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Penisbilder – Selfies für untenrum

Penisbilder – die Selfies für untenrum – bekommen heutzutage zahlreiche Frauen geschickt, wenn sie auf Social Media unterwegs sind. Sprang „in der guten alten Zeit“ der Exhibitionist noch standesgemäß hinter einem Busch hervor und entblößte unter seinem klischeehaft langen Trenchcoat sein Geschlechtsteil, dann war das den Lokalzeitungen noch einen Zweispalter auf der Titelseite wert.

Heute ist das anders. Junge Frauen wachsen auf mit Datingportalen; früh lernen sie, dass sich Tinder auf Kinder reimt und die Exhibitionisten der Gegenwart haben es gut. Sie müssen nicht mehr länger frierend hinter dünnlaubigen Büschen ausharren, sondern können bequem im heimischen Wohnzimmer ihr bestes Stück in ein wohlgefälliges Licht setzen und unaufgefordert als persönliche Nachricht an jene Frauen senden, die ihre Aufmerksamkeit erregt haben. Wie geil ist das denn? Musste man früher – zuzeiten der analogen Fotografie – in der Tat fürchten, das Penisbild könnte einem Fotolaboranten auffallen, ist es heute – ohne Furcht vor einer Anzeige – fertig zum Versand, an eine nicht nach oben begrenzte Zahl potentieller Empfängerinnen.

Sind Pornos an den Penisbildern schuld?

Nachdem ich beschlossen hatte, über dieses Thema zu schreiben, wurde mir schnell klar, dass ich diesbezüglich über unzureichende Erfahrungen verfügte und verfasste einen Post in einer sehr lustigen Single-Gruppe auf Facebook, der da lautete: „Tach! Schreibe gerade am Blog der Woche – Thema: Penisbilder! Was sagen die Damen dazu? Sind hier Männer, die schon welche verschickt haben und das kommentieren wollen? Gerne per PN.“ Um es vorweg zu nehmen. PN‘s von Männern, die aktive Verschicker von Penisbildern sind, habe ich nicht bekommen. Was schade ist, denn es hätte mich sehr interessiert, was in diesen Männern dabei vorgeht. Interessant und nachdenkenswert fand ich in diesem Zusammenhang die Aussagen der Hamburger Psychotherapeutin Ann-Marlene Henning, die sie in einem Interview zum Thema „Penisbilder“ der Website „Barbara.de“ traf. Sie sagte: „Für Männer geht es beim Penis häufig um Größe. Schuld daran sind auch die Pornos, die sich sehr, sehr viele Männer regelmäßig anschauen. Hier wird sich erneut verglichen. Doch diese zeigen kein Abbild der Realität, sondern nur Riesen-Penisse, darüber sollten schon Jugendliche aufgeklärt werden. Die Penisgröße ist somit für Männer, was für uns die Kleidergröße ist. Sie fühlen sich zu kurz und wir zu dick. Schuld daran sind unrealistische mediale Bilder.“

Penisbilder – nichts für Frauen

Das fand ich wohltuend relativierend und die ja auch bei mir spontan auftauchende Phrase vom Exhibitionisten durchaus entkräftend. Aber zurück zur Singlegruppe und dem, was die betroffenen Damen dort zum Thema beizutragen hatten. Schnell wurde klar, dass sich eigentlich keine Frau über so eine „Botschaft“ freut. Also fragte ich nach: „Ab welchem Zeitpunkt der Kommunikation kommen die denn? Gleich am Anfang oder erst, wenn man eine Weile geschrieben hat?“ Die Antworten waren unterschiedlich, ließen aber Rückschlüsse auf ein gewisses Muster zu. Hier eine Auswahl: „Laut einigen Damen als Einstieg unmittelbar nach der Frage “wie geht’s“?” „3 bis 4 Sätze … dann kommt das Sex-Thema und die Pimmel-Fotos – äußerst nervig“. „Ich habe auch schon welche komplett ohne Vorwarnung bekommen. Ohne Kommentar, ohne auch nur ein „hallo, wie geht‘s dir“ vorher…“. Oder auch: „Man bekommt Penisbilder entweder als Einstieg mit den Worten “da würdest du doch gerne mal drauf sitzen” oder wenn man schreibt “danke kein Interesse” als Bonus so nach dem Motto “schau was du verpasst”. Was nicht klar wurde in den Feedbacks war, wer das eigentlich verschickt. Jüngere? Ältere? Männer aus einem schwierigen sozialen Milieu? Hierzu gab es keine klaren Aussagen und bringt mich zu der Vermutung, dass es kein klares Muster gibt, sondern schlicht nur eine Fixierung verschiedenster Männer auf ihr bestes Stück, das ihnen als schlagendes Argument in einer persönlichen Unterhaltung erscheint. Oder wie der Lateiner sagt: Coito, ergo sum! Bis bald mal wieder …

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Holla – ein Ohrgasmus?

