Liebe zwischen den Geschlechtern ist ein Glaubenssatz, eine mentale Infusion. Nur weil sie uns von früher Kindheit an via Illustrierten, Filmen und Romanen eingetrichtert wurde und wird, muss dieser Mythos noch lange nicht wahr sein. Oder doch?

Ich weiß: Jetzt ernte ich nicht nur Kopfschütteln, sondern Vermutungen über meinen Geistes- bzw. Seelenzustand. Ich kann euch versichern: Ich bin durchaus bei Troste. Und ich bin seit 1979 verheiratet, mehr oder weniger glücklich (was auch immer das heißen mag). Oder ist das eher ein Hinweis, dass ich doch gestört bin?

Spaß beiseite: Wie kann man nur an der Wahrheit der „Liebe zwischen den Geschlechtern“ zweifeln? Nun, es hat im Jahr 1600, als die Hexenverbrennungen ihren Höhepunkt hatten, auch Menschen gegeben, die an der Existenz von Hexen gezweifelt haben. So viel zum gesamtgesellschaftlichen Konsens von Wahrheiten.

Was nährt also meinen Zweifel an der „Liebe zwischen den Geschlechtern“? Zum einen ganz banale Einsichten: So gut wie jeder glaubt zwischen seinem 14. und 30. Lebensjahr, die oder den RICHTIGEN gefunden zu haben, den EINZIGEN oder die EINZIGE, AUSERWÄHLTE. Je weniger Erfahrung wir haben, desto leichter bilden wir uns das ein. Und je unerfahrener, gieriger bzw. ausgedürsteter wir sexuell sind. Es ist so, als hätte die Evolution eine Art Bratpfanne aufs Feuer unserer Hormone gestellt, und je nachdem, ob wir mehr auf Hausmannskost, chinesische Küche oder Steak getrimmt wurden, steigt uns der verführerische Duft einer appetitlichen Geschlechtsmahlzeit in die Psycho-Nase. Noch nie, meinen wir, hätten wir so etwas Köstliches auf dem Teller gehabt wie IHN oder SIE; das muss sie sein, endlich – die große Liebe.

Pardon für den banalen Bratpfannen-Vergleich. Ich will damit nicht all jene hohen Gefühle verunglimpfen, die bei menschlichen Geschlechtsritualen im Spiel sind. Der Vergleich kam mir vielleicht, weil ja gerade jetzt die Geschlechter wieder ihre Reize und Körpersignale aufs Köstlichste auspacken. Das Ergebnis ist vorherseh- und -sagbar: neue Liebesbeziehungen, neue Affären, neue Seitensprünge, neue Kinder, neue Hoffnungen, neue Enttäuschungen, neue Seelenqualen. Und auch: viele vorgetäuschte Orgasmen.

Bei genauer Betrachtung glaubt freilich kaum jemand, dass es nur die oder den einen gibt. 99 Prozent aller Liebeskummer-Fälle lösen sich von alleine auf, indem ihre Ursache durch eine gleichwertige Alternative gelöscht oder wenigstens ausbalanciert wird. Was war also dann die große Liebe? Die Beziehung davor oder die danach? Und nicht ganz zufällig sinkt die Rate spontaner Verliebtheiten mit wachsender Geschlechtererfahrung. 80-Jährige verlieben sich nicht deswegen weniger, weil sie es nicht mehr könnten, sondern weil sie ganz einfach sehr viel mehr um den Trug wissen, der in der Luft liegt, wenn die Hormone mal wieder auf die Hirnanhangdrüse durchgreifen.

Was alles nicht heißen soll, Liebe machte keinen Spaß. Ja doch, tut sie.

