PARTY! Sind wir denn nicht eigentlich immer alleine? Werden alleine geboren und sterben alleine. Jeder Baum steht doch auch für sich alleine. Bestenfalls von anderen umgeben. Aber doch immer für sich. Alleine sein und einsam sein sind zwei verschiedene Zustände. Alleine sein, gerade das selbst erwählte Mit-sich-Sein, ist oftmals das Wohltuendste, was wir erfahren. Wir dürfen tun, was wir wollen, denken, was uns in den Kopf kommt, können uns „gehen lassen“ und brauchen uns um nichts und niemanden außer uns selbst zu kümmern. Können Party mit uns selbst feiern.

WENN DIE SINNKRISE EINZIEHT. Doch nach einer Weile kommt die Leere, die Langeweile, das Bedürfnis nach der Nähe anderer, des einen geliebten Partners, der Familie oder einfach nur guter Gesellschaft. Wird sie uns nicht gewährt, dann werden wir einsam. Mit jedem Tag, jeder Stunde, jeder Minute welken wir ein bisschen mehr dahin, bis uns der Sinn des Lebens verschwimmt; bis wir fragen, warum wir sind, wer wir sind. Existentielle Fragen. Für die wir ausgerechnet die Antwort durch andere benötigen? Sind das nicht genau die Fragen, die wir in und durch die Einsamkeit beantworten können und sollen, um zu uns selbst zu finden?

GEMEINSAM EINSAM … BIS ZUM SCHEIDUNGSRICHTER. Um einsam zu sein, muss man nicht alleine sein! Ist es nicht noch schlimmer, zu zweit oder gar in großer Gesellschaft einsam zu sein? Während der Coronakrise ist in China die Anzahl der Scheidungen steil angestiegen. Da fehlte die Ablenkung von außen. Die Menschen mussten oft auf engstem Raum miteinander leben. Die vielfältigen Sorgen um das alltägliche Überleben, zu viel Nähe und zu wenig Alleinsein sind ebenso schwer zu ertragen wie die Einsamkeit. Wie die Unfähigkeit, Distanz zu überbrücken, schafft auch unsere mangelnde Fähigkeit zur Abgrenzung Konflikte. Letztlich manifestieren sich unsere Bewertungen in Gefühlen und werden schließlich zu Realität.

DER JAKOBSWEG ZU SICH SELBST. Zu uns zu finden, Zeit für uns selbst zu haben, ist ein idealer Ansatzpunkt auf dem Weg zu einem glücklichen Lebensgefühl. Mit dem wir dann auch für andere Zeitgenossen wieder ein Geschenk sind: Wir werden zu jemandem, mit dem man gerne Zeit verbringt. Nutzen wir also die Zeit des Alleinseins. Ob selbst gewählt oder vom Schicksal verordnet – finden wir zu uns und zum Kern der Wahrheit und des Glücks, das in allen von uns keimt! Zelebrieren wir die Zeit mit uns alleine. So wie wir sie auch in Gesellschaft genießen. In allem steckt der Sinn, den WIR ihm geben … Haben wir also keine Angst, den „Jakobsweg“ zu uns selbst und nur mit uns selbst zu gehen. Wenn wir die Zeit richtig nutzen, kommen wir mit den richtigen Gedanken und Gefühlen zu unserem Glück. Dann kommen das Leben und die Gesellschaft wie von selbst zu uns zurück!

Eine spannende Ergänzung erhielt ich von Dr. Hans Christian Meiser

Soweit also Nicole Roesler. Es gibt aber auch noch einen ganz anderen Weg, mit der Einsamkeit umzugehen. Dieses Phänomen trägt den Namen „Honjok“. Der Begriff stammt aus dem Koreanischen und bedeutet so viel wie „Einpersonenstamm“. Was ist damit gemeint und wieso ist er plötzlich in aller Munde? Wir kennen dieses Phänomen eher unter der Bezeichnung „Single“, wobei jene Menschen gemeint sind, die bewusst auf die tradierte Familienform verzichten, also auf das Zusammenleben mit dem Partner, auf Heirat, und meist auch auf Kinder. Sie lieben ihre Freiheit und üben sich in Selbstoptimierung, verzichten auf Verantwortung anderen gegenüber und führen ein Leben, bei dem sie sich bewusst die Seiten aussuchen, die sie für schön und erstrebenswert halten. Die Gründung einer eigenen Familie zählt nicht dazu.