Da macht dein Gegenüber den Mund auf, spricht zu dir und es haut dich einfach um! Das kennen viele von uns – oder? Dazu muss gar nichts sonderlich Intelligentes oder gar Laszives gesagt worden sein. Da reicht oft schon etwas Banales wie „Ganz schön laut hier“ oder „Kannst du mir sagen, wie spät es ist“? Woher kommt das? Und wohin führt das? Und überhaupt widerspricht so eine Erfahrung doch fundamental der Mainstream-Wahrnehmung in einer optisch gesteuerten Welt. Ja klar, bei einem Musiker oder einer Musikerin, da darf einem bei ner sexy Stimme schon mal die Gänsehaut den Rücken runterlaufen. Aber einfach so im Alltag? Beim Metzger an der Theke? Ich: „Ein paar Bratwürste bitte!“ Die Metzgereifachverkäuferin: „Mit Bärlauch oder ohne?“ Plötzlich siehst du sie für Sekundenbruchteile nackt. Das, was unter der Plastikschürze, die vor dem Verspritzen von Fleischabfällen schützen sollte, zu sehen ist. Das nennt man auditive Wahrnehmung und hat Geschwister: Nämlich die optische und die haptische Wahrnehmung – aber dazu später.

Reality-Check

In der Echtweltmetzgerei wirst du natürlich sagen „Bitte die ohne Bärlauch“ oder was auch immer. Die Fleischschürze der Dame wird wieder intransparent, du legst das Wurstpäckchen in deinen Einkaufswagen und irgendwann einer Kassiererin aufs Band, die vermutlich kein Wort mit dir wechselt. Aber jenseits der Metzgertheke sieht das oft anders aus. Meine Exfrau zum Beispiel: Als die Kinder klein waren,  liebte sie es, mit mir zu nachts zu telefonieren – so von Stockwerk zu Stockwerk – sie schon im Bett, ich noch am Selbstausbeutungs-Freiberufler-Schreibtisch. All das, was am Tage geschehen war, konnte nun in Ruhe besprochen werden und ja – sie stand auf meine Stimme! Was gelegentlich in heißen Elternsex mündete. Und das war gut so.

Das erste, was du hörst …

Nicht anders verhält es sich auf Dating-Portalen. Schreibsel, schreibsel, laber, laber – bis irgendwann eine Seite vorschlägt, zu telefonieren und sogar die – nunmehr Stalking-gefährdete – Handynummer preiszugeben. Oder die Festnetznummer, man weiß nicht, was letztlich schlimmer ist. Ich kenne tatsächlich Leute, die hierzu ein Prepaid-Handy in Reserve haben, aber das ist eine andere Geschichte. Fakt ist: So wie es einen „Blink!“ bei optischer Wahrnehmung gibt, so gibt es genauso einen Wow-Effekt, wenn du dein Geschreibsel-Gegenüber am anderen Ende der Leitung hörst! Aus dem Stimmklang schwingt unglaublich viel rüber, vieles auch, was Optik verbergen mag, die Stimme aber nicht: Optimismus, Frechheit, Paarungsbereitschaft. Resignation, Vorsicht, Schüchternheit. Und so vieles mehr. Wenn du deinen Ohren traust, dann ahnst du normalerweise nach ein paar Minuten, wer da ins Mikrofon spricht oder da lauscht.

Mit Dirty Talk zur erfüllteren Partnerschaft

Ich persönlich habe eigentlich überwiegend positive Resonanz auf die Resonanz meiner Stimme bekommen. Sollte ich deswegen in einem Call-Center arbeiten? Nein – die zahlen zu schlecht und wissen gute Stimmen nicht zu schätzen. Aber was ich zum Thema „Dirty Talk“ noch sagen will: Probiert es aus! Viele unausgesprochene Wünsche gehen im Bett leichter über die Lippen als bei anderen Gelegenheiten und so können Wege hin zu einer erfüllteren Partnerschaft eingeschlagen werden, die sonst nicht so ohne weiteres gangbar wären. Ende? Oh! Ich habe die Haptik vergessen – dazu ein Beitrag an anderer Stelle. Sprecht miteinander, so viel es geht …