[Foto: pixabay_miapowterr]

Antwort einer Frau zu „Seufzen verboten“ von Bobby Langer

Um es gleich vorwegzunehmen:

  1. Das „Göttinnen-Gefühl“ kenne ich auch – einerseits in Bezug auf mich und mein Frausein, andererseits als „universelles Gefühl der Liebe“ (worum es aber in diesem Blog nicht oder nur am Rande geht, insoweit eine Thematik aus dem Komplex „Mann-Frau“ in dieses weiterreichende Gebiet hineinragt).
  2. Ja, lieber Mann, Du darfst! (Und darauf gehe ich hier ein; es juckte mich quasi sofort nach dem Lesen in meinen Fingern bzw. regten sich meine Hirn- und Herzzellen, ob jetzt YIN oder YANG, weiblich, männlich oder irgendwas dazwischen!)

Das NEIN, lieber Bobby, beantwortest Du, wie mir scheint, ja bereits durch einige Deiner Fragen. Denn wäre es wünschenswert – im Sinne von LEBEN –, dass ein Mann (der ja in erster Linie erst mal ein Mensch ist) seine Leidenschaft und Fantasie beschränkt, den Schmetterling in seiner Seele (welch schönes Bild!) totschlägt? Das kann ich nur mit einem großen NEIN beantworten. Als Mensch muss ich dies so beantworten. Und so ergibt sich für mich der nächste Schritt: Wie der Mann also damit umgeht, wenn er seine Faszination ausdrückt. Wie reagiert er auf seine Umgebung, wenn sie ihn tatsächlich belächelt? Ist er sich denn selbst seiner ureigenen Männlichkeit bewusst? (Wer sagt überhaupt, dass Schwärmerei für das Schöne, das Göttliche nicht zu Männlichkeit passt? Gab es nicht z.B. die Minnesänger? Was ist mit Autoren wie Garcia Marquez oder Figuren wie Don Juan? Denen wird wohl niemand ihre Männlichkeit abgesprochen haben oder heute absprechen, obwohl sie das Weibliche besungen und hochgehalten haben! Aber sogar, wenn Mann kein offensichtlicher Macho ist, ist er dann unmännlich? Sind wir immer noch nicht so weit, dass jeder Mensch seine eigene Definition für sich selbst finden darf? Ob Mann, Frau oder irgendeine Zwischenform? Gibt es diese statisch anmutende Einsortierung überhaupt? Gab es sie je? Ja, ja, ich weiß: gesellschaftliche Normen und Moden … Aber auch diese wechselten immer wieder. Wie sieht es heute damit aus?)

Obige Fragen wird sich der Mann wohl selbst beantworten müssen, wobei der Austausch auch mit „den“ Frauen dazu beitragen kann und von ihnen bestimmt wird.
Wie sieht es mit Bobby Langers Vermutung aus, dass SIE ihn nicht ernst nähme, wenn er von (und vor) ihr schwärmte? Oder sich gar angemacht fühlte? – Meine Entgegnungen darauf: Achtsamkeit und Mut. Aber eine Garantie gibt es natürlich auch dann nicht, dass eine Offenbarung gegenüber der Erwählten auf die Resonanz stößt, die Mann sich wünscht. Klar. Dafür sind wir – ob Frau oder Mann – zu verschieden, einzigartig jeweils.
Ist es ein Drama für den Mann, wenn Frau sich nicht angesprochen, vielleicht sogar belästigt fühlt? Kann Mann die Reaktion nicht einfach bei der Frau lassen? Wenn sie es nicht annehmen kann, hat es da überhaupt einen Sinn, ihr das Innere (des Mannes) zu zeigen? Welchen?
Und was ist, wenn Mann sich das offene Schwärmen versagt – und so die Chance vertut, mit der Angebeteten in Kontakt (sei es für ein Lächeln, sei es für eine Nacht oder gar länger) zu kommen?