DIE LIEBE UND DAS INTERNET. Nun findet sich das Phänomen vor allem in den Metropolen dieser Welt, die durch ihr vielfältiges Angebot, was Leben und Liebe betrifft, für immer mehr für junge Menschen anziehend werden. Sexualpartner braucht man heute nicht mehr per Zufall treffen, sondern man nutzt dafür die einschlägigen Internetforen. Alles andere, was man braucht, bekommt man im World Wide Web ebenfalls. Wer vor Corona über diese Entwicklung nachgedacht hat, dem musste aufgefallen sein, dass Restaurants und Cafés meist von Freunden besucht wurden, nicht aber von Paaren. In den großen Städten Südkoreas ist man da noch einen Schritt weiter. Es gibt spezielle Restaurants für Honjokker, für bewusst allein Lebende, Speisende, Genießende.

AUF DEM WEG ZU EINER NEUEN EMANZIPATION. Nun mag man fragen, was sie eigentlich genießen? Die Antwort ist klar: sich selbst. Sind sie nun deshalb komplett dem Egoismus verfallen? Sicherlich nicht. Sie – und vor allem Frauen – wehren sich dagegen, den traditionellen Vorgaben „Heirat – Kinder – Hausfrau“ zu entsprechen – so wie es die Emanzipationsbewegung in Europa und den USA schon vor langem begonnen hat.

ZIEL: AUTHENTIZITÄT. Sind Honjokker einsam oder allein? Das hängt mit der Einstellung zusammen, denn eine gewollte Einsamkeit ist für sie wünschenswerter als eine erzwungene Partnerschaft. Honjokker, so beschreibt es das Buch „Honjok – Die Kunst, allein zu leben“ lernen sich durch ihren Verzicht auf Zweisamkeit besser kennen, sie sind oft bewusster, reflektierter, kreativer – zumal sie sich nicht mit Fragen nach den Noten der Kinder und wer den Abfall rausbringt, kümmern müssen. Bei Künstlern findet man diese Lebensform natürlich auch; selbstverständlich möchte man fast sagen, denn wer seine Energie in die Kunst steckt, hat kaum Zeit für alles Bürgerliche. Honjokker leben im Einklang mit sich selbst, überschreiten die Grenzen und leben ihre Authentizität.

DAS ENDE DER GEMEINSAMKEIT? Das alles klingt sehr verlockend, zumal man sich dann nicht mehr mit dem Partner arrangieren muss und keinerlei Beziehungsstress ausgesetzt ist. Wird diese Lebensform in den nächsten Jahrzehnten unser Dasein bestimmen? Wird es dann kein „Gemeinsam. Glückwärts“ mehr geben? Ich denke, das hängt nicht nur von uns selbst ab, sondern auch von Äußerem, z. B. von dem, was uns hinsichtlich des Klimawandels erwartet. Die Coronakrise zeigt zweierlei: Einmal, dass sich z. B. Paare, die auf engem Raum mit Kindern zusammenleben, nach nichts mehr sehnen als nach Freiheit; auf der anderen Seite erleben wir einen schon verloren geglaubten Zusammenhalt von Menschen, die wieder einander helfen, sobald jemand in Not ist.

NICHT ENTWEDER – ODER, SONDERN SOWOHL – ALS AUCH. Ich denke, dass beide Lebens- und Liebesmodelle in Zukunft gleichberechtigt nebeneinander existieren werden. Es wird Paare geben, die in der Paarbeziehung ihre Erfüllung finden („Die Wahrheit beginnt zu zweit“) und es wird Honjokker geben, die durch ihre Individualität der Gesellschaft durchaus einen Seinszuwachs erwirken können, wenn ich das einmal philosophisch ausdrücken darf. Und es wird Menschen geben, die nicht ein „entweder – oder“ leben, sondern ein „sowohl – als auch“; das geht freilich nicht gleichzeitig, sondern ist vom jeweiligen Lebensabschnitt, von den jeweiligen Erfahrungen, von den jeweiligen Bedürfnissen abhängig. Und eben davon, ob wir weitere Katastrophen erleben werden oder nicht.

