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Männer sind Holzkohle, Frauen Briketts

Einen imaginären Freund hat man im Kindesalter, so die landläufige Meinung. Mädchen häufiger als Jungs, ab dem Grundschulalter dann etwa gleich oft. Das Phänomen ist wohl uralt, obwohl die ersten Studien dazu natürlich erst aus dem 20. Jahrhundert stammen. Erst als ich las, dass frühe Gesellschaften das Phänomen als einen Kontakt zu den Ahnen oder den Göttern interpretierten, war mein Interesse geweckt: Wie und was wäre mein imaginärer Freund? Wie wäre dieses Wesen drauf? Wäre es eine Sie oder ein Er? Aus meinen eigenen Erinnerungen kann ich da leider nicht schöpfen, denn ich bin in den Siebzigern Kind gewesen; zu einer Zeit, als es noch Spielkameraden in Hülle und Fülle gab, und wir Kinder barsch ins Haus gerufen wurden, wenn es dunkel wurde. Ganz anders als heute, wo man als Eltern den Nachwuchs zum Gassi-Spielplatz befehlen muss – und sei es nur für eine halbe Stunde. Praktisch übrigens, wenn man als Elternteil auch einen Hund hat, dann geht das in einem Aufwasch. Aber ich schweife ab.

Nahezu jeder Mensch hatte als Kleinkind seinen imaginären Freund

Kolportiert wird nämlich, dass es überwiegend Einzelkinder sind – beziehungsweise durch Scheidung oder die Segnungen des Niedriglohnsektors mit integrierter Isolationshaft Betroffene –, die auch in reiferem Alter die unstillbare Sehnsucht nach einem Partner hegen. Nach einem Partner, der genau ihr Spiel spielt, dieses „Du willst, was ich will“. Und wenigstens fast immer für sie da ist. Besser: So oft wie möglich? Langer Rede, kurzer Sinn: Eine Menge Menschen da draußen, denen ich begegnet bin, leben in puncto Partnerschaft fröhlich nach dem Motto „Farmen und formen!“ Ein Begriffspaar, das ich gerne erklären will – und zugleich auch eine Hypothese aufstellen.  Warum? Weil ich’s kann. Weil ich jetzt einfach mal behaupte, dass nahezu jeder Mensch als Kleinkind seinen imaginären Freund hatte. Wobei die Wahrscheinlichkeit, diese Kleinkind-Phase zu vergessen, hoch ist: Das kann in den Träumen passiert sein, „diese eine Woche damals, als du drei warst und ‚Fieber‘ hattest“. Gut, Eltern könnten das wissen. Vielleicht. Und vor allem, wenn man sie rechtzeitig fragt, bevor sie sterben. Tut aber kaum einer. Stattdessen gilt das Motto: „Farmen halt“ (erklär ich weiter unten), offiziell nach dem passenden Sexual- und dann idealerweise auch Lebenspartner. Passt endlich jemand in dieses Beuteschema, dann passiert etwas Neues!

Mächtige Verdrängungsmechanismen

Also bitte jetzt nicht falsch verstehen, diese Zwischenüberschrift war nicht männerverachtend gemeint. Haben die schnell lodernden Männer eine NGO, bei der ich mich diesbezüglich entschuldigen kann? Finde jetzt nix, pisse erst mal an den Zaun der Gender-Korrektheit. Und kehre zurück zum roten Faden. Es passiert etwas Neues! Was ist das? Es ist natürlich (sonst wäre es nicht als Hypothese formuliert) das „Formen“. Und da unterscheiden sich Männer und Frauen anfangs kaum. Der Abgleich zwischen dem „Imaginären Freund“ und der Person gegenüber (Stehtisch, Sitzecke, Sofa – wer weiß?) erfolgt rasch. Fucking schnell sogar, um es jetzt  mal auf Neudeutsch zu sagen. Ist er negativ – Reboot, wir kennen das – dann geht es zurück auf das „Farmen“-Level. Farmen? Das ist eigentlich ein Begriff aus der Computerspielszene, der das Anhäufen von Ressourcen im Spiel umschreibt, und in der althergebrachten Sprache so ungefähr „warm halten auf kleiner Flamme“ bedeutet. Ist der Vergleich aber positiv, dann scheiden sich nun häufig die Geister, vulgo Geschlechter und natürlich gibt es mächtige Verdrängungsmechanismen.

