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Einverständnis? Ein Verständnis-Problem.

Alter Schwede! Eigentlich wollte ich diese Woche über was ganz anderes schreiben, aber was die schwedische Regierung da jetzt rausgehauen hat, muss einfach kommentiert werden. Da komm ich nicht drum rum. Was ist passiert? Ich zitiere mal den Focus: „Das schwedische Parlament hat einen Gesetzesvorschlag zur Abwandlung des Tatbestands der Vergewaltigung genehmigt. Das neue “Einverständnis-Gesetz” besagt demnach, dass ein Mann auch bei einvernehmlichem Sex der Vergewaltigung angeklagt werden kann, wenn er sich zuvor keine eindeutige Einverständnis-Erklärung seiner Partnerin eingeholt hat“.

Neuer Schwung für abgehangene Beziehungen?

Nicht einmal der Postillon hat ein derartiges Gesetz in die Satirewelt gesetzt. Selbst diese oft genialen Freaks haben nicht kommen sehen, dass eine europäische Regierung so weit gehen würde. Springen wir doch mal ins Schlafzimmer, senden wir live! Tatort: Das Ehebett eines (schwedischen) Paares mittleren Alters, das verflixte siebte Jahr ist rum, die Kinder wurden bereits in früheren Beziehungen gezeugt. Der Thrill im Bett ist längst um die Ecke, aber „Es“ muss ja gelegentlich getan werden, so bislang der Konsens. Wer dann anfängt, war früher auch wurscht; wer halt gerade rollig ist, so das ungeschriebene Gesetz und damit fuhren sie bislang auch ganz gut. Man macht halt netterweise einfach mit, wenn es dem anderen gerade wichtig ist. Und wenn keine martialischen Hürden wie etwa ein frischer Bandscheibenvorfall oder eine Migräne dagegen sprechen. Das funktionierte, war vielleicht gelegentlich langweilig, aber jetzt ist ja das neue Gesetz da! Das Einverständnis-Gesetz! Da kommt doch endlich mal bürokratischer Schwung in die 140-mal-90-cm-Bude.

Abreißformulare? Diktiergerät? Oder gleich ne Kamera?

Zoom in: Es ist morgens, circa 5.30 Uhr, er erwacht aus einem Traum, den er schon wieder vergessen hat. Und er hat ein großes Ding in seinen Händen, die gute alte Morgenlatte eben und es wäre doch Verschwendung, oder? Also heranrobben an sie, tausend Mal passiert, nix besonderes, wie immer halt. Es ist eine laue Sommernacht, sie schläft unten ohne, einfach nur ganz sanft den Eingang finden und dann …

… fällt ihm ein, dass es ja jetzt das Einverständnis-Gesetz gibt. Wenn er es so macht, wie die Bisamratte an seinem Unterleib es vorgibt, riskiert er ja seine Existenz! Noch Jahre später, womöglich nach einer unschönen Trennung, wird sie ihn dafür verklagen können. Hätten sie doch vorgesorgt! Ein Abreißformular am Nachtschränkchen, das sie – wenngleich noch schlaftrunken – einfach nur unterschreiben muss. Oder die Diktiergerät-Funktion am Handy vielleicht? Ein vorformuliertes Sprachprotokoll, sie muss nur „Ja, ich will“ und das Datum sagen und alles ist geritzt? Oder gleich ne Kamera und wir reden ganz offen drüber? Ob all dieser Gedanken verabschiedet sich die Morgenlatte und während des Gangs zur Toilette nimmt er sich fest vor, beim nächsten besser vorbereitet zu sein. Zoom out – schöne neue Welt.