WIR SEHEN ALSO: Man kann an der Einsamkeit leiden, man kann aber auch Lust an ihr empfinden und sie zum Lifestyle erklären. In beiden Fällen gilt: Wenn man nicht das rechte Maß findet, kann es ungesund werden. Dann ist Einsamkeit nicht mehr heilsam, sondern macht krank. Es kommt also darauf an, einen Mittelweg zu finden oder besser: den Weg der Mitte zu gehen. Von jedem ein bisschen was ist besser als von jedem zu wenig oder zu viel.

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Ist Eros der Feind von Amor?

Was ist das Geheimnis wahrer Liebe?

Sind Sie verliebt und bangen, ob die Liebe hält? Oder haben Sie vielleicht schon eine Scheidung hinter sich? Liebe ist eine große Sache. Frauen wie Männer investieren ihr Bestes, wollen dem Partner oder der Partnerin alles von sich geben. Nicht umsonst sprechen wir in diesem Zusammenhang von „Hingabe“. Liebe geht wirklich ans Eingemachte. Und doch lassen sich momentan vier von zehn Ehen scheiden – meistens nach rund 15 Jahren. Kein Wunder also, wenn man dem „Abenteuer Ehe“ mit Skepsis begegnet.

Was ist also das Geheimnis wahrer Liebe? Wie gelingt diese Zweierexpedition und wird keine Lebensabschnittspartnerschaft? Dazu muss man verstehen, dass in der Liebe zwei Kräfte um die Vorherrschaft kämpfen: EROS und AMOR. Eros zerwühlt, zerstört, verzaubert, knetet unsere Herzen durch. Er macht uns wild und verlangend. Amor schafft Vertrauen, Freundschaft, Zweisamkeit. Er befriedet unsere Herzen und lässt uns in den Armen des anderen zuversichtlich schlummern.

Allzu oft sind unsere Beziehungen entweder von Eros oder aber Amor dominiert. Dann funktionieren sie langfristig nicht zu wahrer Glückseligkeit. Es geht also darum, die Leidenschaft zu erhalten, ja zu pflegen, ihr aber nicht den Vorrang vor den feineren seelischen Regungen zu geben – damit aus Frühlingsgefühlen keine Herbststürme werden. Erst, wenn wir es mit viel Geduld schaffen, die fragile Balance aus Eros und Amor behutsam zu liebkosen und zu respektieren … dann kann daraus wahre Liebe entspringen. Da es sehr, sehr selten passiert, dass Eros‘ und Amors Pfeile uns gleichzeitig treffen, ist es ein WUNDERWERK, seine große LIEBE im LEBEN zu finden. Doch Wunder passieren. Einer der letzten Sätze aus meinem letzten Roman „Eros‘ Erdbeben“ bringt auf den Punkt, worum es in einer gelungenen Beziehung geht: „Langsam stirbt, wer Sklave der Gewohnheit wird, indem er jeden Tag die gleichen Wege geht …“ Die neuen Fälle der “Liebesdetektivin” wissen davon ein Lied zu singen.

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Die Liebe: Schlachtfeld oder Kuschelzone

„Die Liebe ist eine berauschende Droge, die dich durchs Leben schweben lässt. Die Frage ist, wie viele Bewährungsproben sie erträgt, ohne vorzeitig zu zerbrechen.“ Marcello Mastroianni

 „Love is a battlefield“, wusste schon Pat Benater in den 70er Jahren. Dabei schien das damals, in den Zeiten von Hippies, freier Liebe und Woodstock noch viel einfacher als heute. Je komplexer und komplizierter unsere immer digitalere und globalere Welt wird, die sich täglich rasanter zu drehen scheint, umso mehr sehnen wir uns nach Liebe, Zugehörigkeit, Sicherheit. Eine Milliarde Menschen sahen die Hochzeit von Meghan und Harry. Die Familie wird zum Zufluchtsort und Ruhepol, nachdem die Battle des Business immer brutaler wird. Diese Tendenz ist global. Eine gleichzeitige und erschreckende Tendenz: Mittlerweile wird jede ZWEITE Ehe geschieden. In den Städten wohnen 60 Prozent Singles. Lebensabschnittspartnerschaften sind die Regel. Patchwork-Beziehungen auf Zeit lösen die Ehe, „bis dass der Tod uns scheide“, ab. Längst hat der Scheidungsanwalt den Klabautermann ersetzt.