Geist aus der Flasche

Ja, ich weiß – habe jetzt immer noch keine Antwort auf die Grill-Frage in der Überschrift gegeben. Grill-Frage? Ja klar doch. Die jungen Menschen heute hatten per Geburt durchwegs Zentralheizung. Nix mit Kinderjobs wie „die volle Ölkanne vom Keller bis in den dritten Stock tragen“. Kohleschippen war nicht meine Generation, muss aber auch Scheiße gewesen sein. Ach ja, der Grill: Die jungen Menschen kennen die Unterscheidung zwischen Holzkohle oder Brikett, wenn sie totes Tier oder neuerdings auch Zucchini mit irgendwas drauf auf einen Alu-Rost über einem zufällig anwesenden Feuer rösten. Und genau so ist das auch beim Umgang mit der eher unfreiwillig beobachteten  Entdeckung: Das könnte mein (neuer) „Imaginary friend“ sein! Entweder es lodert schnell (Mann) oder die Entdeckung ist so beachtlich, dass eine längere Observation erforderlich ist (Frau). Oder man ist ab einem gewissen Alter einfach drüber weg. Projektion und Indoktrination auf einen – wie auch immer ausgewählten Partner – hilft nicht?

Episches Duell zweier Backmaschinen

Und an diesem Punkt komme ich zu dem Moment zurück, in dem ich beschlossen habe, zu diesem Thema zu schreiben. Weil das „Du willst, was ich will“ steckt natürlich auch in mir. Und das „Formen-Wollen“ kenne ich natürlich auch. In der Regel enden solche Beziehungen wie beim epischen Duell zweier Backmaschinen: Zerfetzter Teig auf beiden Seiten und nix, was man in den Ofen schieben und danach genießen könnte. Und ja – im Nachgang dieser Erwägungen neige ich dazu, meinen „Unsichtbaren Freund“ nicht mehr im Außen, bei anderen Menschen, sondern in mir drin zu suchen. Das sollte doch kein Problem sein? Was ich im Vorschulalter konnte … kann ich jetzt auch.

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Ejakulation: weibliche Lust – die Welle der Erkenntnis

Ich hab‘s ja schon erzählt, muss es aber an dieser Stelle doch noch mal erwähnen. Meine sexuelle Aufklärung kam ursprünglich von Dr. Sommer und Dr. Korff aus der „Bravo“, und diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass ich vom Phänomen der weiblichen Ejakulation – im Porno-Umfeld auch Squirting genannt – lange Zeit nichts wusste. Bis zu jenem Tag, an dem mich im wahrsten Sinne des Wortes eine Welle der Erkenntnis traf. Was war passiert? Ich hatte eine Frau kennen gelernt – bei einem BDSM-Stammtisch im Übrigen, aber dazu an anderer Stelle mehr – und sie kam mich besuchen. Also Kaffee gemacht, wir sitzen auf dem Balkon und unterhalten uns. Dass beiderseits ein sexuelles Interesse bestand, war schon am ersten Abend klar geworden und so verwunderte es nicht, dass wir nach einer Weile in einer innigen Umarmung gefangen waren – mit forschenden Fingern unterwegs zu den edleren Teilen dieses neuen, noch fremden Körpers.