Mir scheint, den Mut aufzubringen, sich selbst auszudrücken in seiner Einzigartigkeit, berührt hier tiefe, allgemein menschliche Bedürfnisse nach Gesehenwerden, nach Angenommenwerden, nach Geliebtwerden …

Was ist nun, wenn Mann sich traute (Fragestellung zwei von Bobby Langer)? Der Blitz trifft ihn beim Anblick dieser Göttin, er möchte zu ihr gehen und sich offenbaren … Und das soll er NICHT dürfen? (Sagt Bobby.) Aber warum, um Himmels willen? Leben wir wirklich noch so im „Mittelalter“ (oder gar noch schlimmer, da ja an sich in den Medien kein Thema mehr tabu zu sein scheint)? … Ich habe keine Antwort darauf. Bin keine Wissenschaftlerin oder Soziologin. Mag da auch keine gesellschaftlichen Konventionen gelten lassen. Ich – Frau in den besten Jahren und mit jeder Menge Lebenserfahrung (mit sich und auch mit vielen Männern) – kann und mag mich wohl auch nur ganz persönlich dazu äußern:

Bitte traut euch, Männer! Seid ganz Mann! Oder einfach: Mensch! Teilt doch bitte uns Frauen mit, wenn ihr begeistert seid! (Ich lasse mal all die Situationen weg, in denen es mal nicht passen kann bei der einen oder anderen, was ja ganz menschlich ist, steht frau ja auch nicht immer auf Empfang!)

Beschenkt uns mit Pfauenaugen, mit Poesie, mit Hingabe! Doch seid authentisch dabei (– nicht jedem Mann mag die Poesie flüssig von den Lippen kommen)! UND: Verwechselt nicht den Ausdruck eurer Verzückung und Verehrung für das Göttliche in dieser Frau mit dem zu erfüllenden Begehren! Denn die Verbrämung von Wunsch nach (sexueller) Lusterfüllung mit  Worten von Anbetung und Schwärmerei, die wird sie durchschauen! Vielleicht nur unbewusst, doch sie wird das Unausgesprochene spüren. Um dies klarzustellen: Ich bin auch dafür, sexuelles Verlangen deutlich auszusprechen (was auch nonverbal geschehen kann). Doch das eine zu sagen und das andere zu meinen, kann zu Verwirrung und natürlich dann auch zu Ablehnung führen. Vielleicht sollte sich Mann erst mal darüber bewusst werden, was sich da in ihm so heiß regt!?

Bobby Langer, Du fragst, ob sie sich als Objekt missbraucht fühlen könnte … Ja, das könnte sie. Doch nur, wenn Mann nicht wirklich selbstbewusst ist und erwartet, dass Frau ihn auch dann versteht und annimmt, wenn er es nicht ist.

Ich plädiere für eine lustvolle UND achtsame Offenheit. Ja, und natürlich auch von uns Frauen gegenüber Männern! … Allerdings haben wir Frauen da mit dem Sich-erklären gegenüber dem Mann wohl noch ordentlich Übungsbedarf! Das war in den vergangenen Jahrhunderten wohl eher nicht so „in“, vermute ich, wenn ich mir die vermittelte, bekannte Geschichte anschaue.

Wie wär’s, wenn wir alle, egal wer wir sind oder wen wir lieben (oder von wem wir uns sexuell angezogen fühlen), mutig lernen, uns ehrlich zu zeigen?! Ohne Erwartung auf irgendeine Erfüllung allerdings, denn dann sind mehr oder weniger schmerzhafte Enttäuschungen wohl vorprogrammiert. Sich zeigen ganz grundsätzlich und nicht nur in in einer Situation der „Liebe“, wenngleich das offensichtlich ein besonders sensibles Feld ist und dementsprechend umso achtsamer „bestellt und beackert“ werden muss.

Wie wäre es also? Wollen wir unsere Leben bereichern? Gegenseitig bereichern? Wollen wir mehr Farben? Mehr Töne? Mehr Gefühle? Mehr Tiefe? Mehr wirkliche Verbindung?

Dann bleibt uns wohl nur eine Richtung: hin zum JA und zum Schwärmen!

Dann wird Seufzen nicht nur erlaubt, sondern willkommen sein!