100 different Shades of Grey machen es nicht einfacher! Dazu kommen Dutzende Transgender-Formen. Beziehungen müssen immer anpassungsfähiger werden, um der eklatanten Individualisierung diverser Gender-Formen standzuhalten und unterschiedlichsten Ansprüchen zu entsprechen. Es ist eine „crazy world we live in“. Die Herausforderung, sein persönliches Glück in der Liebe zu finden, scheint größer, als einen Sechser im Lotto zu landen. Ganz ehrlich, wenn wir an der angeblich so glänzenden Oberfläche funktionierender Beziehungen kratzen, finden wir allzu oft Abgründe vor. Die Liebe ist mehr denn je ein Schlachtfeld. Missbrauch, Gewalt, Demütigungen und Schlimmeres sind häufiger, als wir wirklich wissen wollen.

Aber eine Kuschelzonen-Beziehung ist auch nicht das, was uns wirklich beglückt. Wir wollen die Leidenschaft, das Abenteuer, Sex, Sinnlichkeit und Erotik. Und gleichzeitig einen sicheren Hafen mit einem Partner, dem oder der wir vertrauen.

Wie kann eine Beziehung funktionieren und langfristig glücklich machen, im rosa Wolken-Himmel, zwischen Schlachtfeld und Kuschelzone …?

Helfen wirklich solche Beziehungs-Regeln, wie sie zum Beispiel der „Date Doktor“ aus dem Fernsehen fordert? Sehen wir sie uns mal näher an …

  1. Körperliche Anziehung

Ist sicherlich eine Conditio sine qua non für Liebesbeziehungen. Wer sich nicht riechen kann, wird nie wirklich ein Paar auf Dauer bleiben.

  1. Selbe Werte und Zielvorstellungen

Auch dies ist sicher eine Grundvoraussetzung dafür, dass eine Beziehung über längere Zeit funktionieren kann. Wenn ein Partner das Leben auf dem Ponyhof, Kinder, Kuchen backen und stricken bevorzugt, der andere aber ein internationales Rockstar-Leben führen will … So wird das Anderssein die Liebenden vielleicht erst einmal anziehen, früher oder später aber zum Fallstrick.

  1. Ähnliche Interessen

Können ein Schweißmittel sein, das eine Liebe zusammenhält, wenn die Leidenschaft schon lange abhandengekommen ist. Gemeinsame Liebhaberei zum Beispiel für gutes Essen, Reisen, Musik, Kunst, Sport verbinden uns, schaffen Nähe. Sie können aus Liebe eine tiefe Freundschaft erwachsen lassen.

  1. Ähnlicher Coolheitsstatus

Zumeist suchen wir uns Partner, die uns ähnlich sind, was Attraktivität und Status betrifft. Ist ein Partner dem oder der anderen weit über- oder unterlegen, kann es brisant werden und zu Neid, Missgunst, Komplexen und extremer Eifersucht führen, die nach einer Weile tödlich für jede Liebe sein können.

  1. Eine ähnliche Herkunft / Heridität

Ist sicher auch hilfreich. Wenngleich die zunehmende Globalisierung immer häufiger zu ungewöhnlichen Paaren führt. Die aber nicht unbedingt unpassend sein müssen.

  1. Sexuelle Vorlieben

Das Wunderwerk einer sexuell beglückenden Beziehung kann süchtig machen und selbst Paare zusammenführen und – zumindest für eine Weile – zusammenhalten, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten … Aber was, wenn der Alltag, der auf leisen Sohlen sukzessive in die meisten Verbindungen einzieht, die Leidenschaft killt?

  1. Akzeptanz in der Familie und im Freundeskreis

Was, wenn unsere große Liebe von unserer Familie abgelehnt und vom Freundeskreis gemobbt wird? Viele Familien und Freundschaften zerbrechen aus diesem Grund. Am Ende aber zerbricht zumeist die Liebe zum Partner. Denn Blut ist dicker als Wasser bzw. andere Körperflüssigkeiten!

  1. Ähnlicher Umgang mit Geld

Finanzielle Streitereien sind Ursprung vieler Scheidungen. In unserer heutigen Gesellschaft ist der Gott des Geldes übermächtig und das Gefühl, ausgenutzt bzw. „über den Tisch gezogen zu werden“, ist kein guter Nährboden für wahre Liebe. Ich rate zu finanzieller Unabhängigkeit. Abhängigkeit macht immer schwach und schadet jeder Beziehung!