Sturmflut auf dem Balkon

Die Lust kochte hoch und ziemlich schnell war ich mit einem Phänomen konfrontiert, das ich schlicht nicht kannte: Ihre Jeans (die hatte sie immer noch an) wurde feucht, und damit meine ich nicht einen kleinen Fleck an der altbekannten Stelle, sondern am gesamten Unterleib, bis runter zu den Knien. Feucht ist untertrieben, es war pitschnass und natürlich war mein erster Gedanke, sie könnte sich in die Hose gepinkelt haben. Dem war aber nicht so, der strenge, urintypische Geruch war schlicht nicht wahrnehmbar. Ich gebe zu: Diese Sturmflut mir unbekannter Ursache raubte mir die Lust nahezu schlagartig. Außerdem galt es, ganz praktische Aufgaben zu lösen: Denn diese Jeans würde sicher erst am nächsten Tag trocken sein und sie musste noch mit dem Bus relativ zeitnah nach Hause – wegen ihrer Kinder. Also habe ich ihr eine Hose und Unterwäsche geliehen und sie entschwand.

Derlei Feuchtgebiete brauche ich gar nicht

Der Anlass unseres dritten Treffens war dann vordergründig die Abholung jener mittlerweile getrockneten Jeans. Und diesmal verzichteten wir auf ein Vorspiel auf dem Balkon und gingen gleich ins Bett. Ich Depp: Hätte ich mal ordentlich über das Geschehen beim letzten Treffen nachgedacht, dann hätte ich wenigstens einen dieser plastikbeschichteten Matratzenschoner besorgt, wie sie in Seniorenheimen Verwendung finden. So gab es wilden Sex ohne Schonung meiner Matratze. Sie kam drei Mal, immer wieder mit einer großen Portion dieser unbekannten Flüssigkeit, die meine Matratze aufsaugte wie ein Lebenselixier. Und ja, bis das wieder trocken war, habe ich drei Tage lang auf meinem Sofa genächtigt – derlei Feuchtgebiete brauche ich gar nicht. Als ich zu dieser Zeit einer sehr guten Freundin mein Leid klagte und von den Geschehnissen berichtete, erhielt ich die Information, dass es sich hierbei um das so genannte Squirting handle – ich solle doch mal auf Wikipedia nachschlagen.

Mysteriöser weiterer Forschungsbedarf

Das tat ich denn auch in meinen Tagen auf dem Sofa, derweil ich wehmütig zu meiner Matratze hinüberschielte, die sich im Trocknungsprozess befand – wenigstens war damals Sommer! Und ich lernte dazu, denn: „Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt es sich bei weiblicher Ejakulation und Squirting im Grunde um zwei verschiedene Vorgänge, die allerdings gleichzeitig während eines Orgasmus auftreten können. Squirting allein meint ein stoßweises Ausspritzen der in der Blase befindlichen Flüssigkeit, die Eigenschaften verdünnten Urins aufweist. Dieser Prozess ereignet sich während des Orgasmus.“ Und mysteriös wurde es auch, denn es bestehe „weiterer Forschungsbedarf unter anderem hinsichtlich der genauen Zusammensetzung des Ejakulats, des genauen anatomischen und physiologischen Entstehungsorts sowie der Vorgänge, die zum Auslösen der Ejakulation führen.“ Und das im 21. Jahrhundert? Immerhin gehen die Schätzungen um die Häufigkeit dieses Phänomens weit auseinander. In den 1960er Jahren ging man von einem Prozentsatz von 4,7 % der Frauen aus. Neuere Studien vermuten hingegen einen deutlich höheren Prozentsatz von bis zu 54 %. Das halte ich – mit Verlaub – für Unsinn. Zumindest in meinem Leben bin ich nur ein weiteres Mal einer Frau im Bett begegnet, die derlei phantastische Mengen an Flüssigkeit ausstieß. Blöd, dass das in den Tropen passierte und Matratzen dort nicht trocknen – ich musste das Hotel wechseln.

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Das neue Matriarchat

Die neue Frauenmacht ist nicht gegen den Mann gerichtet
und nicht gegen unsere Liebe zu den Männern.
Sie verlässt aber entschlossen diejenigen Strukturen,
die zu der weltweiten Vernichtung des Lebens
und der Liebe beigetragen haben.

Es liegt jetzt an uns Frauen,
die politische und sexuelle Verantwortung wieder anzunehmen,
die so lange gefehlt hat.
Wir laden alle engagierten Männer ein,
sich unserer Friedensarbeit anzuschließen.