Arwén

„Guys we fucked“ nennen die beiden Amerikanerinnen Krystyna Hutchinson und Corinne Fisher ihren Podcast. Das will und soll provozieren, denn schließlich drehen die beiden den Geschlechter-Spieß herum. Daran werden auf einmal keine Mädels über dem Feuer männlicher Lust geröstet, sondern umgekehrt, die Guys werden „verheizt“. Doch es steckt weit mehr hinter dem krassen Titel, wie sein ergänzender Slogan „The Anti-Slut-Shaming Podcast“ klarstellt: ein neuer weiblicher Emanzipationsschritt – die Ankündigung, dass frau die Schlampen-Etikettierung („Slut“) nicht mehr hinnehmen mag; dass frau sich nicht mehr dafür schämen muss, wenn sie ganz einfach auch mal Lust auf die Lust hat.

Seien wir doch mal ehrlich: Mädels, die es wild treiben und sich Jungs „nur so zum Spaß“ schnappen, sind in bürgerlichen Kreisen alles andere als gesellschaftsfähig. Dort sähe man die Schwiegertochter doch eher noch züchtig, während man dem eigenen Sohn den Parcours durch die Betten als „Vorbereitung aufs Leben“ durchgehen lässt. Der eigene Sohn „gefickt“? Undenkbar.

Dass Hutchinson und Fisher den Nerv vieler junger Frauen in den USA getroffen haben, belegt die Zahl ihrer Abonnentinnen: über eine halbe Million. Es ist anzunehmen bzw. zu hoffen, dass sich auch junge deutsche Frauen nicht mehr mit dem Bild des „züchtigen (und vielleicht sogar nicht mehr ganz so jungen) Mädchens“ identifizieren, ohne deswegen gleich ins Vamp-Lager überwechseln zu müssen. Vielleicht darf Spaß am Sex auch für Frauen ganz normal sein.

Den Original-Podcast findet ihr unter https://soundcloud.com/guyswefucked.

Mehr zum Thema HIER und HIER

[Foto: pixabay_xusenru]

 

Schade, die Geschichte vom Storch kennen moderne Jugendliche nicht mehr. Sie wissen schon mit zehn Jahren, oft viel früher, dass das Teil zwischen ihren Beinen „Schwanz“ oder „Muschi“ heißt. Die Pseudoaufklärung via Pausenhof-Handyporno lässt sich nicht mehr verhindern. Da war dann der geflügelte Babytransporter vielleicht doch die sympathischere Alternative. Erst später lernen die Kids dann die „anständigen“ Wörter für die „unanständigen“ – es sei denn, sie haben eine Mutter, an die sie sich rechtzeitig wenden konnten. Denn wenn es einen Aufklärer in der Familie gab, dann war das lange Zeit die Mutter, nicht der Vater. Der Mann war meist nicht Manns genug für das peinliche Thema, hatte „keine Zeit“.

Das hat sich heute geändert und ist nicht mehr nur Frauensache. Auch Väter haben immer öfter vertrauten Umgang mit ihren Kindern und sprechen sexuell Tacheles. Und nicht zu vergessen: Aufklärung findet inzwischen, oft auch gekonnt und angemessen, in der Schule statt. Schwerer haben es da junge Leute mit Migrationshintergrund. In deren Familien ist sexuelle Aufklärung eher noch ein Tabuthema. Im günstigsten Fall lernen Mädels und Jungs das, was ihre Eltern verschwiegen haben, voneinander. Das dürfte im Übrigen die beste Informationsquelle sein: learning by doing und einander erzählen, wie es einem „dabei“ gerade geht. Denn ist es nicht so: Wer noch nie ein Kätzchen im Arm hatte, der kann noch so viel darüber lesen oder sehen. Wie es sich anfühlt, wird er oder sie niemals wissen.

Ein afrikanisches Märchen

Stellt euch ein Dorf vor, ein afrikanisches Dorf, mit Ziegen, runden Lehmhäusern, Palmen, einem Brunnen … Hunden, Menschen … heißer Sonne und einem großen Wald nebenan. In diesem Dorf lebten ein Mann, seine Frau und ihr Sohn. Der Sohn wurde groß mit den Worten: „Wenn du mit einer Jungfrau schläfst, wirst du sterben!“ – Der Vater sagte es und die Mutter sagte es. So wuchs der Junge heran, und als er in das Alter kam, da er nach den Mädchen sah und sie nach ihm … da … eines Tages nahm ihn der Vater und führte ihn in den Wald. Die Eltern hatten ihm eine Hütte gebaut. „Hier wirst du wohnen“, sagte der Vater. „Wir wollen nicht, dass du stirbst. Hier wirst du keine Jungfrau treffen.“ Sie brachten ihm das Essen.