  1. Ein ähnliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz

Wenn ein Partner den anderen schon vermisst, wenn der „nur mal Zigaretten holen geht“, ohne – wofür diese Redewendung steht – sich für immer auf und davon zu machen, und der andere seine Freiheit, Zeit für sich und Distanz braucht, so ist das eine schwere Bewährungsprobe für jede Beziehung. Ohne Kompromissbereitschaft schwer zu lösen!

  1. Respekt, Achtsamkeit & Empathie sowie eine funktionierende Streitkultur

Ohne diese Attribute wird keine Beziehung, auch nicht wenn alle 10 „Beziehungsregeln“ Bestand haben, von Dauer sein. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass eine Liebe er-wachsen kann. Dies drückt sich auch in der gemeinsamen Streitkultur aus.

Fazit:

Eine Liebe, die auf Leidenschaft beruht und nicht in der gemeinsamen Kuschelzone lauwarm dahinsimmert, wird immer und unausweichlich Konflikten ausgesetzt sein. Je weniger „Regeln“ bei beiden Partnern übereinstimmen, umso größer kann die Leidenschaft sein. Umso unüberbrückbarer ist allerdings auch die Gefahr des Zerbrechens der Liebe. Um das zu verhindern, müssen die Liebenden permanent an ihrer Beziehung „arbeiten“ und Wunder bewirken. Eine Anstrengung, der wir uns heute allzu oft entziehen, um den Weg der Bequemlichkeit zu gehen. Nach dem Motto: Beim nächsten Partner wird alles besser.

Doch ist die Liebe nicht das größte Gut und jede Anstrengung wert?

In diesem Sinne! Wunderschöne, harmonische Oster-Feiertage im Kreise der Liebsten.

Eure

Nicole Rose

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Die Grundlagen der Liebe(02)

Dass Mutterliebe bzw. die Liebe und Zuwendung einer Bezugsperson eine Säule unserer Liebesfähigkeit darstellt, ist also klar. Aber es gibt eine weitere, an die wir meist nicht denken, weil sie so selbstverständlich ist wie unser Herzschlag.

Liebe auf dem Mutterplaneten

Wir werden also geboren. Neun Monate wurden unsere Sinne optimiert und unser Gehirn ist voller Erwartung auf die Fülle des Neuen, das ihm nach dem „Planeten Mutter“ seit Jahrtausenden auf dem „Planeten Erde“ geboten wird. Und da sind sie: die zärtlichen Stimmen meiner Mutter, meines Vaters, meiner Großmutter, meines Großvaters, meiner Verwandten, meines Stammes. Sie alle nehmen mich in den Arm, liebkosen mich, geben wir die erste Sicherheit, gut und richtig angekommen zu sein, nicht den Planeten verfehlt zu haben. Weiterlesen

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Liebe auf Wunsch?

Kürzlich besuchte ich in München eine Gruppe von Menschen, die es tatsächlich für möglich hielten, jedermann lieben zu können. Es komme nur darauf an, dass man das wirklich wolle. Das brachte eine Saite in mir zum Klingen, meine Sehnsuchtssaite.

Der erste Impuls meiner realistischen Seite äußerte sich freilich erst einmal kritisch: „Quatsch. Es ist schon schwer genug, auch nur einen Menschen zu lieben.“ Ja stimmt, und meistens hält das nur bis zum verflixten siebenten Jahr. Nachdem aber etwas in mir einem derartigen Realismus misstraut, drängte gleich ein zweiter Gedanke hinterher: „Warum eigentlich nicht?“ Weiterlesen

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Die Liebe in Zahlen

von H.P. Schalk

Ich weiß, es ist Wahnsinn, aber vielleicht ja gerade deshalb interessant. Ich gebe „Liebe“ bei Google ein. Nach 0,58 Sekunden bietet die Suchmaschine 289 Millionen Einträge an. Der Begriff „Love“ liefert gleich 7,8 Milliarden davon.

Ich halte das für rekordverdächtig. Zum Vergleich probiere ich mein Glück mit „Jesus“: 895 Millionen. „Christus“ bringt es auf 31,4 Millionen, Mohammed auf 202 Millionen, Buddha auf 179 Millionen. „Liebe“ liegt also wirklich auf den vorderen Rängen, „love“ sowieso.