Sabine Lichtenfels

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Face it: Du bist nicht einzigartig!

„Was ich habe, ist Charakter in meinem Gesicht. Es hat mich eine Masse langer Nächte und Drinks gekostet, das hinzukriegen“ – das wusste schon Humphrey Bogart, und ich kann dem nur zustimmen. Aber was, wenn du einem dir unbekannten Menschen derart ähnlich siehst, dass dessen Bekannte dich tatsächlich für „Ihn“ halten? Mir ist das mit Anfang zwanzig zum ersten Mal passiert. Es fing damit an, dass die Türsteher meiner damaligen Stammdisco damit begannen, mich kostenlos reinzulassen. Plötzlich war da dieser wissende Blick, ein kurzes Nicken und schon war ich drin! Und dies, nachdem ich zuvor jahrelang brav meinen Eintritt bezahlt hatte. Hatte es damit zu tun, dass nun alle Welt erkannt hatte, dass ich wirklich cool war und endlich in der „Szene“ angekommen? Ironie aus: Ich gestehe, dass ich mir damals gar keine großen Gedanken gemacht, sondern dieses Procedere einfach nur als angenehm hingenommen habe.

Wilder Sex und großzügiger Drogenkonsum

Das änderte sich allerdings nur kurze Zeit später. Da gab es eine schöne junge Frau, die mir ausnehmend gut gefiel. Und weil ich in solchen Fällen durchaus zu Schüchternheit neige, war alles, was ich tat, sie stets anzulächeln, wenn sich unsere Blicke begegneten. Der Hammer war – sie lächelte zurück! Und so kamen wir eines Nachts zu fortgeschrittener Stunde ins Gespräch; am Rande der Tanzfläche, beide schon ziemlich angeschickert, sie schrie mir einiges ins Ohr, was ich nicht recht einordnen konnte. Ich schob das auf die brüllende Lautstärke und gedanklich weit von mir. Dann ging alles ziemlich schnell: Wir nahmen ein Taxi, fuhren zu mir und es folgte eine Nacht voll von unbändiger Leidenschaft, wildem Sex und großzügigem Drogenkonsum.
Am nächsten Morgen war sie weg, kein Zettel, keine Telefonnummer, nichts. Ich wollte natürlich mehr davon, aber was tun? Das einzige, was blieb, war natürlich jene Orte aufzusuchen, an denen wir uns immer wieder über den Weg gelaufen waren, und eine Woche später war es soweit: Da stand sie nun, lächelte mich schief an und offenbarte mir bei einem Bier, dass sie mich an jenem Abend verwechselt hatte. Sie hatte mich für einen angesagten Szenemusiker aus dem nahe gelegenen Schweinfurt gehalten. Nun dämmerte mir auch, wie ich zu dem plötzlichen freien Eintritt gekommen war und ja – das tat meinem Ego gar nicht gut. Übrigens bin ich mit dieser Frau auch heute noch befreundet, erst in jüngster Zeit habe ich sie in Berlin besucht und wir haben über die damaligen Ereignisse nochmals herzhaft gelacht.