Doch der Wille der Eltern ist eins, die Kraft des Lebens etwas anderes. Denn, na klar, kam ein junges Mädchen vorbei und sie spielten miteinander. Sie entdeckten sich und den Wald. Am Abend sagte der Junge zu dem Mädchen: „Wenn ich einmal mit dir schlafe, werde ich sterben. Es wird sein, als ob sich ein Schwert in mein Herz bohrt, sagte mein Vater.“ „Dann werde ich nicht wiederkommen!“, antwortete das Mädchen. „Doch, bitte komm wieder.“ Und so kam es wieder und sie entdeckten sich und den Wald. Und eines Tages liebten sie sich und schliefen miteinander, und so wie der Vater und die Mutter es prophezeit hatten, geschah es: Der Junge starb.

Und das Mädchen? Es ging in den Wald zu einem alten Jäger und erzählte ihm, was geschehen war. Der alte Jäger war vertraut mit dem Tod und sagte: „Das ist kein Problem.“ Er nahm eine Eidechse, die er im Gras fand, und steckte sie in die Tasche und dann gingen sie ins Dorf. Die Eltern hatten den toten Jungen gefunden und ihn unter großem Wehklagen in die elterliche Hütte zurückgebracht. Das ganze Dorf begann zu klagen. Da trat der Jäger mit dem jungen Mädchen in die Hütte: „Klagt und jammert nicht!“, rief der alte Jäger. „Der Junge ist noch nicht tot! Errichtet einen großen Reisighaufen auf dem Dorfplatz und legt den Jungen darauf. Dann zündet das Reisig an. Ich werde eine Eidechse in die Flammen legen. Und wenn ihr es schafft, sie herauszuholen, dann kommt der Junge ins Leben zurück. Schafft ihr es nicht, so wird er verbrennen.“

Die Dorfbewohner hatten Vertrauen zu diesem alten Mann und taten, wie er es ihnen geheißen hatte. Als die Flammen züngelten, trat die Mutter an das Reisig heran und wollte die Eidechse herausholen, doch die Flammen schlugen ihr ins Gesicht, sodass sie erschrocken zurückwich. Auch dem Vater ging es nicht anders. Und die junge Frau? Sie sprang mitten in das Feuer hinein und trug die Eidechse aus dem Feuer. Der junge Mann erwachte und erschrak, als er sich auf dem Feuerhaufen liegen sah. Schnell sprang er herunter, und die Trauer wandelte sich in Freude und ein großes Fest wurde gefeiert.

Am Abend wandte sich der alte Jäger an den jungen Mann und die junge Frau, den Vater und die Mutter, und sie gingen ein Stück beiseite. Der Jäger nahm die Eidechse wieder und zog ein Schwert. Das gab er dem jungen Mann und sagte: „Wenn du die Eidechse tötest, dann wird deine Mutter sterben und du wirst mit deiner Frau weiterleben. Tötest du sie nicht, dann wird deine Frau sterben und du wirst mit deiner Mutter weiterleben.“

Was würdest du tun?

Erzählt von Fank-Ole Haake nach „Michael Meade: Die Männer und das Wasser des Lebens“

Foto: emilyhasson_pixabay.de

„Die Oma würde ich nicht von der Bettkante stoßen.“ Zugegeben, der Spruch lag mir noch nie auf den Lippen. Was nichts über die Attraktivität älterer Frauen aussagt, sondern vor allem über meine eingefahrenen Denk- und Fühlgewohnheiten. Ebenfalls zugegeben: Junge Frauen werden ihren Reiz auf mich wohl bis kurz vor dem Krematorium behalten – was einerseits etwas über Evolution aussagt, aber eben auch über Verhaltensmuster.