Doch dann der zahlenmäßige Einbruch: Beim Gutenberg-Projekt, der größten elektronischen Volltextsammlung deutschsprachiger Literatur mit über 1700 Autoren, taucht der Begriff „Liebe“ nur tausendmal auf, etwa im „Liebeslied“ von Rilke: „Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt?“, in Ibsens „Komödie der Liebe“: „Du hast den Liebesrausch schon ausgeschlafen?“, in Ovids „Elegien der Liebe“: „Schüttle die Locken zurück über das niedliche Ohr“, in Schnitzlers „Liebelei“: „Ich bin ihm nichts gewesen als ein Zeitvertreib“.

Man mag antworten: Tausendmal das Thema Liebe in der Literatur wiegt eine Million Erwähnungen in Google locker auf, aber 7,8 Milliarden? Wem so oft eingehämmert wird, es gebe so etwas wie Liebe, der muss verrückt sein, um nicht daran zu glauben. Weit her ist es freilich nicht mit dem Glauben.  Solange die Hormone Dopamin und Oxyticin rosa Nebelwolken ins Gehirn blasen, beugen sich Penis und Vagina dem Ruf der Wildnis bzw. der Evolution. Doch nach nicht einmal zwei Jahren ist die Phase der ersten Verliebtheit rum, nach durchschnittlich 14 Jahren endgültig und die Scheidung wird eingereicht, rund 160.000 mal im Jahr. Dabei glauben 74 Prozent der Deutschen an die Liebe fürs Leben. Es genügt, diese Zahlen nebeneinander zu halten, um klar zu machen, dass der Selbstbetrug zu unserem seelischen Standard-Repertoire gehört. Entsprechend kitschig verhalten wir uns im Alltag. Jeder Dritte – 36 Prozent – nennt seinen Partner „Schatz“, „Schatzi“ oder „Schätzchen“; auf ein Drittel – 10 Prozent – kommen „Maus“ oder „Mäuschen“. Darunter rangieren Süße/r, Liebste/r, Engelchen, Schnucki, Bärchen, Schnuffi, Spätzchen, Mäusebärchen, Baby.

Von seelischer Reife der angeblich Liebenden sprechen solche Namen nicht. Offen gestanden: Würde mir meine Partnerin ständig ein „Schätzchen“ aufs Ohr geben – wir wären längst geschieden. Sie kennt mich eben und tut‘s vielleicht ja deshalb nicht.

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Freiheit und Liebe: Wie passt das?

„Geben Sie bitte Ihre erotischen Vorlieben ein!“ Diese Aufforderung eines Erotikportals würde so manche oder mancher mit „soft bondage“ beantworten, vielleicht auch „hard bondage“. Bondage heißt Fesselung und spricht für die Sehnsucht nach Unterwerfung – wenigstens ein bisschen. Passt das zum Thema „Freiheit in der Liebe“? Natürlich, auf kokette Art gewissermaßen, denn in die Unterwerfung begibt man sich freiwillig.

Wirklich freiwillig? Oder ist da nicht ein unkontrollierbarer, und damit unfreier, Anteil in unserem Lustpotpourri identifizierbar? Selbstverständlich. Was uns Lust macht, was uns antörnt, was uns geil macht, unterliegt nur sehr eingeschränkt unseren Wünschen. Andernfalls könnten wir ja beliebig auch ins homo-, bi- oder heterosexuelle Fach überwechseln. Können wir aber nicht. Eben.

Wechseln wir also vorsichtshalber in die geistigen Sphären über. Liebe zu einem Menschen ist ja auch, wenn nicht vor allem, ein geistig-seelisches Erlebnis. Auch das können wir uns nicht aussuchen. Im Extremfall überfällt es uns wie ein Blitz, wie eine plötzliche Erkenntnis: ER ist es oder SIE ist es! Der eine, die eine. Mit erschreckender Gewissheit fühlen wir uns ihm oder ihr ausgeliefert wie ein Garten dem Wetter: Scheint eine Sonne namens Josef oder Maria aus blauem Himmel in unser Herz, ist alles gut und wir sind glücklich. Wirft der Himmel aber mit Hagelkörnern, sind wir angeknackst bis zerschmettert. Alles das ahnen wir in diesem einen Augenblick seliger Lust. Wir sind zu allem bereit, wollen uns ausliefern.