Der Mythos der eigenen Einzigartigkeit

Weniger zum Lachen war der gedankliche Nachgang. Denn die Erkenntnis, dass der Anblick eines vermeintlich bekannten Gesichts ausreichen kann, um massive sexuelle Handlungen auszulösen, vermag schon mächtig am Mythos der eigenen Einzigartigkeit zu nagen. So gingen die Jahre ins Land, und da ich in dieser Zeit eifrig – im Sinne Humphrey Bogarts – an meiner Physiognomie arbeitete, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass mir so etwas noch mal passieren könnte. Bis der „Graf“ kam. Damit meine ich den „Graf“ der Band Unheilig, dessen Konterfei mit seinem Hit „Geboren, um zu leben“ urplötzlich überall zu sehen war: Im Netz, in der Zeitung im TV – es gab kein Entkommen und das Schlimme war, dass ich damals nicht nur dieselbe „Frisur“, sondern auch eine sehr ähnliche Barttracht hatte. Fast noch krasser: Der hatte eine ähnlich tiefe Stimme und tanzte sogar wie ich, wie ich auf YouTube entdecken musste. Kurzum: Ob beim Bäcker oder beim „Schlecker“ (den gab es damals noch) – überall wurde ich auf diese Ähnlichkeit angesprochen. Meine damalige Frau fand das lustig und setzte noch einen drauf: Sie erstand auf Ebay einen „Grafenanzug“ und buchte für uns Karten für Unheilig, die ein Charitykonzert in einem Würzburger Möbelhaus gaben. Um es kurz zu machen: Der Graf entdeckte mich im Publikum und es gab jenen kurzen Moment, in dem wir uns in die Augen sahen und beide wussten: Einzigartig sind wir nicht auf dieser Welt, zumindest nicht optisch. Nach nur vier Liedern entschwand der „Graf“ zum Ausgang – zu einer weiteren Veranstaltung. Danach gab es es noch Häppchen vom Sternekoch und die Fans sorgten dafür, dass ich davon nichts abbekam: Hier ein Selfie und da ein Autogramm – meine Proteste, ich sei nicht „Er“, wurden fröhlich ignoriert. An diesem Abend lernte ich noch etwas: Ich will bitte nie ein Promi werden!

Übrigens haben wohl die Deutschen das Wort „Doppelgänger“ erfunden. Denn es wird in vielen anderen Sprachen verwendet, etwa im Englischen, Französischen, Italienischen, Portugiesischen und Spanischen, aber auch im Thai, Chinesischen und Russischen.

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Die Plage der „Tage“

Menstruationsbeschwerden – mein erster praxisbezogener Kontakt mit diesem Begriff erfolgte in der 11. Klasse. Ich hatte herausgefunden, dass der dritte Direktor (der sinnigerweise auch noch Michel hieß) bereitwillig Krankmeldungen abzeichnete. Bei meinen ersten Versuchen mit den üblichen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen stellte ich fest, dass Direktor Michel überhaupt nicht durchzulesen schien, was da auf dem Krankmeldungszettel stand. Kühn schrieb ich fürderhin stets „Menstruationsbeschwerden“ auf meine Zettel – ohne jemals Widerspruch zu ernten. Ein kleiner Scherz am Rande meines Pennälerdaseins, aber ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Geschlechter, wie ich aus Sicht der heutigen, gendergeschwängerten Realität anmerken möchte.

Von Primaten und Rüsselspringern

Weniger heiter war meine Wiederbegegnung mit diesem Begriff wenige Jahre später. Zu dieser Zeit hatte ich meine erste feste Beziehung, so richtig mit regelmäßigem Sex, wenn, ja wenn da nicht die „Regel“ gewesen wäre. Denn eine mir bislang unbekannte Regel besagte, dass man während der „Regel“ auf Sex zu verzichten habe. Das fand ich doof. Doch obwohl ich glaubhaft versicherte, dass es mich vor fließendem Lebenssaft und womöglich blutbedecktem Penis nicht gruseln würde,  fand ich kein Gehör. Wusste meine damalige Partnerin mehr als ich? Ich habe sie nicht gefragt, bin aber bei der Recherche zu diesem Text auf einiges in Sachen Menstruation gestoßen, was doch … erstaunlich ist! Wusstet  ihr zum Beispiel, dass die Menstruation nur bei höheren Primaten, darunter dem Menschen, einigen Arten von Fledermäusen und den Rüsselspringern vorkommt? Und bevor jemand fragt: Die Rüsselspringer sind eine Familie der Säugetiere in Afrika, kleine Bodenbewohner, die durch einen großen Kopf mit rüsselartig verlängerter Nase sowie durch einen langen Schwanz und dünne Gliedmaßen charakterisiert sind. Die Hinterbeine übertreffen dabei die Vorderbeine deutlich an Länge. Der Geschlechtsakt dauert in der Regel nur wenige Sekunden; das Männchen vollführt ihn in nahezu aufrechter Position. Wollte das jemand wissen? Viel interessanter ist doch der Fakt, dass die „Regel“ in der Natur eben nicht die Regel ist, sondern vielmehr eine krasse Ausnahme darstellt.