Mit 32 Jahren hatte ich mich in eine wunderbare Frau verliebt. Stumm und ohne Offenbarung, denn erstens war sie Pfarrerin und zweitens war ich verheiratet mit damals noch zwei Kindern. Das Spannende daran: Irgendwann erfuhr ich, dass sie vier Kinder hatte und 48 war. Aha.

Heute denke ich: Das war mein Zugang zur Liebe im Alter. Heute bin ich über 30 Jahre älter, aber an meinem Gefühlsrepertoire hat sich fast nichts geändert. Fast. Und dieses „fast“ hat es in sich: Ich spüre eine viel größere Geduld in mir, eine viel größere Freude an langsamer, feiner Entwicklung von Zuwendung und Zärtlichkeit. Ob sich dann daraus mal Sex entwickelt oder nicht, ist beinahe egal. Was nicht heißt, dass mir ein One-Night-Stand nicht auch mal gelegen käme. Nur: Wichtig ist er gar nicht mehr, er erscheint mir eher wie ein Eingangsportal zu Beziehungsproblemen, die ich nicht mehr brauche.

Zwei Drittel aller Deutschen über 65 haben noch Sex, erzählt uns Klaus Beier, Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité, schwächt das Thema aber gleich ab, indem er die sinkende Koitus-Frequenz betont. In gleich welchem Alter gehe es uns um „Nähe, Annahme, Sicherheit und Geborgenheit“, um „Geborgenheit“. Stimmt, so ist das. Und genau genommen: Das war auch vor 30 Jahren so.

Liebe Leser & Lover,

hat das Beziehungsmodell Monogamie ausgedient?
Im aktuellen SPIEGEL wird die alte Idee der freien
Liebe zur Wunschvorstellung moderner Frauen ernannt.

PolyAmorie klingt gut. Nach Lebensstil. Freiheit und Lust.
Eine sinnliche Form der Emanzipation …

Monogamie dagegen impliziert Monotonie. Langeweile.
Ein lahmes Leben.

Und doch ist diese Vorstellung romantischer Liebe mit
einem / einer Einzigen – „bis dass der Tod uns scheidet“ –
in unsere Wiege gelegt worden. Bestenfalls von unseren Eltern
vorgelebt. Zumindest jedoch von Film, Funk und Fernsehen,
der Gesellschaft und der Kultur verherrlicht und als DAS richtige
Lebensprinzip anerkannt.

Alternative Lebens- und Liebeskonzepte stellen diese
konventionellen Vorstellungen auf den Kopf. Wer sich nicht in
eherne Schubladen pressen lassen will, der bricht daraus aus.
Und lebt ein Liebes-Leben in sinnlicher(?) Sünde.

Ist das nun richtig oder falsch, gut oder schlecht?

Ich plädiere für Toleranz und Selbstbestimmung.
Es liegt an uns herauszufinden, mit welchem Leben und welcher Liebe
wir glücklich sind.

Natürlich ist es unser aller Traum, dass er oder sie,
der Mann oder die Frau fürs Leben, auf einmal vor der Türe steht.
Doch bevor das ein Traum bleibt, der nicht wahr wird, ist die PolyAmorie
vielleicht gar keine so schlechte Alternative? Zumindest als Übergangs-Lebensform.
Und vielleicht finden wir ja auch einen Liebespartner, der uns nicht einsperrt, sondern
ebenfalls die Lust und das Abenteuer liebt, ohne auf eine verlässliche und
vertrauensvolle Zweisamkeit verzichten zu wollen!

So zieht auch DER SPIEGEL das Fazit: „Aber unsere Körper sind noch die alten.
Sie verlangen nach einer verlässlichen Zweierbeziehung – und gelegentlichen Abenteuern.“

Also alles gar nicht so kompliziert?
Auf ein glückliches Liebes-Leben. So oder so …

Eure

Nikki Rose

Es gibt Blüten, vor denen möchte man die Knie neigen, so schön sind sie – auch als Mann. Sie berühren unsere inneren Saiten so sehr, dass wir schier zu zittern beginnen. Zumindest dem einen oder anderen von uns geht das so. Geschehen kann uns das auch beim Anblick einer Frau, ganz unabhängig übrigens von dem jeweiligen Schönheitsideal, das sie erfüllt. Es ist dieses Göttinnen-Gefühl, das SIE dann in uns zum Schwingen bringt und das uns schier überwältigen kann.