Warum? Treibt uns Masochismus an? Doch eher nein. Im anderen spüren und erahnen wir die Chance, die eigene Persönlichkeit zu erweitern, ihrem Gefäß der eingeschränkten Möglichkeiten zu entkommen, im Verschmelzen der Seelen ein Stück vollständiger zu werden. Mit anderen Worten: den Raum unserer Freiheit zu erweitern, aus eins plus eins eine wundersame Drei zu machen. Das geht ja auch ein paar Monate gut – bis der Partner oder die Partnerin am Telefon mit einem subterranen Beben in der Stimme fragt: „Warum hast du gestern Abend nicht angerufen?“

Auf einmal öffnet sich ein Höllenschlund. Ganz ähnlich wie im Augenblick, in dem uns unsere Verliebtheit bewusstwurde, dämmert uns die Ahnung, dass es nun mit der Freiheit vorbei ist. Was sich einst wie die freie, wundersame Natur anfühlte, ist nun ein bestenfalls ein englischer Park, wo Gärtner namens Erfahrung, Erinnerung, Hoffnung, Besitz, Eifersucht, Zweifel und Vorwurf zugange sind. Das Paradies ist eingehegt, vielleicht von Stacheldraht umgeben. Zutritt verboten! Achtung, Selbstschussanlagen. Jede Überschreitung, hinein oder hinaus, zieht Verletzungen nach sich, schlägt Wunden.

Gibt es Alternativen dazu? Und falls ja, welche? Polyamorie? Lässt sich die erlernen?

[Foto: pixabay_johnhain]

 

 

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Über die Liebe

von Alander Baltosée

Liebe ist die innige Verschmelzung zweier Seelen.
Gemeinsam fließen sie im puren Sein,
jenseits des Ichs.
Der Weg dorthin ist schmerzhaft, verschlungen und weit.
Wir glauben, die Liebe
im Spiel zwischen Mann und Frau zu finden.
Im Ringen um dieses gemeinsame Seinsgefühl
hält es einem jeden zunächst den Spiegel vor.
Wir sehen und lieben im anderen,
was wir an uns selbst lieben.,
sehen im Antlitz der Geliebten
die verkannte eigene Schönheit.
Wir lassen uns fallen
und fühlen uns geborgen,
öffnen uns meinen uns dem anderen zu zeigen.
Wir fühlen uns verstanden, gesehen und gespürt,
bis zum Grunde unseres Wesens.
Endlich scheint die endlose Einsamkeit vorüber,
das Getrenntsein von der Welt aufgehoben.

Dann trifft uns der brennende Pfeil vergessener Seiten.
Holen uns ein, die altbekannten Ängste, zum xten Male.
Das kennen wir,
das andere trauen wir uns nicht zu wagen.
Wir halten inne nach der Trennung
Bis wir begreifen, dass wir uns
im Anderen erkennen wollen,
dass sich unser eigenes Sein
im Geliebten spiegelt.
Auch jene Seiten, die wir nicht mögen,
die wir für die Liebe zu heilen haben,
um das Sein in wahrhaftiger Verschmelzung
leben, den Tanz zwischen Mann und Frau
wirklich tanzen zu können.

Eine Liebes-Geschichte zeigte mir,
wie das Haben-Wollen den Geliebten ersticken kann.
Die nächste führte mir vor Augen,
wie selbstmitleidiges Opferspiel Schönheit zerbricht,
eine andere ließ mich nachempfinden,
zu welch’ grausamer Waffe sich Wut verwandelt.
Kennt kein Halten mehr, der Zorn, mit seinen Worten.
Schießt Sätze wie Geschosse in den Raum,
die sich ins Gedächtnis graben,
leidvoll in der Seele Wunden schlagen.
Ein anderes Mal war die Geliebte so eifersüchtig,
dass jedes Vertrauen darin erstarb.
Immer wieder zeigte mir das Leben
im Gewande der Liebe,
wie sich eigenes Verhalten für andere anfühlt.
Indem wir es durch den Geliebten selbst erfahren,
erkennen wir, wann und wo wir andere schmerzten.
Die Liebe, das, was wir so nennen,
entlarvt blinde Flecken schonungslos,
will sie heilen und erlösen,
um sich frei entfalten zu können,
über enge Horizonte des Ichs hinaus.
Die Geduld der Liebe zerreißt am inneren Widerstand,
sich selbst erkennen zu wollen.
Man findet sich wieder im Alleinsein mit sich selbst.
Hast nicht vergessen, dankbar zu sein,
für all die Selbsterkenntnis,
doch schmerzvoll brennt der Verlust
der dich jäh ereilte.
Die Geliebte lockt und betört,
mit ihren Reizen, mit ihrer Hingabe.
Verschenkt sich liebestrunken
und entblößt im gleichen Zuge
die Unfähigkeit des Menschen, die reine Liebe anzunehmen.
Und ihr ergeht es ebenso.
Sie lässt spüren, wie schrecklich es sich anfühlt,
wenn Liebe nicht angenommen werden kann.