Frau „kann diese Unreinheit auch übertragen“

Das mag auch der Grund sein, warum –  zumindest in der Vergangenheit – die „Tage“ der menschlichen Gesellschaft oftmals suspekt waren. So wurde bis ins 20. Jahrhundert dem Menstruationsblut nachgesagt, es sei giftig und könne Lebensmittel verderben oder zum schnelleren Verderb beitragen. Andererseits sollte es auch magische Kräfte haben und war die Zutat vieler Zauber. Den Vogel schießen in diesem Zusammenhang mal wieder die so genannten Buchreligionen ab: So sah – wie viele andere christliche Gelehrte des Mittelalters auch – Hildegard von Bingen die Menstruation als eine Folge des Sündenfalls. Geht es krasser? Klar: Nach jüdischem Glauben hat im Körper der Frau ein Absterbeprozess stattgefunden. Sie wird deswegen als unrein betrachtet und kann diese Unreinheit auch übertragen.  Wer sie berührt, ist unrein bis zum Abend. Im Islam ist es während der Periode den Ehepartnern nicht erlaubt, miteinander den Geschlechtsakt zu vollziehen. Und während dieser Zeit ist der muslimischen Frau auch das typische rituelle Gebet nicht erlaubt. Wie auch immer – in meinem späteren Leben hatte ich lange Beziehungen mit zwei Frauen, die das Thema „Sex während der Menstruation“ weitaus entspannter sahen. Ich glaube, ich hab auch niemand mit Unreinheit angesteckt. Allerdings gab es doch einen Wermutstropfen: Bei beiden gingen die „Tage“ häufig mit Migräneschüben einher. Doch Migräne ist ein eigenes Thema, dem ich mich andernorts widmen werde. Fertig! Jetzt erst mal eine schöne „Bloody Mary“.

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Seufzen erlaubt

Antwort einer Frau zu „Seufzen verboten“ von Bobby Langer

Um es gleich vorwegzunehmen:

  1. Das „Göttinnen-Gefühl“ kenne ich auch – einerseits in Bezug auf mich und mein Frausein, andererseits als „universelles Gefühl der Liebe“ (worum es aber in diesem Blog nicht oder nur am Rande geht, insoweit eine Thematik aus dem Komplex „Mann-Frau“ in dieses weiterreichende Gebiet hineinragt).
  2. Ja, lieber Mann, Du darfst! (Und darauf gehe ich hier ein; es juckte mich quasi sofort nach dem Lesen in meinen Fingern bzw. regten sich meine Hirn- und Herzzellen, ob jetzt YIN oder YANG, weiblich, männlich oder irgendwas dazwischen!)

Das NEIN, lieber Bobby, beantwortest Du, wie mir scheint, ja bereits durch einige Deiner Fragen. Denn wäre es wünschenswert – im Sinne von LEBEN –, dass ein Mann (der ja in erster Linie erst mal ein Mensch ist) seine Leidenschaft und Fantasie beschränkt, den Schmetterling in seiner Seele (welch schönes Bild!) totschlägt? Das kann ich nur mit einem großen NEIN beantworten. Als Mensch muss ich dies so beantworten. Und so ergibt sich für mich der nächste Schritt: Wie der Mann also damit umgeht, wenn er seine Faszination ausdrückt. Wie reagiert er auf seine Umgebung, wenn sie ihn tatsächlich belächelt? Ist er sich denn selbst seiner ureigenen Männlichkeit bewusst? (Wer sagt überhaupt, dass Schwärmerei für das Schöne, das Göttliche nicht zu Männlichkeit passt? Gab es nicht z.B. die Minnesänger? Was ist mit Autoren wie Garcia Marquez oder Figuren wie Don Juan? Denen wird wohl niemand ihre Männlichkeit abgesprochen haben oder heute absprechen, obwohl sie das Weibliche besungen und hochgehalten haben! Aber sogar, wenn Mann kein offensichtlicher Macho ist, ist er dann unmännlich? Sind wir immer noch nicht so weit, dass jeder Mensch seine eigene Definition für sich selbst finden darf? Ob Mann, Frau oder irgendeine Zwischenform? Gibt es diese statisch anmutende Einsortierung überhaupt? Gab es sie je? Ja, ja, ich weiß: gesellschaftliche Normen und Moden … Aber auch diese wechselten immer wieder. Wie sieht es heute damit aus?)