Aber darf „Mann“ von einer Frau so verschwenderisch schwärmen?

Wenn nein, was geschieht dann mit seiner Fantasie und Leidenschaft? Schiebt er sie unter den Teppich von guter Sitte und Prüderie und belügt sich selbst (und SIE)? Schlägt er den Schmetterling in seiner Seele tot wie ein störendes Insekt? Weil seine Umgebung ihn vielleicht belächelt oder für entartet hält. Weil seine Schwärmerei nicht zu seiner Männlichkeit passt? Weil SIE ihn dann nicht mehr ernst nimmt. Oder sich von ihm angemacht fühlt?

Wenn ja, was wäre die angemessene Form? Natürlich gibt es die konventionellen Wege der Annäherung, der genährten Hoffnungen über Stunden, Wochen oder Monate hinweg. Die Schmeicheleien, die Komplimente, die Blumen, die „zufälligen“ Berührungen. Doch was, wenn der Blitz ihrer Erscheinung ihn auf der Straße trifft bei einer zufälligen Begegnung; wenn SIE im gleichen Zugabteil sitzt und ihr Lächeln ihm den Atem raubt oder ihre Stimme im Café zwei Tische weiter bei ihm Schauer der Lust auslöst? Kann er dann zu ihr gehen und aus tiefster Überzeugung sagen: „Pardon, darf ich Ihnen gestehen, dass mir Ihre Schönheit den Atem raubt? Dass ich mich Ihnen am liebsten zu Füßen werfen möchte, wenn die Situation dies erlaubte?“ Nein, das darf er natürlich nicht. SIE würde denken: Der Kerl ist komplett durchgedreht. Wo ist die Polizei? Gleich geht er mir an die Wäsche. Hiiiiiilfe!

Also tut er es nicht. Also erschlägt er seine Begeisterung für SIE wie einen fetten, haarigen Nachtfalter, der im rechten Licht doch auch ein Pfauenauge sein könnte. Er verbannt Poesie und Hingabe aus seinem (und ihrem) Leben, weil Begeisterung für eine Frau eben verrückt ist und natürlich auch nicht politisch korrekt. Denn wer weiß: Könnte SIE sich nicht als Objekt seiner Fantasie empfinden, missbraucht von seiner Begeisterung? Ganz ausgeschlossen ist das nicht. Und weil er ja so sehr für SIE schwärmt, würde er ihr diese Schmach nie antun wollen – und hält seinen Mund.

Noch mehr und ganz und gar ausgeschlossen ist SELBSTVERSTÄNDLICH (?), dass SIE  sich IHM erklärt. Oder?

Liebe Opfer der immer neu zutage tretenden und überraschenden Gegensätze von Frau und Mann. „We’re One (Mankind). But we’re not the same. We keep on hurting. And we do it again …“ Bono von U2 singt heraus, was bittere, oftmals humorvolle, manchmal schmerzhafte Wahrheit ist.

Männer und Frauen gehören zwar derselben Spezies Mensch an. Wir sind allerdings grundverschieden. Doch „Mann – Frau“ ist eine tradierte Erscheinung. Mittlerweile gibt es Dutzende von „In-betweens“. Und dadurch wird das Auskommen zwischen „Er – Sie – Es“ nicht unbedingt einfacher, sondern hochgradig komplex.

Ich freue mich, am heutigen 1. März, passend zum Frühlingsbeginn 2017 und der damit einhergehenden Flirt-Jagd-Saison, diesen Blog ins Leben zu rufen, und bin neugierig auf rege und spannende Beiträge über die Schubladen und Kategorien der Genres hinaus. Denn für Schubladen ist diese quirlige und bunte Welt zwischenzeitlich viel zu versatil.

Eure

Nicole Rose