Das Vertrauen ist im Verliebtsein gewachsen,
ließ Hingabe wie Blüten in den Maiwind treiben,
bis aus nichtigem Anlass der Zauber erlischt,
im Augenblick, in dem Zweifel und Argwohn
sich fast unmerklich einzuschleichen beginnen.
Ein seltsamer Blick der Geliebten
stiftet Verwirrung, lässt dich ins Bodenlose stürzen.
Du schaust sie an und fühlst,
dass das Edle zerbrochen ist.
Nichts vermag es aufzuhalten,
als sei es unumstößliches Gesetz.
Im glückseligen Liebestaumel,
wird sich in Freude umschlungen.
Doch das Gift von Argwohn und Misstrauen
macht mit einem Mal den Zauber zunichte.
Plötzlich aus dem Nichts gekommen, ist er da,
dieser Impuls, mit dem uns das Vertrauen verlässt.
Wir haben uns weggeschenkt,
im Geben vergossen.
Doch dann schlägt eine Tür ins eiserne Schloss,
stellt durch ein einzelnes Wort,
mit einem einzigen misverstanden Satz,
das Heilige in Frage.
Aus dem Himmel gefallen.

Du ließest Dich verzehren,
betörende Reize lockten dein Begehren,
ließen dich glauben, es sei die Liebe,
der du folgst.
Bis der Moment der Erschöpfung kommt
und das Weib unersättlich bleibt.
Zurückgeworfen und beraubt der Illusion,
die hoffen und glauben ließen,
es gäbe ein immerwährendes Glück zu zweit,
als gäbe es den richtigen Lebenspartner,
zwei Wesen, Mann und Frau,
die zwei Hälften einer Seele sind.

Was eben noch Liebe war,
ist nun bizarre Fremde.
Ein Wort, ein Satz provoziert die Frage,
ob man den anderen wahrlich kennt.
Was geht in ihr vor,
kann sie mich spüren?
Ist sie so nah bei mir,
dass ihre Liebe die Zweifel besiegt?
Waren alle Bekenntnisse,
die schönen Worte und Komplimente
nur im Taumel der Euphorie
von den Lippen geflossen?
Welche Kraft reitet uns dann,
wenn wir uns romantisch ergießen?
Ist das die Liebe oder hungrige Begierde?

In einem Moment war jede Berührung
noch natürlich und ungezwungen,
dürstete die Liebe nach Zärtlichkeit,
labte sie sich in sinnlicher Erotik.
Ein winziger Augenblick, ein Gedanke,
eine Geste oder ein fragender Gesichtsausdruck,
lassen die Seelen aus der Wonne fallen.

Die Fragen nach dem Warum wollen nicht enden
und es gibt keine Antworten darauf.
Mann und Frau sprechen
zwei unterschiedliche Sprachen,
verstehen nicht des anderen Sinn.
Hörst nur noch, was deine Ängste nährt,
alte Wunden wieder aufbrechen lässt.
Eine Spirale der Verwirrung
beginnt sich zu drehen.
Jeder Versuch der Klärung
verhärtet die entstandenen Fronten.

Wag ich noch,
ihre Haut zu streicheln,
ihre Nacktheit wie ein Fest zu feiern,
mich von ihrem Liebreiz verführen zu lassen?

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Das Hohelied der Liebe

Als ich den folgenden Text zum ersten Mal las, konnte ich kaum glauben, dass das, was da stand, ein elementarer Teil unserer Kultur ist. Dieser mich sehr bewegende, unfassbar radikale Text stammt aus der Bibel, 1 Korinther 13, 1-8. Inzwischen gibt es viele Varianten, hier eine davon, die mir besonders gut gefällt. Es sollte eine weite Verbreitung finden. Hier sorge ich schon mal ein bisschen dafür:

Das Hohelied der Liebe

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.

Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt alles, sie glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind; als ich aber Mann wurde, legte ich ab, was kindisch an mir war.

Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin.

Jetzt aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.