Obige Fragen wird sich der Mann wohl selbst beantworten müssen, wobei der Austausch auch mit „den“ Frauen dazu beitragen kann und von ihnen bestimmt wird.
Wie sieht es mit Bobby Langers Vermutung aus, dass SIE ihn nicht ernst nähme, wenn er von (und vor) ihr schwärmte? Oder sich gar angemacht fühlte? – Meine Entgegnungen darauf: Achtsamkeit und Mut. Aber eine Garantie gibt es natürlich auch dann nicht, dass eine Offenbarung gegenüber der Erwählten auf die Resonanz stößt, die Mann sich wünscht. Klar. Dafür sind wir – ob Frau oder Mann – zu verschieden, einzigartig jeweils.
Ist es ein Drama für den Mann, wenn Frau sich nicht angesprochen, vielleicht sogar belästigt fühlt? Kann Mann die Reaktion nicht einfach bei der Frau lassen? Wenn sie es nicht annehmen kann, hat es da überhaupt einen Sinn, ihr das Innere (des Mannes) zu zeigen? Welchen?
Und was ist, wenn Mann sich das offene Schwärmen versagt – und so die Chance vertut, mit der Angebeteten in Kontakt (sei es für ein Lächeln, sei es für eine Nacht oder gar länger) zu kommen?

Mir scheint, den Mut aufzubringen, sich selbst auszudrücken in seiner Einzigartigkeit, berührt hier tiefe, allgemein menschliche Bedürfnisse nach Gesehenwerden, nach Angenommenwerden, nach Geliebtwerden …

Was ist nun, wenn Mann sich traute (Fragestellung zwei von Bobby Langer)? Der Blitz trifft ihn beim Anblick dieser Göttin, er möchte zu ihr gehen und sich offenbaren … Und das soll er NICHT dürfen? (Sagt Bobby.) Aber warum, um Himmels willen? Leben wir wirklich noch so im „Mittelalter“ (oder gar noch schlimmer, da ja an sich in den Medien kein Thema mehr tabu zu sein scheint)? … Ich habe keine Antwort darauf. Bin keine Wissenschaftlerin oder Soziologin. Mag da auch keine gesellschaftlichen Konventionen gelten lassen. Ich – Frau in den besten Jahren und mit jeder Menge Lebenserfahrung (mit sich und auch mit vielen Männern) – kann und mag mich wohl auch nur ganz persönlich dazu äußern:

Bitte traut euch, Männer! Seid ganz Mann! Oder einfach: Mensch! Teilt doch bitte uns Frauen mit, wenn ihr begeistert seid! (Ich lasse mal all die Situationen weg, in denen es mal nicht passen kann bei der einen oder anderen, was ja ganz menschlich ist, steht frau ja auch nicht immer auf Empfang!)

Beschenkt uns mit Pfauenaugen, mit Poesie, mit Hingabe! Doch seid authentisch dabei (– nicht jedem Mann mag die Poesie flüssig von den Lippen kommen)! UND: Verwechselt nicht den Ausdruck eurer Verzückung und Verehrung für das Göttliche in dieser Frau mit dem zu erfüllenden Begehren! Denn die Verbrämung von Wunsch nach (sexueller) Lusterfüllung mit  Worten von Anbetung und Schwärmerei, die wird sie durchschauen! Vielleicht nur unbewusst, doch sie wird das Unausgesprochene spüren. Um dies klarzustellen: Ich bin auch dafür, sexuelles Verlangen deutlich auszusprechen (was auch nonverbal geschehen kann). Doch das eine zu sagen und das andere zu meinen, kann zu Verwirrung und natürlich dann auch zu Ablehnung führen. Vielleicht sollte sich Mann erst mal darüber bewusst werden, was sich da in ihm so heiß regt!?

Bobby Langer, Du fragst, ob sie sich als Objekt missbraucht fühlen könnte … Ja, das könnte sie. Doch nur, wenn Mann nicht wirklich selbstbewusst ist und erwartet, dass Frau ihn auch dann versteht und annimmt, wenn er es nicht ist.

Ich plädiere für eine lustvolle UND achtsame Offenheit. Ja, und natürlich auch von uns Frauen gegenüber Männern! … Allerdings haben wir Frauen da mit dem Sich-erklären gegenüber dem Mann wohl noch ordentlich Übungsbedarf! Das war in den vergangenen Jahrhunderten wohl eher nicht so „in“, vermute ich, wenn ich mir die vermittelte, bekannte Geschichte anschaue.

Wie wär’s, wenn wir alle, egal wer wir sind oder wen wir lieben (oder von wem wir uns sexuell angezogen fühlen), mutig lernen, uns ehrlich zu zeigen?! Ohne Erwartung auf irgendeine Erfüllung allerdings, denn dann sind mehr oder weniger schmerzhafte Enttäuschungen wohl vorprogrammiert. Sich zeigen ganz grundsätzlich und nicht nur in in einer Situation der „Liebe“, wenngleich das offensichtlich ein besonders sensibles Feld ist und dementsprechend umso achtsamer „bestellt und beackert“ werden muss.

Wie wäre es also? Wollen wir unsere Leben bereichern? Gegenseitig bereichern? Wollen wir mehr Farben? Mehr Töne? Mehr Gefühle? Mehr Tiefe? Mehr wirkliche Verbindung?

Dann bleibt uns wohl nur eine Richtung: hin zum JA und zum Schwärmen!

Dann wird Seufzen nicht nur erlaubt, sondern willkommen sein!

Arwén

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Gefickte Jungs

„Guys we fucked“ nennen die beiden Amerikanerinnen Krystyna Hutchinson und Corinne Fisher ihren Podcast. Das will und soll provozieren, denn schließlich drehen die beiden den Geschlechter-Spieß herum. Daran werden auf einmal keine Mädels über dem Feuer männlicher Lust geröstet, sondern umgekehrt, die Guys werden „verheizt“. Doch es steckt weit mehr hinter dem krassen Titel, wie sein ergänzender Slogan „The Anti-Slut-Shaming Podcast“ klarstellt: ein neuer weiblicher Emanzipationsschritt – die Ankündigung, dass frau die Schlampen-Etikettierung („Slut“) nicht mehr hinnehmen mag; dass frau sich nicht mehr dafür schämen muss, wenn sie ganz einfach auch mal Lust auf die Lust hat.

Seien wir doch mal ehrlich: Mädels, die es wild treiben und sich Jungs „nur so zum Spaß“ schnappen, sind in bürgerlichen Kreisen alles andere als gesellschaftsfähig. Dort sähe man die Schwiegertochter doch eher noch züchtig, während man dem eigenen Sohn den Parcours durch die Betten als „Vorbereitung aufs Leben“ durchgehen lässt. Der eigene Sohn „gefickt“? Undenkbar.

Dass Hutchinson und Fisher den Nerv vieler junger Frauen in den USA getroffen haben, belegt die Zahl ihrer Abonnentinnen: über eine halbe Million. Es ist anzunehmen bzw. zu hoffen, dass sich auch junge deutsche Frauen nicht mehr mit dem Bild des „züchtigen (und vielleicht sogar nicht mehr ganz so jungen) Mädchens“ identifizieren, ohne deswegen gleich ins Vamp-Lager überwechseln zu müssen. Vielleicht darf Spaß am Sex auch für Frauen ganz normal sein.

Den Original-Podcast findet ihr unter https://soundcloud.com/guyswefucked.

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[Foto: pixabay_xusenru]